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Dürre: Langsam geht der Landwirtschaft das Wasser aus

Von Dürre und Hitze bescheren den Landwirten und Gemüsebauern in der Region teils erhebliche Ernteausfälle beziehungsweise Mehrkosten für Bewässerung. Wegen der extremen Wetterlage fällt zudem oft Mehrarbeit an.
Damit die frisch gepflanzten Kräuter angehen, muss Gärtner Rainer Schecker seine Felder in Oberrad fast rund um die Uhr bewässern. Foto: Michael Faust Damit die frisch gepflanzten Kräuter angehen, muss Gärtner Rainer Schecker seine Felder in Oberrad fast rund um die Uhr bewässern.
Frankfurt. 

Für Rainer Schecker sind die Arbeitstage im Augenblick besonders anstrengend. Und länger als sonst. Weil es zuletzt kaum geregnet hat, muss der Gärtner seine Felder in Oberrad fast rund um die Uhr bewässern. Würde er das nicht tun, würden die sieben Kräuter für die Grüne Soße innerhalb kürzester Zeit vertrocknen. „Ich bin den ganzen Tag und die halbe Nacht auf dem Feld. Alle zwei Stunden müssen die Beregnungsträger umgestellt werden“, sagt er.

Trinkwasserversorgung Im Vogelsberg wird das Wasser knapp: Brandbrief an die ...

Der Vogelsberg leidet massiv unter der Trockenheit. Die Stadt Ulrichstein muss Tankwagen einsetzen, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Dass die Frankfurter nun ihre Bäume mit Trinkwasser bewässern, macht den Bürgermeister der Stadt zornig. Und das hat einen Grund.

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In diesem Jahr sind Hitze und Dürre laut Schecker besonders heftig. Mittlerweile gingen sogar die Brunnen, aus dem das Wasser für die Pflanzen stammt, „langsam in die Knie. Wir müssen schon aufpassen, dass uns das Wasser nicht ausgeht“, sagt er. Das bestätigt Albert Kunna, der Gemüsebauer in Nieder-Erlenbach ist. Er lässt die Beregnungsanlagen nur nachts laufen, weil tagsüber zu viel des kostbaren Nasses verdunsten würde. Und er sagt: „Wenn ich wüsste, wie lange das Wasser aus unserem Brunnen noch reicht, würde ich Lotto spielen.“

Nur 17 Liter Niederschlag

Die Zahlen von Wetter-Kontor, einem privaten Wetterdienst, belegen die Angaben der beiden: In den ersten sieben Monaten 2018 hat es deutlich weniger Niederschlag in Frankfurt gegeben als normal üblich. Im Mai fiel mit 33 Litern pro Quadratmeter nur die Hälfte des Monatsmittels, im Juli waren es sogar nur 17 Liter pro Quadratmeter (siehe Grafik). Ausrutscher nach oben sind mit deutlich mehr Regen der Januar und der April.

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Im Vergleich zu Brandenburg etwa seien die Bauern in und um Frankfurt bei der kürzlich eingebrachten Getreideernte aber noch gut bedient, sagt Kreislandwirt Matthias Mehl. Hier betrügen die Einbußen „nur“ zwischen zehn und 15 Prozent, in Brandenburg dagegen bis zu 40 Prozent. „Wir haben sehr fruchtbare Böden, die die Winterniederschläge speichern können – bis zu 200 Liter pro Quadratmeter in einem Meter Tiefe. Deshalb sind wir bisher gut über die Dürre hinweggekommen“, erklärt Mehl. Und wegen der hervorragenden Bodengüte reagierten Bauern äußert sensibel, wenn sie wie jetzt im Fall für das geplante Neubaugebiet Josefsstadt bei Weißkirchen an der A 5 Flächen abgeben sollten.

Nicht so gut sehen die Prognosen für die Maisernte aus. Mehl rechnet hier mit Einbußen zwischen 30 und 50 Prozent. Stängel und Kolben seien deutlich kleiner. Das ganze Ausmaß zeige sich aber erst Mitte September, wenn die Ernte beginne. Auch noch eingebracht werden müssen Zuckerrüben und Kartoffeln. Hier habe die Dürre aber nicht so stark durchgeschlagen, Mehl hofft deshalb noch auf eine durchschnittliche Ernte. Für Fast-Food-Freunde gibt es trotzdem schlechte Nachrichten: Pommes Frites werden teurer – zur Herstellung werden große Kartoffeln benötigt, davon gibt es in diesem Jahr aber weniger.

Kühe haben keinen Appetit

Doch nicht nur den Pflanzen macht die Hitze zu schaffen. Nach Angaben von Sigrid Vetter, die in Bergen-Enkheim einen Milchhof betreibt, haben ihre Tiere keinen Appetit und würden deshalb auch weniger Milch geben. Trotzdem reicht das Futter kaum für ihre 50 Kühe und nochmals so viele Jungtiere. Denn Gras wächst auf ihren Wiesen schon lange keines mehr, dort ist alles braun. Um nicht jetzt schon die Wintervorräte angreifen zu müssen, bleibe ihr nur ein Weg: Auch wenn es schwer falle, müsse sie sich von Tieren mit wenig Milchertrag trennen – für sie endet die Fahrt auf dem Schlachthof. Von der vom Deutschen Bauernverband geforderten Entschädigung für Landwirte, die es besonders schlimm getroffen hat, hält sie nicht viel. Die Hilfe beschränke sich auf verbilligte Kredite, doch „die Bank will irgendwann ihr Geld zurück. Das bringt uns überhaupt nichts.“

Vogelsberger sind sauer auf Frankfurt

Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hat die Bürger vergangene Woche aufgefordert, Stadtbäume zu wässern, notfalls auch mit Trinkwasser.

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Heidi Jung, die eine Gärtnerei in Oberrad betreibt, hat trotz der angespannten Lage ihren Humor nicht verloren. Auch sie baut die sieben Kräuter für die Grüne Soße an. „Wenn es nicht bald regnet, vertrocknen die komplett. Aber vielleicht kann man sie ja rauchen“, sagt sie und erinnert an den Tag, an dem der letzte länger anhaltende Regen in Frankfurt fiel: Das war am 18. April.

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