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Anne-Frank-Tag: Kunstaktionen in der Innenstadt gegen Diskriminierung

Gestern wäre Frankfurts berühmteste Tagebuchautorin 88 Jahre alt geworden. Zum Andenken an Anne Frank, die als 14-Jährige über Krieg und Judenverfolgung schrieb, veranstalteten die nach ihr benannte Bildungsstätte und die Stadt Frankfurt den ersten Anne-Frank-Tag. Kunstaktionen in der Innenstadt sollten zum Nachdenken über „Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ anregen.
Gedankenaustausch: Olcay Acet vor ihrer „Blackbox“. Foto: Leonhard Hamerski Gedankenaustausch: Olcay Acet vor ihrer „Blackbox“.
Frankfurt.. 

Eine mannshohe schwarze Kiste steht seit gestern an der Hauptwache. Die Frankfurter Therapeutin und Künstlerin Olcay Acet hat sie dort aufgebaut. Gemeinsam mit ihrer Tochter erklärt sie Touristen und Frankfurtern, dass sie sich Kreidestücke nehmen und auf die „Blackbox“ schreiben können, was ihnen zum Thema „Fremdheit im Miteinander“ einfällt. Am späten Nachmittag ist die Box mit Schlagwörtern und Sprüchen beschriftet – auf Chinesisch, Kurdisch, Russisch, Englisch und Deutsch. „Im Namen der Toleranz sollten wir die Intoleranz nicht tolerieren“, hat jemand auf die Frontseite geschrieben, wahrscheinlich um gegen zu viel Verständnis für Zuwanderungskritiker zu protestieren. „Seit 50 Jahren in Frankfurt immer noch Fremde?!“, steht an anderer Stelle.

Interventionen

Acet will mit der Aktion zum Gedankenaustausch über das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen anregen. Der Anne-Frank-Tag ist ihr ein willkommener Anlass, ihre „Blackbox“ eine von elf Kunstaktionen, die „im öffentlichen Raum gegen diskriminierende Haltungen intervenieren“ wollen. Mit Anne Frank, dem am 12. Juni 1929 in Frankfurt geborenen jüdischen Mädchen, dessen im Amsterdamer Exil verfasstes Tagebuch weltberühmt wurde, beschäftigen sich die „Interventionen“ eher indirekt.

Michael Bloeck und Kerstin Lichtblau bedrucken an ihrem Stand fair produzierte Baumwollbeutel mit Wörtern und Parolen. 300 Beutel hätten sie schon verteilt, sagt Lichtblau, während sie Farbe über die Siebdruckschablone schmiert. „Demokratie ist, sich nicht in einer Kammer verstecken müssen“, lautet einer der Beutelsprüche, den sich die Frankfurter Politkünstler ausgedacht haben. Andere Druckvorlagen haben sie schon länger im Einsatz: „Liebe ist auch wichtig“ etwa. „Das ging heute am besten“, sagt Bloeck und nimmt einige der zum Trocknen aufgehängten Stoffbeutel von der Leine. „Es geht darum, die Botschaften, in die Welt zu tragen“, erklärt Lichtblau. „Deshalb drucken wir sie auf Taschen.“

Rechtsextremer Terror

Nebenan leert Acet den Briefkasten hinter der schwarzen Holzwand der Box. Zusätzlich zu den Kreidebotschaften können Passanten ihre Gedanken oder Fragen auf Zettel notieren und dort hineinwerfen. „Was mache ich anders, seit ich es weiß?“, hat jemand auf einen Zettel geschrieben, „Das ist eine Frage, die ich mir auch immer stelle“, sagt Acet. Sie kam als Neunjährige aus der Türkei nach Deutschland. Die NSU-Morde machten ihr Angst, sagt sie. So habe sie die Frage verstanden: Was mache ich anders, seit ich weiß, dass es wieder rechtsextremen Terror in Deutschland gibt?

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