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Angekündigte Sparmaßnahmen zurückgenommen: Klinikleitung macht Rückzieher

Von Große Verwirrung am Klinikum Höchst: Kündigungen in der Probezeit, Auszubildende, die nicht übernommen werden, und angehende Kollegen mit unterschriebenen Verträgen, die kurz vor Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses noch eine Absage erhalten. Zu drastischen Schritten hat sich die Geschäftsführung des städtischen Krankenhauses entschieden – bloß um dann doch noch einen Rückzieher zu machen.
Das Klinikum Frankfurt Höchst (Archivbild). Foto: FNP Das Klinikum Frankfurt Höchst (Archivbild). Foto: FNP
Frankfurt. 

Manch Mitarbeiter des Höchster Klinikums hat sich kaum von der ersten Schockstarre erholt, da rudert die Geschäftsführung auch schon zurück: Mitarbeitern in der Probezeit wird doch nicht gekündigt, Pflegeschüler und Anerkennungspraktikanten werden doch übernommen. „Wir begrüßen das natürlich, aber wir sind schon irritiert“, sagt Hilke Sauthof-Schäfer, Klinikexpertin der Gewerkschaft Verdi.

Vergangene Woche erst hatte die Chefetage dem Betriebsrat mitgeteilt, das Klinikum beschäftige zu viele Pflegekräfte und kündigte entsprechende Maßnahmen an: Nur ein Bruchteil der Pflegeschüler und keiner der Anerkennungspraktikanten werde übernommen, den meisten Pflegekräften, die noch in der Ausbildung seien, werde gekündigt. Auch angehenden Kollegen, die bereits einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in Händen hielten, werde man doch noch eine Absage erteilen. Daraufhin informierte der Betriebsrat am Donnerstag vergangener Woche die Mitarbeiter. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Darin heißt es unter anderem: „Noch im März suchte die Klinik für die verschiedensten Bereiche Pflegepersonal und erklärte, die Überlastung der Pflegekräfte werde ab Oktober geringer werden, da ja (wie bisher üblich) die Auszubildenden übernommen werden würden.“

Positive Entwicklung

Wie kam es nun zu diesem doppelten Sinneswandel? Dazu Kliniksprecherin Petra Fleischer: „Die Entwicklung ist besser als ursprünglich angenommen, so dass die Geschäftsführung entschieden hat, noch mal das Gespräch mit dem Betriebsrat zu suchen.“ Manchmal überholten sich die Dinge eben, da müsse man flexibel sein. Dass sich die Dinge in Höchst besonders schnell zu überholen scheinen, nämlich von einer Woche auf die andere, dazu wollte sich Fleischer nicht äußern. Die zeitlichen Zusammenhänge seien ihr nicht bekannt, so die Kliniksprecherin.

In einer gestern an die Mitarbeiter versandten Mitteilung der Geschäftsführung, die dieser Zeitung ebenfalls vorliegt, heißt es: Angesichts der „aktuell positiven Entwicklung des Klinikums“ habe man von der „ursprünglichen Personalplanung insbesondere in der patientennahen Versorgung durch die Pflege Abstand genommen“.

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Kommentar: Vertrauen verspielt

Irgendwas ist da gehörig schiefgelaufen. Seit Dr. Dorothea Dreizehnter vor einem halben Jahr den Posten als Geschäftsführerin im Höchster Klinikum übernommen hat, hat sie vieles richtig gemacht.

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Rudolf Schoen, Betriebsrat und Sprecher der Verdi Vertrauensleute am Höchster Klinikum, begrüßt „das deutliche Zurückrudern der Geschäftsführung“, kann über die Ereignisse der vergangenen Tage aber nur den Kopf schütteln: „Betriebsbedingte Kündigungen hat es hier überhaupt noch nicht gegeben“, sagt er. Und schon jetzt sei es so, dass die Pflegekräfte, egal in welcher Abteilung, Überstunden anhäuften. „Die Zahl der Beschwerden von Kollegen nimmt massiv zu“, sagt Schoen. „Wenn man das Klinikum an die Wand fahren will, geht das am leichtesten, wenn man Pflegekräfte entlässt.“ Schon jetzt sei massiver Schaden in der Außenwirkung entstanden, sagt er. Qualifizierte Pflegekräfte, die man auch in Höchst dringend brauche, etwa in der Kinderintensivpflege, würden sich so schnell nicht mehr dort bewerben, erwartet er. „Für die öffentliche Wahrnehmung ist so was verheerend.“

Der Betriebsrat berichtet zudem von 30 Stellen in der Pflege, die in den vergangenen drei Monaten frei geworden, aber nicht neu besetzt worden sind. „Das ist keine ungewöhnlich hohe Zahl. Was ungewöhnlich ist, ist dass keine neuen Pflegekräfte eingestellt wurden“, sagt Schoen. Fleischer indes verweist darauf, dass man bei den Pflegekräften voll im Plan sei: „Wir haben hier keine Stellen reduziert.“ Aktuell sind von den rund 2100 Mitarbeitern des städtischen Klinikums etwa 900 in der Pflege beschäftigt.

Vertrauen beschädigt

Auch wenn die Geschäftsführung mittlerweile von den geplanten Stellenstreichungen Abstand genommen hat: Die Ende vergangener Woche vom Betriebsrat eiligst für Donnerstag anberaumte Mitarbeiterversammlung wird laut Gewerkschaftssekretärin Sauthof-Schäfer trotzdem stattfinden. Allein schon deshalb, weil viele nun verunsichert seien. „Das Vertrauen ist beschädigt“, ist sie überzeugt. Nun gelte es, gemeinsam mit der Geschäftsführung einen Weg zu finden, wie die Sanierung des Klinikums gelingen könne.

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