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Selbstgeschrieben: Krögers Geheimnis - ein Buchmessen-Thriller

Vergessen Sie Dan Brown & Co.: Die FNP-Redaktion hat einen Krimi geschrieben. Unser verwirrter Protagonist erlebt ein haarsträubendes Abenteuer im Buchmessen-Frankfurt - original mit knallharten Unterwelt-Gestalten, einer geheimnisvollen Schönen und, natürlich, jeder Menge absurder Wendungen.

Kapitel 1


Kröger fragte sich, wie ausgerechnet ihm so was passieren konnte. Er war doch bei Reisen immer umsichtig und konzentriert gewesen, ob es nach Madrid, Paris oder Moskau gegangen war. Und jetzt das. Wurde er vergesslich? Lag es an den drei Gläsern Wein von gestern? Oder an der Frau, die auf der Fahrt von Berlin nach Frankfurt mit ihm im Abteil saß?

Zunächst hatten sie beide nur gelesen. Sie klassisch in einem Buch, er im Laptop. Erst hinter Kassel waren sie ins Gespräch gekommen. Und dann hatte Kröger vor lauter Plaudern fast seine Station verpasst. Frankfurt-Süd – der Zug hielt dort nur  ganz kurz.



Kröger hatte schnell Koffer, Rucksack und Überjacke gegriffen und war rausgesprungen. Sein Termin in Sachsenhausen drängte. Er  überlegte auf dem Bahnsteig noch, ob er nach der Mailadresse hätte fragen sollen. Aber es war gut so. Sein Leben war kompliziert genug.

Im Laufen  war ihm plötzlich eine schlimme Erkenntnis durchs Hirn geschossen: Verdammt! Die Tasche mit dem Laptop – er hatte sie im Zug vergessen. Sie musste noch unter dem Sitz liegen. Er hatte sie dorthin geschoben, als sich das  Abteil zwischendurch mal gefüllt hatte. Dann der kleine Flirt und die Hast beim Aussteigen.

Entschuldigungen für seinen Blackout gab es viele, aber das nutzte jetzt auch nichts. Kröger musste sich konzentrieren: Es war wichtig. Wer auch immer die Tasche fand, konnte sie abgeben oder den Besitzer ausfindig machen. Seine Visitenkarte lag ja drin.

Die Frau im Abteil wollte am Hauptbahnhof aussteigen und dann zur Buchmesse. Vielleicht war sie ja Autorin. Um sich selbst interessant zu machen, hatte er angedeutet, er sei  in geheimer Mission unterwegs, mit wichtigen Unterlagen. Sie würde einen Fund sicher melden. Aber wer stieg in Frankfurt zu? Der Zug fuhr ja weiter.

Was war zu tun? Kröger überlegte. Dann rief er die Bahnpolizei an.

Dieter Sattler


Kapitel 2


Es klingelte. Einmal. Zweimal. „Bundespolizei, Scheh, was kann ich für Sie tun?“ Kröger schilderte sein Missgeschick, Scheh nahm die Personalien auf, versprach zurückzurufen.

Kröger atmete erleichtert auf. Es hatte sich also doch gelohnt, einen Sitzplatz zu reservieren. So wusste der Zugbegleiter wenigstens gleich, wo er suchen musste.

Jetzt musste er aber dringend los, in einer Viertelstunde begann sein Termin im "Gemalten Haus". Er nahm die U1, die ihn zum Schweizer Platz bringen sollte. Nach kurzer Fahrt und kurzem Fußmarsch stand er vor der Ebbelwei-Gaststätte.

Kröger hüstelte. Irgendwie würde er seinem Gesprächspartner schon vermitteln können, dass es stimmte, was er ihm am Telefon erzählt hatte. Auch ohne seinen Laptop. Denn darauf befanden sich die Beweise.

Kröger ärgerte sich wieder über sich selbst. Wie hatte ihm das nur passieren können? Und da war er wieder, der Gedanke an diese Frau. Mit ihren langen, kastanienbraunen Locken, den grünen, geheimnisvollen Augen, dem Grübchen an der rechten Wange – und ja, mit diesem atemberaubenden Dekolleté. Kröger  schüttelte den Kopf und betrat die Gaststube.

