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Land misst Abgase der Jets

Auf dem Sachsenhäuser Lerchesberg wird eine neue Luftmessstation in Betrieb genommen. Innerhalb eines Jahres soll sie Aufschluss darüber geben, wie sehr der Flughafenausbau die Luft über Sachsenhausen belastet.
Herrmann Litter und Knut Dörfel, beide aus Sachsenhausen, demonstrieren im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Luftmessstation auf dem Sachsenhäuser Lerchesberg gegen Fluglärm.	Foto: Benjamin Kilb Herrmann Litter und Knut Dörfel, beide aus Sachsenhausen, demonstrieren im Rahmen der Inbetriebnahme der neuen Luftmessstation auf dem Sachsenhäuser Lerchesberg gegen Fluglärm. Foto: Benjamin Kilb
Sachsenhausen. 

Ängste zerstreuen, Transparenz zeigen – diese Absichten verfolgt Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich mit der neuen Luftmessstation auf dem Kleingartenareal der "Rosisten" auf dem Sachsenhäuser Lerchesberg. Die Ministerin ist sich sicher, dass die gemessenen Werte belegen, wie wenig der Flugverkehr Einfluss auf die Luft in Sachsenhausen nimmt. Aussagekräftige Werte sind jedoch erst in einem Jahr zu erwarten. Die Flughafenausbaugegner empfinden die Luftmessstation als Farce.

Messungen im Bereich der Einflugschneise der neuen Nordwest-Landebahn möchte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie mit der Messstation vornehmen. Genau ein Jahr soll die Anlage auf dem Lerchesberg stehen, um den Sommer- sowie den Winterflugplan zu erfassen.

Danach in Flörsheim

"Dann sind die Werte aussagekräftig, auch wenn wir keine hohen erwarten", sagte Ministerin Puttrich. Anschließend wird die Anlage demontiert und für weitere Messungen in Flörsheim aufgebaut, das sich in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen befindet.

Schadstoffimmisionen wie Stickstoff- und Schwefeldioxide, Feinstaub, Ozon, Gesamtkohlenwasserstoffe, Ruß sowie Benzol sollen mit der Luftmessstation ausgewertet werden. Um die Werte jedoch nicht sonderlich durch Autoabgase zu verfälschen, wurde die Messstation in der Kleingartenanlage der "Rosisten" aufgebaut, also mindestens einige hundert Meter von den vielbefahrenen Straßen der Gegend entfernt. Laut Dr. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie, können mit der Anlage auf dem Lerchesberg die Werte für jeden einzelnen Überflug gemessen werden. Im Halbstundentakt sollen die Werte in das Netz des Landesamtes gespeist und zudem täglich auf dessen Internetseite veröffentlich werden.

Ministerin Puttrich betonte anlässlich der Inbetriebnahme, dass die Anlage nicht aufgrund eines Verdachtes der überhöhten Luftverschmutztung aufgestellt worden sei. "Es geht vielmehr darum, die Ängste von Anwohnern zu zerstreuen. Wir nehmen die Befürchtungen ernst und gehen offen damit um", so Puttrich.

Sie berichtete aber, dass derzeit keinerlei Anhaltspunkte für eine höhere Gesundheitsgefährdung durch Flugzeugabgase vorliegen würden. "Eine spannende Frage wird jedoch sein, ob die gemessenen Schadstoffe des Verursachern zugeordnet werden können. Denn die Flugzeugabgase entsprechen denen von Dieselfahrzeugen", sagte Günter Lanz, Geschäftsführer des Umwelt- und Nachbarschaftshauses, mit dem das Umweltministerium im Zeitraum der Messungen zusammenarbeiten wird.

200 000 Euro teuer

Schon allein aufgrund der Ähnlichkeit der Abgase wurde die Inbetriebnahme der Luftmessstation von Flughafenausbaugegnern heftig kritisiert. "Ein halbes Jahr, nachdem die neue Landebahn eröffnet wurde, kommt die Messstation. Ich halte die Maßnahme für zynisch, vor allem mit Hinblick auf die Flörsheimer, die nun ein weiteres Jahr warten müssen", urteilte der Sachsenhäuser Knut Dörfel.

Rund 200 000 Euro kostet die Luftmessstation auf dem Lerchesberg. Sie ist die 34. ihrer Art in Hessen und die vierte in Frankfurt. Zusätzlich zur Messstation sind im Jahr 2012 Staubniederschlagsmessungen an zehn Messpunkten entlang der Einflugschneisen der Nordwest-Landebahn geplant.

Auch plant das Umweltministerium ein aufwendiges Monitoring-Programm zu finanzieren, das sich in erster Linie mit Luftschadstoffen beschäftigt, die einen Bezug zu Flugzeugabgasen haben. "Alle bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse brachten aber keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Belastungen durch den Flugverkehr, auch nicht an den Flughäfen in München und Zürich", erklärte Puttrich.

Weitere Informationen finden sich auch auf der Internetseite des Umwelt- und Nachbarschaftshauses unter www.umwelthaus.org bki

(Benni Kilb)
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