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Personenkult statt Themenvielfalt: Kurswechsel in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt

Von Mit der Neustrukturierung des Presse- und Informationsamtes zum Amt für Kommunikation und Stadtmarketing (KUS) hat sich auch ein Kurswechsel in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt vollzogen. Lieblingsthema des KUS ist nun SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann.
Ein Beispiel für die neue Arbeit der städtischen Pressestelle: Das offiziell verbreitete Foto zeigt eine Waschmaschine in der Karl-Kirchner-Siedlung, die Oberbürgermeister Peter Feldmann besuchte. Bilder > Foto: Salome Roessler Ein Beispiel für die neue Arbeit der städtischen Pressestelle: Das offiziell verbreitete Foto zeigt eine Waschmaschine in der Karl-Kirchner-Siedlung, die Oberbürgermeister Peter Feldmann besuchte.
Frankfurt. 

Neue Besen kehren gut, sagt ein Sprichwort. Seit 1. Februar leitet Tarkan Akman offiziell das neu formierte Amt für Kommunikation und Stadtmarketing. Nicht nur das frühere Presse- und Informationsamt ist darin aufgegangen, sondern auch das Referat für Internationale Angelegenheiten und andere Dienststellen. Rund hundert Mitarbeiter hat Akman unter sich. Angeglichen an die Besoldungsstufe B 3 erhält er für seinen Job als angestellter Amtsleiter ein Gehalt von rund 95 000 Euro im Jahr.

Vertrauter des OB

Der 48-Jährige ist ein langjähriger Vertrauter von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und ein ausgewiesener Kommunikationsprofi. Seit 1991 ist der studierte Soziologe und Volkswirt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, zuletzt als Geschäftsführer eines Unternehmens. Feldmann holte den Parteifreund nach seiner Wahl in sein Büro, wo er sich unter anderem um die internationalen Angelegenheiten kümmerte, bevor er schließlich Amtsleiter wurde.

Akmans Vorgänger Nikolaus Münster leitete das Presse- und Informationsamt (PIA) nicht nach der plumpen Devise „Tu Gutes und rede darüber“. Er wollte Kommunikation erzeugen: „Tu Gutes und löse damit aus, dass andere gut darüber reden.“

25 Jahre leitete und prägte er das Amt. Der ehemalige FAZ-Journalist versuchte, interessante Informationen über Frankfurt so über das PIA zu verbreiten, dass Medien, auch überregionale, die präsentierten Themen aufgriffen. Oder er fand und schuf Anlässe, über die wegen ihres Nachrichtenwertes berichtet werden musste. So umriss Münster seine Strategie anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand im September 2016. Er machte Medien neugierig auf Frankfurt und auf das, was dort geschieht.

Das konnte beispielsweise der 200. Geburtstag des in der Frankfurter Töngesgasse geborenen Schweizer Firmengründers Henri (Heinrich) Nestlé sein. Durch die Veröffentlichung eines Features über Nestlé rückte automatisch die Mainmetropole mitsamt ihrer zahlreichen bedeutenden Unternehmensgründer in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Weniger präsent in Münsters Amtszeit waren dagegen lokale Politiker.

Legendär war ein Journalistenworkshop des PIA in den 90er Jahren. Frankfurt hatte wegen der offenen Drogenszene und der Kriminalität einen schlechten Ruf. Das PIA lud 50 Journalisten aus ganz Deutschland ein, denen bei einem 24-Stunden-Workshop im Stundentakt gezeigt wurde, wie Frankfurt wirklich tickt. Ganzseitige Berichte in Zeitungen und Bilder im Fernsehen waren die Folge. Deutschland sah die Mainmetropole danach mit anderen Augen.

Andere Schwerpunkte

Diese subtile, aber für Frankfurts Ruf erfolgreiche Vorgehensweise ist Akmans Sache offenbar nicht. Seit er das KUS leitet, ist die Berichterstattung des Amtes weniger themen-, sondern sehr stark persönlichkeitsorientiert ausgerichtet. Dabei steht eine Person eindeutig im Mittelpunkt: Oberbürgermeister Feldmann. Kaum eine Aktivität des Stadtoberhauptes, die nicht durch das KUS dokumentiert wird. Es scheint dem Amt nicht mehr so wichtig zu sein, die öffentliche Sicht auf Frankfurt zu formen, sondern die Sicht der Frankfurter auf den Oberbürgermeister. Zugespitzt formuliert: Statt Stadtmarketing wird OB-Marketing betrieben.

Natürlich gibt es bedeutende Termine eines Stadtoberhauptes, die für eine breitere Öffentlichkeit interessant sind, zum Beispiel der Besuch der englischen Königin. Es gibt aber auch andere Beispiele: In den vergangenen Tagen wurden Meldungen über Besuche des OB in der Karl-Kirchner-Siedlung in Preungesheim oder beim Zehntscheunenfest in Praunheim verbreitet – jeweils mit mehreren Fotos.

Die Strategie der städtischen Öffentlichkeitsarbeit überlässt Akman den jeweiligen Dezernenten. „Wir bringen jede Meldung, die uns ein Dezernent schickt“, sagte er. Jedes Magistratsmitglied könne unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit über das KUS seine Aktivitäten verbreiten lassen. Gestern zum Beispiel wurden – neben zwei Fotos von Feldmann – auch Bilder von Bürgermeister Uwe Becker und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (beide CDU) verschickt. Der Amtsleiter betont: „Wir üben keine Zensur aus.“

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