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Prozess in Frankfurt: Ladendieb mit Tiefkühllachs traktiert

Drei Rewe-Mitarbeiter mussten sich vor Gericht verantworten, weil sie einen auf frischer Tat ertappten Ladendieb nicht nur erpresst, sondern auch noch misshandelt hatten.
Mit einem Griff in die Tiefkühltheke schnappte sich einer der Angeklagten die Tatwaffe. Foto: imago stock&people Mit einem Griff in die Tiefkühltheke schnappte sich einer der Angeklagten die Tatwaffe.
Frankfurt. 

Sie misshandelten einen mutmaßlichen Ladendieb und ließen sich von ihm auch noch knapp 500 Euro auszahlen. Dafür wurden drei Mitarbeiter des Rewe-Marktes in Unterliederbach gestern vom Amtsgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt. Mittwochabend um viertel nach Neun im Rewe-Markt. Nicht mehr viel los um diese Zeit. Recht abgespannt verfolgen zwei Angestellte die Aufzeichnungen der Video-Überwachung. Ein junger Mann mit Einkaufskorb und Rucksack macht allerlei verdächtige Bewegungen. Mal steckt er plötzlich Waren in den Rucksack, dann räumt er wieder um. Ein Grund jedenfalls, um ihn sich einmal näher anzuschauen und mit ins Marktleiterbüro zu nehmen, wo der Stellvertreter zu diesem Zeitpunkt Dienst macht. Eine Routinesituation, die sich täglich wahrscheinlich dutzendfach in den Frankfurter Einkaufsmärkten ereignet. Dass die Szenerie vom 2. März vergangenen Jahres dennoch zum Gegenstand eines amtsgerichtlichen Prozesses wurde, lag an der völligen Inkompetenz des Marktpersonals, dem die Angelegenheit total aus dem Ruder lief.

Statt ruhig die vorgeschriebenen Schritte einzuleiten – Protokoll, Schuldeingeständnis, Polizei – kam einer der Angestellten mit einem Tiefkühllachs in Folie in das Büro und schlug dem mutmaßlichen Dieb den hartgefrorenen Körper auf den Kopf. Statt als amtierender Chef nun Einhalt zu gebieten, schürte der 29 Jahre alte Markt-Vize die Situation sogar noch an. Er erklärte die Habseligkeiten des Studenten für beschlagnahmt. Erst wenn er an einem nahen Geldautomaten 500 Euro abhebe und an sie auszahle, erhalte er den Rucksack wieder und der Diebstahl sei vergessen. Als die Angestellten später merkten, dass sie von dem Dieb nur 480 Euro ausgezahlt bekommen hatten, setzte es noch einmal Schläge.

Jetzt ging der Dieb dorthin, wo er schon nach der Beschlagnahme seiner Sachen und der Zahlungsaufforderung hätte hingehen müssen – zur Polizei. Die Rewe-Leute – der 29 Jahre alte Vize-Marktleiter und seine 30 und 33 Jahre alten Mitarbeiter – wurden wegen räuberischer Erpressung angeklagt, einem Verbrechen mit einem Jahr Mindeststrafe. In der Rewe-Zentrale wurde dieser Umstand indigniert zur Kenntnis genommen. Man wolle warten, was aus dem Verfahren werde, ehe man arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehe.

Gestern versuchten die Angeklagten, ihre Köpfe im letzten Augenblick aus der Schlinge zu ziehen. Sie legten umfassende Geständnisse ab und entschuldigten sich bei dem Opfer, das bei seiner Zeugenaussage aber ebenfalls nicht gerade die Sympathien anzog. Das Geld hatten sie ihm bereits zurückgegeben. Die Hintergründe der Tat konnten oder wollten sie nicht völlig erläutern. Immerhin erreichten sie durch ihre Demut, dass die Sache als minderschwerer Fall eingestuft und der Strafrahmen entsprechend abgesenkt wurde. Heraus kamen gleichwohl Bewährungsstrafen – für den Vize-Marktleiter acht Monate und die Mitarbeiter, die auch noch geschlagen hatten, ein Jahr beziehungsweise 13 Monate. Und nun droht wahrscheinlich der Verlust des Arbeitsplatzes – bei der Suche nach einem neuen Job in der Branche dürfte sich der Eintrag im Führungszeugnis nicht gerade förderlich erweisen.

(ge)
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