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Landmann und Wallmann als Idole

Von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hält’s eher mit Walter Wallmann (CDU) als mit dessen Vorgänger Rudi Arndt (SPD) – eine Erkenntnis, die die Besucher der Gesprächsrunde „Oberbürgermeister im Spiegel ihrer Zeit“ am Dienstag gewinnen konnten.
Frankfurt. 

Oberbürgermeister stehen in ihrer Zeit, teilen ihre Maßstäbe – doch sie sind nicht austauschbar. Eine Stadt wie Frankfurt wird immer auch von der Person an der Spitze geprägt.

Dies war das Thema einer Veranstaltung der Volkshochschule Frankfurt. Im Historischen Museum trafen sich Lutz Becht (Institut für Stadtgeschichte), Dr. Bettina Tüffers (Kommission für Geschichte des Parlamentarismus, Berlin) und Peter Feldmann, der, befragt vom Moderator und FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert, erklärte, was er von den jeweils vorgestellten Vorgängern lernen konnte. Dabei teilten sich die beiden Historiker das Feld: Becht war für die Vor-, Tüffers für die Nachkriegs-OBs zuständig. Humorvoll stellten sie Mumm von Schwarzenstein, Miquel und Adickes, Georg Voigt und Ludwig Landmann vor, Walter Kolb, Rudi Arndt und Walter Wallmann. Die Schauspielerin Katharina Schaaf schlüpfte zum Vergnügen der vielen Zuschauer in die Rolle einer Putzfrau im Römer.

Statt Zank Harmonie

Feldmann sieht sich eher in der Tradition Wallmanns als in der von Rudi Arndt. Der konservative Wallmann habe so etwas wie Bürgersinn zurück in die Stadt gebracht. „Ich habe damals zu denen gehört, die seine Baumaßnahmen am Museumsufer, der Alten Oper und andernorts als Elitenkultur kritisiert haben“, sagte Feldmann. „Aber als ich dann gesehen habe, wie stolz einfache Bürger ihre Besucher dort vorbeigeführt und gesagt haben, dass dies ihr Frankfurt sei, habe ich begriffen, dass es Identifikationspunkte für eine Stadt braucht. Wallmann hat das erkannt.“ Übrigens: Die Pläne für die Ostzeile des Römerbergs und den Aufbau der Alten Oper gehen auf dessen Vorgänger „Dynamit-Rudi“ Arndt zurück. Doch während Arndt eher als Parteipolitiker galt, dem das Gespräch mit den Gremien und Vertretern der SPD wichtiger war als das mit Frankfurter Bürgern in den Hochhäusern, war Wallmann Feldmann zufolge ein OB, der genau das tat: Mit den einfachen Bürgern reden, Politik machen für sie und nicht zuletzt – Feldmann scheute sich nicht, das Wort zu verwenden – „Harmonie“ zurückzubringen in eine zerrissene Stadtgesellschaft.

Auch Ludwig Landmann, der das Amt 1924 von Georg Voigt übernommen hatte, zollte Feldmann großen Respekt. Landmann, der die Stadt von 1924 bis – schmählich aus dem Amt vertrieben – 1933 leitete, hat Frankfurt durch seine Entscheidungen zur Großstadt gemacht, erläuterte Becht. Er hat den Osthafen gebaut, Fechenheim, aber auch Höchst, Nied und andere Kommunen eingemeindet, und unter seiner Ägide wurde der Rhein-Main-Flughafen gebaut. „Landmann war klar, so etwas kann man nicht als Kommune leisten. Rhein-Main als Region, das kann nur durch eine Zusammenarbeit der Kommunen gestaltet werden“, so Becht. Nicht zuletzt auch viele neue Siedlungen, beispielsweise das Gallusviertel mit Industrie und Arbeiterwohnungen, seien unter Landmann und Ernst May entstanden. Für OB Feldmann, dessen großes Wahlkampfthema der Wohnungsbau war, ist Landmann ein Vorbild. „Wir müssen überlegen, ob die Planungen von damals uns heute weiterhelfen“, sagte Feldmann. Schließlich sei das Gallus einst auch nur eine Trabantensiedlung gewesen. Und heute? Untrennbar verwachsen mit der Stadt ist das Quartier.

Mut, groß zu denken

Ein neuer Stadtteil zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach? „Wir haben Parks, den Bannwald, den Stadtwald, den Grüngürtel und viele Äcker und Felder“, so der Oberbürgermeister. „Da muss man doch fragen, ob eine Stadt mit nunmehr 700 000 Einwohnern und akutem Wohnraummangel nicht auch wieder, wie damals, den Mut haben muss, auf etwas landwirtschaftliche Fläche zu verzichten.“ Und dafür ordentlich viele Wohnungen zu bauen, so wie damals, vor 90 Jahren, May und Landmann.

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