Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 9°C
5 Kommentare

Ortsbeirat: Landwirte kündigen Widerstand gegen geplanten Frankfurter Stadtteil an

Für den neu geplanten Stadtteil der Römer-Koalition soll im Nordwesten Frankfurts eine 550 Hektar große Fläche beidseitig der Autobahn A 5 bebaut werden, die zurzeit von landwirtschaftlichen Betrieben genutzt wird. Die Landwirte, die dadurch ihre Existenz verlieren könnten, wollen sich dagegen wehren.
Im Frankfurter Nordwesten soll nach Planungen der Stadt ein Neubaugebiet entstehen. Hier ein Blick in Praunheim aus Richtung Autobahn auf die Felder, die landwirtschaftlich genutzt werden. Im Hintergrund ist das Nordwestkrankenhaus zu sehen. Foto: Rainer Rüffer Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Im Frankfurter Nordwesten soll nach Planungen der Stadt ein Neubaugebiet entstehen. Hier ein Blick in Praunheim aus Richtung Autobahn auf die Felder, die landwirtschaftlich genutzt werden. Im Hintergrund ist das Nordwestkrankenhaus zu sehen. Foto: Rainer Rüffer
Frankfurt. 

Eigentlich wäre der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Nordweststadt, Niederursel) schon früher in die Sommerpause gegangen, wenn die Römer-Koalition vor einer Woche nicht den neu geplanten Stadtteil erwähnt hätte. Dieser soll im Nordwesten Frankfurts beidseitig der Autobahn A 5 auf einer 550 Hektar großen Fläche entstehen. Doch schon zu Beginn der jüngsten Ortsbeiratssitzung betont der Vorsteher des Ortsbeirates 8, Klaus Nattrodt (CDU), dass selbst er erst seit kurzem Bescheid wisse. „Viele von Ihnen sind sicher wegen des neuen Stadtteils gekommen, leider werden viele Fragen noch offen bleiben müssen“, bedauert Nattrodt. „Wir wissen selber nicht, was kommt, und rennen den Informationen hinterher“, ergänzt Ralf Porsche, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Denn auch wir sind nicht erbaut darüber, wie es gelaufen ist“, betont Porsche.

Keine Zukunft

Für die Landwirte, die auf der geplanten Fläche zurzeit noch Weizen, Zuckerrüben oder Mais anbauen, würde der neue Stadtteil das Ende ihrer Betriebe bedeuten. „Für uns war diese Nachricht ein Schlag“, betont Wolfgang Stark, Landwirt aus Niederursel. Denn zusätzlich zu den 11 400 neuen Wohnungen sei eine Erweiterung der Infrastruktur geplant, die unter anderem die U-Bahn-Linie U 6 und die Autobahn A 5 betreffe – da bliebe nicht viel übrig an Landwirtschaftsfläche. „Entweder bleiben uns ein paar Restflächen oder gar nichts mehr“, vermutet Stark. Dabei sei der Boden sehr ertragreich und würde jedes Jahr gute Erfolge bringen. „Vor sieben Jahren haben wir noch das 100-jährige Jubiläum der Eingemeindung gefeiert“, erinnert sich der Landwirt. „Damals waren wir noch 25 Landwirte, jetzt sind es nur noch drei“, erzählt Stark. Er befürchtet, dass sich die Stadt die geringe Anzahl zunutze gemacht und dort am wenigsten Widerstand erwarten würde. „Aber wir werden Widerstand leisten“, betont Stark.

Nicht nur die alteingesessenen Landwirte sehen sich vor dem Aus. „Gerade als junger Landwirt ist es mittlerweile unmöglich geworden, für die Zukunft zu planen“, beklagt der 24-jährige Niklas Sulzbach, dessen Familie ebenfalls Land auf dem betroffenen Gebiet bewirtschaftet. „Für einen Landwirt ist es das Schlimmste, wenn er sein Land verliert“, betont Sulzbach. Nun sei auch seine Existenz infrage gestellt. „Die Stadt ist nicht in der Lage, ausgleichende Flächen für unseren Familienbetrieb zu bieten“, befürchtet der junge Mann.

Nachbarkommunen wollen mitreden, lehnen die Pläne aber ...

In den Nachbarorten ist der ganz große Aufschrei in den kommunalpolitischen Gremien zu den Planungen des neuen Frankfurter Stadtteils ausgeblieben.

clearing

Zwar sei er sich der schwierigen regionalen Situation der Landwirte schon früher bewusst gewesen, habe aber immer auf das Argument der Frischluftschneise gehofft. „Wo soll der Grüngürtel denn sonst sein, wenn gerade dort eine Bebauung in solchem Ausmaß stattfindet? Und wer will als mündiger Bürger nur noch zwischen Beton wohnen?“, fragt sich der Agrarwissenschaftsstudent.

Lieber in die Höhe bauen

Dem Landwirt Richard Bickert gehören rund 30 Hektar im betroffenen Gebiet. „Wenn das Land weg ist, ist es weg. Dann kann ich meinen Betrieb zumachen“, betont der 61-Jährige. „Wenn die 30 Hektar verloren gehen, ist die Fläche zu klein, um mit dem Ackerbau weiterzumachen“, erklärt Bickert. Für ihn sei es unverständlich, dass Frankfurt noch mehr neue Flächen beansprucht, anstatt in die Höhe zu bauen. „In einer Stadt muss man auch im 7. Stock leben können“, sagt der Landwirt, der seit fast 40 Jahren in Frankfurt lebt. Deshalb möchte auch er etwas tun. „Es muss aber erstmal einen Ansprechpartner geben, gegen den wir kämpfen können“, erklärt Bickert.

Dafür fordert der Ortsbeirat 8 den Magistrat und den Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in einem Antrag dazu auf, die Fragen der Menschen in einer Bürgerversammlung zu beantworten. Diese soll zeitnah nach den Sommerferien stattfinden und die Bürger aus den betroffenen Stadtteilen Niederursel, Nordweststadt, Praunheim, Steinbach und Oberursel über den neuen Stadtteil aufklären. Mit einer klaren Mehrheit stimmte der Ortsbeirat 8 am Dienstagabend über diesen Antrag ab.

Von Elisa Kautzky

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse