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Theater "Megalomania": Klein, aber nicht banal und albern

Noch ist das Oberräder Theater „Megalomania“ kaum bekannt. 2009 hat es Abraham Teuter gegründet. Doch der Spielplan und der Name zeigen, dass man hier Großes vorhat. Politische Themen scheut man nicht.
Abraham Teuter (Mitte) bei einer Probe mit Beka Hansen (links) und Denise Funk Foto: Leonhard Hamerski Abraham Teuter (Mitte) bei einer Probe mit Beka Hansen (links) und Denise Funk
Oberrad. 

Der Spielplan ist ambitioniert. Sechs verschiedene Stücke listet er für die Saison von August bis Oktober auf. Jedes soll zehn Mal aufgeführt werden. So etwas kennt man sonst eher von großen Theaterhäusern, die ihren Schauspielern mit guter Gage erlauben, sich auf nichts anderes als die Schauspielerei zu konzentrieren. Das „Megalomania“ allerdings ist ein bisher wenig bekanntes Amateurtheater, sein „Haus“ ein Keller in Oberrad – in einem verträumten Hinterhof in der Offenbacher Landstraße 368.

Diese Umstände hindern das rund zwanzigköpfige Ensemble um Abraham Teuter aber nicht daran, sich auch die harten Brocken vorzunehmen. Anspruchsvoll sind die Stücke in mindestens doppelter Hinsicht. Zum einen singen und tanzen die Schauspieler in einigen Stücken. So etwa Denise Funke. Die junge Frau spielt in „Piaf“ die Hauptrolle, die französische Chansonsängerin Edith Piaf. „Sie hat mit ihrer Musik einen Weg aus bitterer Armut gefunden“, sagt Funke. Auf der Bühne wird sie auf Französisch singen und auch Klavier spielen. Zum anderen sind auch die Themen, die sich das Theater vornimmt, keine leichte Kost. Banales und Albernes mag Teuter nicht. Der pensionierte Lehrer hat das Theater gegründet und führt hier Regie. Er hat auch das Stück „Karl Marx – 32 Jahre, revolutionär, mittellos“ vorgeschlagen. „Es ist ein sehr englisches Stück“, sagt er und meint damit: „Es ist total absurd und zugleich sehr politisch.“ Der junge Marx verstecke sich einmal vor Gerichtsvollziehern im Schrank. Es werde aber auch dargestellt, wie sein politisches Engagement beginnt und er Friedrich Engels kennenlernt. Das Theaterstück hat Richard Bean geschrieben. „Es war das erste Stück, dass im Londoner Bridge Theatre aufgeführt wurde“, sagt Teuter. „Es wurde groß gefeiert, in Deutschland kam es bisher aber noch nicht auf die Bühne.“

Aktuelle Fragen

Politisch und aktuell ist auch der Stoff von „Mischmasch“, ein Stück von Israel Zangwill aus dem Jahr 1908. Es handelt von einem Juden, dessen Familie während eines russischen Pogroms umgebracht wurde und der nach Amerika emigriert. Dort hofft er auf ein friedliches Miteinander und verliebt sich in die Tochter just jenen russischen Offiziers, der an besagtem Pogrom als Täter beteiligt gewesen war. „Das Stück wirft die Frage auf, wie Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zusammenleben können“, sagt Teuter. „Und wie sie die Multikulturalität verändert. Fragen also, die sich heute in gleicher Dringlichkeit stellen wie damals – und die vorsichtig und differenziert behandelt werden müssen.“

Manchmal, wenn Teuter über die Stücke spricht, merkt man, dass das „Megalomania“ aus einer Schultheatergruppe entstanden ist. Etwa wenn er erzählt, dass „Marquise von O“ gerade für Schüler interessant sei. Die behandelten das Stück von Heinrich von Kleist nämlich.

Doch auch mit diesem Stück will Teuter auf mehr hinaus als die bloße Wiedergabe eines Klassikers. Das Stück behandle ein typisch deutsches Phänomen, sagt er. „Da, wo sich die bewundernswerte revolutionäre Kraft zeigt, einmal Nein zu den gesellschaftlichen Bedingungen zu sagen, kommt häufig der Moment, in dem man das dann doch nicht durchhält.“ Das könne man etwa an der Nationalversammlung in der Paulskirche 1848 sehen, die demokratisch angetreten sei, um dann einem reaktionären Monarchen die Krone anzubieten.

Ob es wirklich zehn Aufführungen jedes Stückes geben wird, macht das Theater von den Zuschauerzahlen abhängig. 60 Personen passen in den 200 Quadratmeter großen Keller mit der selbst gebauten Tribüne. Teuter glaubt fest daran. An Ambitionen mangelt es jedenfalls nicht. Das zeigt schon der Name: „Megalomania“ ist englisch und bedeutet Größenwahn.

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