Er schaute sich um, ging weiter in den Raum – Viktor Schneider war schon da. Er  hatte sich nicht verändert seit ihrem letzten Treffen. Die schwarzen Haare waren zurückgegelt, das fleischige Gesicht glänzte fettig und das XXL-Hawaii-Hemd spannte über seinem Bauch.

Aber Kröger wusste, er durfte sich nicht von diesem Erscheinungsbild täuschen lassen. Schneider war blitzschnell, wenn es  darauf ankam. Außerdem hatte er sicherlich auch dieses Mal seine Jungs mitgebracht, die in einer Ecke unauffällig auf den Einsatzbefehl  von Schneider warteten.

Kröger schüttelte sich kurz, schloss die Augen, murmelte: „Es wird schon gutgehen". Dann schritt er an den Tisch. „Guten Tag.“

Simone Wagenhaus

Kapitel 3


Schneider hatte kurz aufgeblickt und genickt. Offenbar war er doch einverstanden. Der Dicke hatte einen Stick aus der Tasche gezogen und auf den Tisch gelegt. Das war der Schlüssel! Kröger  hatte die 16 Gigabyte in die Tasche gesteckt und rasch das Lokal verlassen. Geschafft! Er hasste Apfelwein.

Er winkte ein Taxi herbei. Der Fahrer roch nach Schweiß. Der Verkehr floss zäh.  Baustellen.  Rote Ampeln. Aus dem Radio dudelte türkische Musik. Erdogan-Anhänger, dachte Kröger genervt.

Er ballte die Faust. Der Laptop! Er brauchte den Laptop! Ohne ihn war der Stick wertlos. Zur Eröffnung der Buchmesse sollte am Abend Macron reden. Wenn alles glatt ging, wäre Europa nicht mehr wie zuvor… Er lachte. Wahrscheinlich wäre es auch das Ende der Frankfurter Buchmesse.

Links lag nun der Hauptbahnhof. Am Straßenrand standen Nordafrikaner, die in ihre Smartphones sprachen. Er dachte kurz daran, wie es wäre, danach mit der Unbekannten aus dem Zug im Hotel auf dem Bett zu liegen.

Die Amphetamine würden ihre Gehirne in riesige 3D-Kinos verwandeln. Von unten würden sie gedämpft die Polizeisirenen hören. Sie würden nackt ans Fenster treten und auf das Chaos blicken. Über ihre Körper würde das blaue Licht zucken, während er tief den Duft aus ihren Haaren einatmen und flüstern würde: „Das ist die  Zukunft.“

Er öffnete die Tür und stieg aus. Kein Trinkgeld für  Erdogan! Über dem Messeeingang hing ein riesiges Plakat: „Der neue Kehlmann“. Kröger spürte Unlust. „Blutleerer Spießer“, dachte er. Das Glas wich zur Seite. Er betrat das Hotelfoyer. Er hatte ein Doppelzimmer reserviert. Er war noch nie allein von einer Messe-Party aufgebrochen.

Wo Schneider jetzt war? Er zog den Mail-Ausdruck aus der Sakko-Innentasche und spürte das kalte Metall der Heckler & Koch. Als er hochblickte, sah er in zwei grüne Augen mit Pupillen wie Stecknadelköpfe.

Sie war es.

Michael Kluger

Kapitel 4


Kröger durchströmte ein Wohlgefühl, wie er es lange nicht gespürt hatte. Es war, als würden alle seine Träume wahr. Wie eine Fügung.

Und doch, irgendwo tief in ihm rumorte ein Unbehagen. Eine Frau mit ins Zimmer zu nehmen, das war das eine. Eine Frau kennenzulernen, die wusste, mit welcher Bahn er gekommen war und die Zugang zu seinem Laptop gehabt haben könnte – das war gar nicht gut.

Überhaupt, der Laptop. Kröger musste jetzt viele Dinge auf einmal regeln.

„So eine Überraschung!“, sagte er. Sein Herz klopfte schnell.

