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Impfstatistik: Große Unterschiede zwischen Stadtteilen: Kinder in Frankfurt: Gut betucht, schlecht geimpft

Von Frankfurts Kinder sind besser geimpft denn je. Bei den Einschulungsuntersuchungen des Gesundheitsamts hatten 2015/16 zwei von drei Kindern einen vollständigen Impfstatus. Doch das ist noch immer nicht genug, wie 15 Masernfälle in der Stadt jüngst gezeigt haben. Und es gibt große Unterschiede innerhalb des Stadtgebiets.
Eine Arzthelferin bereitet eine Masernimpfung vor (Symbolbild) Bilder > Foto: Lukas Schulze (dpa) Eine Arzthelferin bereitet eine Masernimpfung vor (Symbolbild)
Frankfurt. 

Nicht alle Kinder haben die gleichen Chancen. Das gilt auch beim Impfschutz, allerdings mit etwas anderen Vorzeichen. Während sonst eher die Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen als benachteiligt gelten, ist es beim Impfen genau umgekehrt: Hier sind es vor allem Kinder aus besser situierten Haushalten, denen Eltern den Impfschutz verwehren. Das zeigen Daten, die das Gesundheitsamt bei den Einschulungsuntersuchungen erhebt: In Frankfurt ist die Impfquote gerade dort besonders niedrig, wo Wohnen besonders teuer ist – in Sachsenhausen, im Westend und im Nordend. Absolutes Schlusslicht ist das Nordend-West: Hier hatten 2015 und 2016 nur zwei von fünf Kindern (40,4 Prozent) bei ihrer Einschulungsuntersuchung einen vollständigen Impfstatus, also alle für ihr Alter empfohlenen Impfungen. In Unterliederbach waren es doppelt so viele (80,6 Prozent), in Frankfurt im Schnitt 65,6 Prozent.

Kommentar: Unverantwortlich

Mit welchem Recht verwehren Eltern ihren Kindern den Impfschutz? Und warum ausgerechnet jene, die sich selbst für gebildet halten? Ja, Kinder sind nach einer Impfung quengeliger. Manchmal bekommen sie danach auch Fieber.

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Unterschiede zeigen sich auch bezüglich der Nationalität: Mit Abstand am besten geimpft sind Kinder, deren Familien aus der Türkei und den Maghreb-Ländern Tunesien, Algerien und Marokko stammen – hier verfügen 82,4 beziehungsweise 77,9 Prozent der Kinder über einen kompletten Impfstatus, während es bei deutschen Kindern nur 64,1 Prozent sind.

Dass Einwanderer-Kinder besser geimpft sind als viele deutsche Kinder, hat unterschiedliche Gründe. Anders als die meisten Bundesbürger haben manche Migranten in ihrer Heimat noch die gravierenden Folgen erlebt, die Krankheiten wie Masern verursachen können. Die Hirnentzündung SSPE etwa, eine mögliche Masern-Spätfolge, die immer tödlich verläuft.

„Ich habe daran in meiner Zeit in der Klinik drei Kinder jämmerlich zugrunde gehen sehen“, berichtet Prof. Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamts. „Das Gehirn dieser Kinder löst sich nach und nach auf. Sie verlernen alle ihre Fähigkeiten – das Laufen, das Sprechen, sie verlöschen. Das ist grauenhaft anzusehen.“ Alle drei Patienten waren aus dem Ausland eingeflogen worden. In Deutschland sehe man „solche schweren Verläufe extrem selten“, berichtet Heudorf. Genau das mache es für manche Eltern so schwer, den Nutzen der Impfungen abzuwägen.

Viele falsche Informationen

Gegen eine gesunde Skepsis hat Heudorf auch gar nichts einzuwenden: „Wir finden es gut, wenn Patienten medizinische Informationen immer kritisch hinterfragen. Beim Thema Impfen sind aber viele vermeintlich richtige Informationen im Internet, die unvollständig oder falsch sind, selbst auf vermeintlich professionellen Seiten.“ Denn die Datenlage sei bei den von der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfohlenen Impfungen absolut klar: „Es gibt fast keine gravierenden Nebenwirkungen“, betont Heudorf, dafür einen wirksamen Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen.

Es seien vor allem „Eltern, die aus akademischen Bereichen kommen, die sich in vielen Publikationen über mögliche Nebenwirkungen informieren und falschen Impf-Informationen glauben schenken“, hat Maria Karathana beobachtet, die als Kinderärztin beim Gesundheitsamt arbeitet und es immer wieder bei Einschulungsuntersuchungen mit Eltern zu tun hat, deren Kinder nicht ausreichend geimpft sind.

Doch es liegt längst nicht nur an den Eltern, wenn Kinder nicht geimpft sind. „Es gibt Kinderärzte von denen wir wissen, dass sie Impfungen ablehnen.“ Eine Tatsache, die den Leiter des Gesundheitsamtes, Prof. René Gottschalk, „maximal sauer“ macht: „Ein Arzt, der seinen Patienten von Impfungen abrät, verstößt gegen die Berufsordnung“, betont er, dass Ärzte verpflichtet sind, ihre Patienten nach den Erkenntnissen der Schulmedizin zu beraten und zu behandeln.

Kein Schutz für die Herde

Insgesamt sind die Frankfurter besser geworden, was das Impfen angeht. 65,6 Prozent angehende Erstklässler mit komplettem Impfstatus sind deutlich mehr als 2014 (59,8 Prozent). „Wir stellen mit großer Freude fest, dass der Impfstatus insgesamt deutlich besser geworden ist“, freut sich Heudorf. Allerdings: „Die Herdenimmunität ist nicht ausreichend, sonst wäre es nicht zu weiteren Masernfällen gekommen“, unterstreicht die Medizinerin, dass der Anteil der Geimpften nicht groß genug ist, um die gesamte „Herde“ zu schützen, also auch jene, die wegen einer Immunschwäche, einer Schwangerschaft oder weil sie selbst noch zu jung sind nicht geimpft werden können.

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