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Ungewisse Zukunft: Kulturcampus: Wie eine große Idee scheiterte

Die Zeit wird knapp: Stadt und Land haben sich noch immer nicht auf eine gemeinsame Machbarkeitsstudie in Sachen Kulturcampus verständigen können. Ein koordiniertes Vorgehen sieht anders aus.
Der Kulturcampus in einer Computer-Visualisierung. (Archiv) Foto: dpa Der Kulturcampus in einer Computer-Visualisierung. (Archiv)

Als Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) in der vergangenen Woche gefragt wurde, wer denn für den Kulturcampus zuständig sei, antwortete sie mit einem einzigen Wort: „Moi.“ Das ist französisch und heißt schlicht „ich“.

Für eine Kulturdezernentin machen sich Fremdsprachenkenntnisse ja ganz gut. Es ist ja schon ein Fortschritt, dass sich Hartwig für zuständig erklärt. Ihr Vorgänger Felix Semmelroth (CDU) wollte mit dem Vorhaben, aus dem alten Universitäts-Campus in Bockenheim ein Zentrum der ästhetischen Avantgarde zu machen, am liebsten nichts zu tun haben. Hartwig beklagte sich deshalb, dass zu Zeiten der schwarz-grünen Koalition das Projekt nicht vorangekommen sei und es keinen Spielraum mehr gebe, eine große Lösung zu realisieren. Sie müsse jetzt „die Scherben aufkehren“.

Günter Murr Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Günter Murr

Während der letzten Krise der Stadtfinanzen, in den Jahren 2011 bis 2013, traute sich niemand so recht ran an die visionäre Idee eines Campus, auf dem mehrere Kultureinrichtungen nebeneinander arbeiten und sich gegenseitig befruchten – aus Angst, die Kosten nicht stemmen zu können. Und weil deutlich wurde, dass die Universität noch viel länger als geplant in Bockenheim bleiben wird, schien genügend Zeit zu bleiben.

Doch jetzt wird sie doch knapp. Denn das Land will den Neubau für die Hochschule für Musik und darstellende Kunst (HfMdK) voranbringen. Noch in diesem Sommer soll das Konzept dafür fertig sein. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) ist prinzipiell bereit, zusammen mit der Stadt in einer Machbarkeitsstudie klären zu lassen, ob neben der Hochschule auch weitere Kultureinrichtungen auf dem Campus untergebracht werden könnten. Doch die Stadt habe bis zum Freitag nicht mitgeteilt, wie groß der Flächenbedarf der einzelnen Einrichtungen ist, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Das bestreitet das Frankfurter Kulturdezernat. Bei einer Podiumsdiskussion in dieser Woche hatte Hartwig betont: „Wir sind in Gesprächen mit dem Land.“

Besonders konstruktiv scheinen diese aber nicht verlaufen zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass Wissenschaftsminister Boris Rhein die Machbarkeitsstudie jetzt ohne Beteiligung der Stadt in Auftrag gegeben hat. Eine Hintertür lässt er jedoch offen: Die Stadt sei eingeladen, daran teilzuhaben. Ein koordiniertes gemeinsames Vorgehen sieht anders aus.

Hartwig aber will ein viel größeres Rad drehen: Sie schlägt vor, auf dem Kulturcampus eine provisorische Spielstätte für die Städtischen Bühnen unterzubringen. Dafür aber wäre eine deutlich größere Fläche nötig, die ohne Entgegenkommen des Landes wohl kaum zur Verfügung stehen wird. Beide Seiten werden sich zusammenraufen müssen. Zumal noch eine andere schwierige Entscheidung ansteht: Was aus dem Gebäude der Universitätsbibliothek wird, die auf den Campus Westend umzieht, ist noch völlig offen.

Derzeit scheint es, dass die große Idee des Kulturcampus gescheitert ist. Die Kulturdezernentin muss wohl künftig einen anderen französischen Ausdruck verwenden: C’est fini. Es ist vorbei.

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