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Ernst-Reuter-Schule: Land kündigt Vertrag zur Schulsozialarbeit

Von Als einzige Schule Frankfurts wird die Schulsozialarbeit der Ernst-Reuter-Schule II (ERS) seit den 1980er Jahren gleichzeitig von Stadt, Land und Arbeiterwohlfahrt (Awo) finanziert. Das Land hat den Vertrag nun gekündigt, weshalb die ERS um ihr Erfolgsmodell fürchtet.
An der Ernst-Reuter-Schule in der Nordweststadt droht die Halbierung der Schulsozialarbeit.	Foto: Christes An der Ernst-Reuter-Schule in der Nordweststadt droht die Halbierung der Schulsozialarbeit. Foto: Christes
Nordweststadt. 

„Die Schulsozialarbeit ist eine sehr effektive Form der Jugendhilfe und eine sehr erfolgreiche Form der Sozialarbeit überhaupt“, sagt Jasmin Berg, Leiterin der Schulsozialarbeit an der Ernst-Reuter-Schule II: „Die Probleme einer großen Gruppe junger Persönlichkeiten können sehr, sehr schnell und unbürokratisch gelöst werden.“ Neben der Einzelfallhilfe, die „direkten Kontakt etwa zum Mathelehrer“ ermögliche, nennt Berg vor allem die direkte Beratung in Sachen Berufsorientierung als Schwerpunkt der Arbeit. Auch sei das Schülervertrauen in die Sozialarbeiter größer, „weil sie eben keine Lehrer sind, sondern unabhängige Beobachter“. Dies habe den großen und an der ERS schon traditionellen Vorteil, so die stellvertretende Schulleiterin Ingrid Burow-Hilbig, dass sehr wenige Jugendliche die Schule abbrächen und im Gegenteil sehr viele den höchstmöglichen Bildungsabschluss verfolgten.

 

Land kündigt Vertrag

 

Dieses Erfolgsmodell betreibt die ERS seit den 1980er Jahren mit derzeit 3,5 Stellen. Finanziert wurde es bislang von der Stadt mit jährlich 149 000 Euro, vom hessischen Kultusministerium mit 85 000 Euro und von der Arbeiterwohlfahrt als freiem Träger mit 25 000 Euro. Das Land allerdings kündigte den Vertrag nun zum 31. Juli 2015, was die Stadt wiederum zum Anlass nahm, ebenfalls zu kündigen — zum 31. Dezember 2015. In der ERS geht deswegen die Angst um, das Angebot nicht aufrechterhalten zu können.

Das Land erklärt zur Begründung, sein Konzept der sozialpädagogischen Förderung der Schulsozialarbeit solle „rechtlich auf neue Füße“ gestellt werden: „Wir wollen die guten bestehenden Ansätze der Schulsozialarbeit allen hessischen Schulen anbieten“, sagt Stefan Löwer, Sprecher des Kultusministeriums. Das Ziel der neuen „Unterrichtsunterstützenden
sozialpädagogischen Förderung“ (USF) bestehe darin, „Schülern im Vor- und Nachmittagsbereich in ihrer allgemeinen und schulischen Entwicklung zu begleiten, zu unterstützen, ihre sozialen Kompetenzen zu stärken und individuell zu fördern“. Für die ERS könne dies sogar bedeuten, sagt Löwer, dass mehr Mittel zur Verfügung stünden, als bisher – was Jasmin Berg kontert, indem sie erklärt, diese „neuen Füße“ seien längst anderweitig ausgegeben: „Die Mittel aus dem USF werden schon pädagogisch eingesetzt und sind faktisch nicht für uns vorhanden.“ Momentan bemüht sich die ERS deswegen, das Land zumindest zu einer Kündigung erst zum 31. Dezember 2015 zu bewegen, damit diese mit jener der Stadt zusammenfalle.

 

Stadt bleibt im Boot

 

Bezüglich der städtischen Mittel immerhin sind die Aussichten für die ERS wesentlich besser. Martin Müller-Bialon, Sprecher des Frankfurter Bildungsdezernats, betont, dass lediglich die Verträge mit der ERS angepasst werden sollen, weil sie als einzige Schule in Frankfurt aufgrund einer Sonderregelung von früher auch vom Land finanziert werde: „Es wird nichts gekürzt“, verspricht er. Und Matthias Weber vom Stadtschulamt präzisiert, dass die ERS dem Frankfurter Förderprogramm „Jugendhilfe in der Schule“ beitreten solle, welches der Schulsozialarbeit an über 30 allgemeinbildenden Schulen in Frankfurt je 2,5 Stellen zur Verfügung stellt. Auf diese Weise würden die Mittel auf 153 600 Euro ansteigen. Die Landesmittel allerdings könnte die Stadt nicht kompensieren – ebenso wenig wie die Schule oder die Awo, welche ihr Engagement nicht infrage stellt, sondern versucht, das Land von der Wichtigkeit der Schulsozialarbeit in bisherigem Ausmaß zu überzeugen.

Für die Ernst-Reuter-Schule würde diese Veränderung „bitter“ werden, erklärt Jasmin Berg: „Das faktische Angebot wird sich halbieren, eine von bislang zwei Anlaufstellen wird geschlossen, die Ferienfreizeiten werden mit Sicherheit wegfallen.“ Dennoch werde man versuchen, so Berg, „so viel wie möglich zu erhalten“. Ob das letzte Wort in dieser Sache schon gesprochen ist, werden die nächsten Monate zeigen.

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