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"Der III. Weg": Krebs-Antrag alarmiert NoFragida-Gruppe

Der parteilose Stadtverordnete Jörg Krebs (vor wenigen Wochen aus der NPD ausgetreten) fordert vom Magistrat eine Liste aller bestehenden und geplanten Flüchtlingsunterkünfte in Frankfurt. Er steht der Partei „Der III. Weg“ nahe, die vom Verfassungsschutz mit Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime in Zusammenhang gebracht wird. Die Frankfurter Antifa ist alarmiert.
Frankfurt. 

„Da schrillen alle Warnglocken“, schreibt eine Nutzerin auf der Facebook-Seite der NoFragida-Gruppe. Die Sorge der Antifaschisten hat einen Hintergrund: Seit seinem Austritt aus der NPD sympathisiert Jörg Krebs offen mit der Kleinstpartei „Der III. Weg“. Meist mehrmals täglich teilt der 40-Jährige im Netz deren Veröffentlichungen, wie in den vergangenen Tagen zwei Berichte, in denen von „Überfremdung unserer Heimat“ die Rede ist, oder wie jüngst ein Zitat von Albert-Leo Schlageter, frühzeitiger NSDAP-Aktivist und Mitgründer ihrer Tarnorganisation „Großdeutsche Arbeiterpartei“.

Rassenideologie

Jörg Krebs Bild-Zoom
Jörg Krebs

Ansonsten verbreitet Jörg Krebs im Internet Meldungen wie „Deutsches Reich besteht bis heute“ oder „Nachrichten“ des völkisch-esoterischen Kopp-Verlags. Dieser verkauft „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“ (Eigenwerbung). Darin steht beispielsweise, wie man „nachweisen“ kann, „dass der Ausschlag einer Wünschelrute nichts mit ,Esoterik‘ zu tun“ habe oder dass „Reptiloide“ eine „humanoide Echsenrasse“ sind, deren Nachkommenschaft „bis heute offen oder geheim die Welt regiert“. Andere Schriften handeln von Kornkreisen, Ufos und „Superpotenz“. Allerdings werden bei Kopp auch Bücher verkauft mit völkischem Gedankengut über germanische Mythologie, „die nordische Rasse“ und „jüdischen Bolschewismus“.

„Rassenideologie und andere Ideologieelemente der NSDAP“, erkennt Burkhard Körner, Präsident des bayerischen Verfassungsschutzes, auch bei der Partei „Der III. Weg“. Diese ging aus der verbotenen Nazikameradschaft „Freies Netz Süd“ (FNS) hervor, die wiederum der ebenfalls verbotenen „Fränkischen Aktionsfront“ entsprang. „Der III. Weg“ wurde vor zwei Jahren in Heidelberg gegründet, kurz nach einer Razzia beim FNS. Dabei beschlagnahmten die Ermittler außer Computer und Propagandamaterial auch zahlreiche Waffen. Burkhard Körner zeigt sich alarmiert, „es geht von diesen Personen eine große Gefahr aus“, sie seien „durchweg gewaltorientiert und gewaltbereit“, deshalb müsse man „ein besonderes Augenmerk auf die Partei“ richten.

Trotz offiziell nur 200 Mitgliedern gilt „Der III. Weg“ im wahrsten Sinne des Wortes als brandgefährlich. Ermittlungen von Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft ergaben einen Zusammenhang zwischen der fremdenfeindlichen Agitation und Anschlägen auf Asylbewerberheime. Auf seiner Homepage veröffentlichte „Der III. Weg“ eine Karte mit Flüchtlingsunterkünften in ganz Deutschland, nach Attacken auf selbige wurde dies dort als „vorzeitiges Weihnachtsgeschenk“ bezeichnet. „Wir sehen schon, dass dieses Billigen und unterschwellige Loben von Gewalttaten dazu beiträgt, weitere Gewaltmaßnahmen anzufeuern“, mahnte erst vor wenigen Tagen Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesverfassungsschutzes. „Wir haben die Sorge, dass nicht nur Asylbewerberheime, sondern irgendwann auch Menschen zu Schaden kommen.“

„Widerliche Anfrage“

Vor diesem Hintergrund wird Jörg Krebs’ Ersuchen an den Magistrat, ihm eine Liste aller vorhandenen und geplanten Flüchtlingsunterkünfte vorzulegen, als sehr brisant angesehen von Frankfurter Antifa-Aktivisten. „Diese Anfrage ist widerlich angesichts der aktuellen Ereignisse in Freital, Remchingen und anderen Orten, wo der braune Terror zuschlägt“, findet Hans Christoph Stoodt. Er ist Sprecher der Anti-Nazi-Koordination, ebenso wie Annette Ludwig. Sie verdeutlicht: „Stellen Sie sich vor, ein Fuchs würde einen Bauern fragen, wo sich die Hühner-Ställe befinden. Und dann behauptet Gevatter Reineke auch noch, er hätte ein Recht, dies zu erfahren!“ Mit Letztgenanntem spielt die Aktivistin darauf an, dass Jörg Krebs als Mandatsträger die von ihm gewünschte Information grundsätzlich zusteht.

„Es geht um die Abwägung zwischen dem Auskunftsanspruch eines Stadtverordneten einerseits und dem Schutzanspruch der Flüchtlinge andererseits“, erklärt Robert Standhaft die Rechtslage. Er ist Büroleiter des Sozialdezernats, das zuständig ist für Errichtung und Betrieb von Flüchtlingsunterkünften. Der Antrag werde derzeit von Juristen geprüft. „Nach drei Monaten wird der Antragsteller eine Antwort erhalten. Ob diese dann in seinem Sinne sein wird, ist eine andere Frage“, sagt Standhaft.

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