„So eine Überraschung“, sagte auch sie. Aber es klang nicht wirklich überrascht. Doch darüber konnte Kröger  jetzt nicht nachdenken.

„Das Schicksal meint es gut mit mir“, sagte Kröger. „Das sollten wir feiern. Ich würde Sie sehr gerne…, ich meine – darf ich Sie einladen? Sollen wir einen Drink nehmen, gleich jetzt, an der Bar? Und darf ich Sie etwas fragen?“


„Noch etwas fragen?“,   antwortete sie, und wieder klang es eine Spur zu schnippisch. Aber vielleicht war Kröger nur zu aufgeregt, es war alles ein bisschen viel.

Als der Barmann ihnen zwei  Gin-Tonic hingestellt hatte, erkundigte er sich nach dem Laptop. Lange schaute sie ihn an, oder vielmehr, schauten zwei  grüne Augen durch ihn hindurch, und schüttelte dann kaum merklich den Kopf. Nein, einen Laptop habe sie nicht gesehen.



Kröger war wie benebelt. Sie beide hatten allein im Abteil gesessen. Er hatte den Computer die ganze Zeit auf seinem Schoß gehabt. Sie hätte ihn sehen müssen!

Log ihn die Schöne an?

In der Sakko-Innentasche spürte er die Pistole. Die nützte ihm jetzt auch nichts. Wut stieg auf. War die Brünette womöglich – von der Konkurrenz? War sie angesetzt, ihn auszuschalten? Und er, Esel, hatte ihr seinen Laptop überlassen?

Kröger schwitzte.

Dierk Wolters
 

Kapitel 5


Ihr Blick wurde ernster. „Ich bin aus einem anderen Grund hierhergekommen“, flüsterte sie und schaute sich dabei vorsichtig um.

Krögers  Herz raste. Ein anderer Grund? Seine Hände wurden nass, seine Kehle trocken. Er nippte kurz am Gin, um dann die Spannung zu lösen.

„Wie, welchen Grund?“, stotterte er. „Ja, kennst Du mich denn wirklich nicht mehr?“ 

Kröger starrte die schöne Frau gegenüber ungläubig an. Kannte er sie? Woher konnte er sie kennen?

„1992, das Konzert in der Batschkapp. Erinnerst Du Dich nicht mehr daran? Ich jedenfalls habe Dich sofort wiedererkannt. Obwohl du ziemlich viele Haare gelassen hast.“

Kröger errötete. Er kam noch immer nicht darauf, wer diese begehrenswerte Frau war, die da auf dem Barhocker saß. Beim Stichwort „Batschkapp“ fing bei ihm etwas an, langsam  zu dämmern. Sie fuhr fort.

„Das Konzert damals. Du und deine Band, die ‚Ebbelwei-Heroes‘. Wir sind nach Eurem Auftritt noch durch die Sachsenhäuser Kneipen gezogen. Du hast damals ziemlich betrunken auf dem Tisch beim ‚Apfelwein-Richard‘ getanzt und in einen Bembel gepinkelt. Erinnerst Du Dich wirklich nicht daran? Vor allem an die anschließende Nacht…“, fragte sie beinahe ungeduldig. 

Kröger wurde abermals rot. Weniger, weil es ihm peinlich wurde, dass er sich an ihren Namen nicht erinnern konnte. Es waren einfach zu viele Mädchen  gewesen, die er mitgenommen hatte, damals,  in seiner Zeit als Gitarrist der ‚Ebbelwei-Heroes‘. Aber die Sache mit dem Bembel... Er versuchte, sich zu konzentrieren. Es fiel ihm schwer. „Hannah?“…

„Ja, ich. Wusste doch, dass Du das nicht vergessen hast“, schmunzelte sie. „Wobei  ich nicht den Eindruck hatte, dass Du es mit der Wahrheit so genau nimmst, als ich in Deinen Laptop schaute.“

Das Glas näherte sich ihren Lippen.

Peter Schmitt

Im nächsten Teil - am Donnerstag - gehen Kröger und Hannah gemeinsam aufs Zimmer, "küssend und heftig atmend." Was dann geschieht, lesen Sie ab Donnerstag, 12. Oktober, auf fnp.de.


 
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