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Bolzplatzliga Frankfurt: Kicken bringt die Kids zusammen

Von Für die Bolzplatzliga F43+ des Sportkreises Frankfurt gibt es keinen eigenen Verband und keine einheitlichen Trikots — aber eine Menge Unterstützung und Selbstorganisation der Kinder und Jugendlichen. Gestern startete die Liga mit 32 Teams in die dritte Saison.
Kein Rasen, keine Trikots, fünf gegen fünf: In der Bolzplatzliga geht’s anders zu als beim klassischen Vereinsfußball. 	Fotos: Leonhard Hamerski Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Kein Rasen, keine Trikots, fünf gegen fünf: In der Bolzplatzliga geht’s anders zu als beim klassischen Vereinsfußball. Fotos: Leonhard Hamerski
Gallus. 

Dass es sich nicht um klassischen Verbandsfußball handelt, bezeugen schon die Namen der mitspielenden Teams: „Galluspark Freunde 716“, „Galaxy11 Griesheim“ oder auch „Die Wilden Bornheimer Rotznasen“ füllen die Bolzplatzliga F43+ mit Leben. Man spielt nicht auf Rasen und nicht über große Distanzen. Die Kinder und Jugendlichen, zehn bis 17 Jahre jung, tragen außerdem keine einheitlichen Trikots und Schienbeinschoner, sondern nur bunte Leibchen, Jogginghosen und Sneakers. Der Fußball, den sie anbieten, mag nicht sehr taktisch geprägt sein, ist aber keineswegs minderwertig. Er ist schnell, trickreich, präzise und fair, so roh und dynamisch wie der Ort des Geschehens: der Bolzplatz. Einmal pro Woche fünf gegen fünf, zwei Tore, ein Ball – die Karriere nicht weniger Profifußballer begann auf diese Weise.

 

Kuchen für den Gegner

 

Gestern wurde die Bolzplatzliga F43+ zum dritten Mal auf dem Bolzplatz der Ackermannschule gestartet. Nicht allerdings, um Profis auszubilden, sondern um Kindern und Jugendlichen zwischen April und September eine Beschäftigung am Nachmittag zu ermöglichen, sie zu fordern und zu fördern. „Fair Play und Respekt gehören zum wesentlichen Kern des Spiels und unserer Philosophie“, sagte Roland Frischkorn, Vorsitzender des Frankfurter Sportkreises, der die Liga ins Leben rief und koordiniert. Frischkorn betonte dabei allerdings die Selbstorganisation der Kicker, welche von der Platzpflege über gemeinsames Training und die Schiedsrichterausbildung bis zum gebührenden Empfang des jeweiligen Gegners reicht.

„Es hat mich schon ziemlich berührt, als ich erfuhr, dass die Kids Kuchen für den Gegner backen und Tee servieren“, erzählte Philip Holzer, Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Business for Sports“, Aufsichtsrat bei Eintracht Frankfurt und für die kommende Saison neuer Schirmherr der Bolzplatzliga. Im Gepäck hatte Holzer, der mit „Business for Sports“ in vielen verschiedenen Projekten jährlich 4000 Kinder erreicht, einen Scheck über 25 000 Euro, damit der Ligabetrieb sichergestellt wird – schließlich braucht es auch betreuendes Personal, Bälle und vieles mehr. Insgesamt benötigt die Liga ein Budget von 40 000 Euro; sie wird aber auch von der Stadt, dem Land, dem Sozialprojekt Spielraum, Aurelis Real Estate und der Caritas unterstützt.

 

Unerwartete Harmonie

 

Holzers Engagement endet mit dem Scheck allerdings keineswegs. „Sport ist einer der wenigen Klebstoffe, der unsere auseinander driftende Gesellschaft zusammenhält“, sagte er und verwies auf die vielen verschiedenen Nationalitäten der Teilnehmer, die friedlich und ohne aggressive Zwischenfälle miteinander spielten: „Da herrscht eine Harmonie, die man nicht erwarten würde.“ Besonders stolz ist er dabei auf eine bestimmte Zahl: Zwölf von insgesamt 32 Teams kommen aus Flüchtlingseinrichtungen. „Gerade für diese Kinder ist die Liga wichtig“, sagte Holzer. Im letzten Jahr habe er beobachtet, wie die Mitspieler als Ersatz für Brüder und Schwestern fungierten, schließlich seien die meisten Flüchtlingskinder alleine und verwaist.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) wünscht sich, dass das „sehr erfolgreiche“ Projekt künftig organisch und stetig wächst, so dass alle 43 Frankfurter Stadtteile mindestens eine Mannschaft stellen — schließlich trägt die Liga die 43 Quartiere bereits im Namen. Damit dies geschehen kann, hat Philip Holzer noch einiges vor mit der Liga: „Von 100 Bolzplätzen in der Stadt sind viele in katastrophalem Zustand“, berichtete er. Dies gelte es zu verändern, indem man die Wahrnehmung des Bolzplatzes als wichtigem Treffpunkt in der Nachbarschaft betone. „Alles ist möglich“, sagte Holzer und schloss Private-Public-Partnerschaften für die Platzpflege ebenso mit ein wie die Beleuchtung bei Dunkelheit.

Damit Wachstum und Veränderungen aber aus der Mitte des Projekts heraus geschehen, angetrieben von den jungen Kickern, setzt Holzer Reizpunkte für weiteres Engagement und lobt Preise aus: Für die fairste Mannschaft, den besten Gastgeber und für Ideen, wie die Liga und die Plätze verbessert oder verschönert werden können. „Die Kids sollen mit Ideen kommen, Eigeninitiative und Selbstorganisation sollen weiter wachsen.“

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