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Kerbbursche rücken zusammen

Von Kerbbursche sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Anstatt sich gegenseitig Streiche zu spielen, feiern sie zusammen – und zwar über die Grenzen der Ortsteile hinweg.
Maximilian Walther (Harheimer Kerbburschen-Präsident), Nils Kozonek (Nieder-Erlenbacher Alt-Präsident der Kerbeburschen, hinten links), Kerbeborsch Präsident Robin Gördhoff (Nieder-Erlenbach, hinten rechts) und Robert Schuch (Massenheimer Kerbebursch) kurz vor dem Kerbe-Umzug. Foto: Holger Menzel Maximilian Walther (Harheimer Kerbburschen-Präsident), Nils Kozonek (Nieder-Erlenbacher Alt-Präsident der Kerbeburschen, hinten links), Kerbeborsch Präsident Robin Gördhoff (Nieder-Erlenbach, hinten rechts) und Robert Schuch (Massenheimer Kerbebursch) kurz vor dem Kerbe-Umzug.
Nieder-Erlenbach. 

Üble Streiche, mit denen man sich gegenseitig Schlaf und Nerven raubt, sind heute unter den Kerbegesellschaften deutlich weniger geworden. Zwar werden Kerbebaum und Fahnen immer noch bewacht. Doch mit richtig heimtückischen oder gar zerstörerischen Aktionen – wie dem Absägen des Baumes – macht man sich das Leben gegenseitig meist nicht mehr schwer. Da sind sich die Erlenbacher Kerbbursche und ihre Gäste einig.

Großer Zusammenhalt

„Mittlerweile ist der Zusammenhalt größer“, sagt Maximilian Walther von den Harheimer Kerbbursche. Ebenso sieht es, Robin Gördhoff. Der Erlenbacher Kerbbursche-Präsident ist überzeugt: Wenn, dann müssen er und seine Jungs eher einen Coup aus den eigenem Lager erwarten. Denn die Erlenbacher Alt-Kerbbursche machen sich gerne mal einen Spaß daraus, den Jungen Bembel oder Fahne zu entwenden. Gegen eine Strafe von 50 Euro bekommen sie ihre typischen Kerbe-Statussymbole aber wieder ausgehändigt.

Es ist die 581. Kirchweih, die in diesem Jahr gefeiert wird. Mit ihrem Engagement halten die aktuellen Kerbbursche eine entsprechend lange Tradition aufrecht. Wobei es bei den Kerben etwa in Kriegszeiten immer wieder Unterbrechungen gab. Typisch für das Fest in Nieder-Erlenbach ist die Kerbemarie. Die Puppe wird jedes Jahr neu gemacht und sitzt oben auf dem Kerbebaum, bis sie am Dienstag zum Ende der Kerb verbrannt wird.

Ganz der Tradition gemäß sind die Erlenbacher auch bei der Frauenfrage: Es gibt immer nur ein Kerbmädel, das jedes Jahr neu in einem kleinen Wettbewerb rund um den Gickelschmiss am Sonntag bestimmt wird: Hier versuchen drei Mädels den symbolischen Tongickel mit einem Dreschfeudel zu erwischen. Die, die ihn als Erstes zerschlägt, hat gewonnen. Zentraler Programmpunkt bei der Kerb ist überdies der Umzug, der am Sonntag von den Aktiven, den Alt-Kerbburschen und ein paar befreundeten Vereinen bestritten wurde.

Robin Gördhoff steht zum zweiten Mal als Präsident den Kerbbursche vor. Er ist froh, dass das Fest auch in diesem Jahr gelungen ist, wie er am Samstagabend sagt. Tatsächlich läuft es gut am Samstag: Zwar waren einige Anstrengungen nötig, bis der Baum endlich stand, doch am Abend ist wieder alles in Butter. Das Zelt ist – wie am Freitag – gut gefüllt, die Live-Band „Helium 6“ rockt, und draußen amüsieren sich Jugendliche beim Autoscooter. Verstärkung beim Feiern haben die Erlenbacher zudem von Gleichgesinnten aus der Umgebung: So feiern Kerbeburschen aus Dortelweil, Kalbach, Harheim, Berkersheim, Massenheim, Bommersheim und Dorfelden mit.

Stimmung garantiert

Die Frage nach dem Warum erübrigt sich beinah: „Kerbburschen bringen immer Stimmung“, sagt Maximilian Walther mit Blick in die Runde. Die Unterstützung und Freundschaft unter den Vereinen ist aus seiner Sicht nötig. Schließlich sei es heutzutage für keinen Verein mehr so leicht, die Kerbeborsch-Tradition an zahlreiche junge Leute weiterzugeben, sagt er.

Hinter alldem, was die meisten Besucher nur passiv erleben, steckt freilich viel Arbeit. Die allerdings zahlt sich für die Beteiligten doppelt aus. Davon ist „Präsi“ Robin überzeugt: „Ich liebe es, für meine Jungs da zu sein“, sagt er. Und auch er selbst schätze die Gemeinschaft während der Kerbewoche.

Zwei Wehrmutstropfen gibt es allerdings: Der Regen am Samstagabend und die immer schwächer werdende Stimme des 18-Jährigen. Von all dem enthusiastischen Gesang und Apfelwein-Konsum ist sie überanstrengt. Wünschen würden sich die Nieder-Erlenbacher Kerbbursche allerdings noch mehr Unterstützung von den Erlenbachern: „Es wird viel gemacht für den Ort“, sagt Nils Kozonek von den Alt-Kerbbursche. Aber die Leute nähmen das Angebot nicht so an. Gerade ältere Erlenbacher würde er gerne neben dem Frühschoppen häufiger auch auf dem Kerbplatz sehen. Allerdings nicht aus finanziellen Gründen, wie er betont. Wichtig fände er es für die Gemeinschaft im Ort. Das gemeinsame Feiern stärke den Zusammenhalt, so Kozonek.

Gelegenheit anzustoßen besteht heute noch den ganzen Tag: Höhepunkt sind der Frühschoppen ab 11 Uhr sowie die Verbrennung der Kerbemarie gegen 22 Uhr.

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