Lautstark gegen die Fraport

Gestern versammelten sich 1334 Aktionäre der Fraport AG zur jährlichen Hauptversammlung in der Jahrhunderthalle, um den Vorstand zu entlasten. Empfangen wurden die Anteilseigner des Flughafenbetreibers schon draußen von knapp 100 Fluglärmgegnern – und einige blieben auch während der Versammlung nicht still.
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Frankfurt. 

Wenn in der Jahrhunderthalle die Aktionäre der Fraport AG tagen und auf dem Vorplatz Fluglärmgegner demonstrieren, treffen Welten aufeinander – könnte man annehmen. Tatsächlich aber hatten einige der Aktionäre, die gestern zur Hauptversammlung des Flughafenbetreibers kamen, durchaus Verständnis für die Sorgen der lautstarken Demonstranten. Ja, sogar Sympathisanten können die lärmgeplagten Anwohner aus Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und dem Taunus, die mit Transparenten, Tröten und Lautsprechern vor der Halle Quartier bezogen hatten, auf ihrer Seite wissen.

"Wir kommen aus Ludwigshafen. Das ist auch ein Ballungsraum, und bei uns ist es auch laut. Ich kann die Demonstranten voll und ganz verstehen", sagte Christa Alla (64), die gemeinsam mit ihrem Mann Christian (77) zur Hauptversammlung nach Frankfurt gereist ist. "In die Situation der Leute können wir uns schon reinfühlen", sagen sie. Aber letztlich ließen sich die Firmen, die Lärm produzieren, ja auch nicht einfach so versetzen. Eine Unterscheidung sei ihnen wichtig: "Gegen den Fluglärm zu sein heißt nicht, gegen den Flughafen zu sein." Und einen Lösungsvorschlag, oder zumindest einen, der Besserung bringen würde, hat Christian Alla auch. "Die sollen die Flugzeuge im Rahmen der technischen Möglichkeiten leiser machen", fordert der Fraport-Aktionär.

Aufgerufen zu der Demonstration hatte eine Bürgerinitiative (BI) aus dem Vordertaunus, in der sich Bürger aus Bad Soden, Eschborn, Kelkheim, Liederbach, Schwalbach und Sulzbach zusammengefunden haben. "Lärm ist Umweltverschmutzung", rief Gabriele Franz von der BI über das Mikrofon und die angeschlossenen Lautsprecher.

Extra eine Aktie erworben

Unterstützt wurde die BI von Fluglärmgegnern aus dem Umkreis. Auch das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau war vertreten. "Bei vielen liegen die Nerven blank, und zwar auf beiden Seiten", sagte deren Sprecher Berthold Fuld, der nicht nur vor der Halle argumentierte. Als Aktionär hat er Rederecht bei der Hauptversammlung. Extra dafür hatte er 2004 eine Aktie erworben.

Und Fuld hatte nicht nur den akuten Lärm im Blick: "Ich habe auch nach dem geplanten Terminal 3 und den Lücken bei der Kapazität, die es bei der bei Nordwind gesperrten Landebahn West gibt, gefragt." Auf solche Fragen muss der Vorstand in der Hauptversammlung antworten, wenn dabei auch wenig herauskommt. "Die Antworten waren, wie zu erwarten, unbefriedigend", sagte Fuld. Er war nach dem Geschäftsbericht des Vorstands in der Fragerunde gegen 16 Uhr dran. Erst danach wurde der Vorstand entlastet.

Und die Fragerunde ging aus Sicht Fulds diesmal besonders lang. "Es sind weitaus mehr Betroffene da als sonst. Etwa zwei Drittel der Redebeiträge waren von Fluglärmgegnern." Einige von ihnen hatten sich kurzfristig eine Aktie besorgt, die meisten nutzen diese Möglichkeit aber schon länger. Fraport-Sprecher Christopher Holschier hat deshalb auch keinen wesentlichen Anstieg der Fluglärmgegner festgestellt. "Es war der übliche Anteil vor allem aus den Bürgerinitiativen." Aber auch Anleger-Vereinigungen kritisierten den Vorstand (siehe Wirtschaft Seite 4).

Keine Reaktion erhalten

Die meisten von Fulds Mitstreitern beschränkten sich indes darauf, vor der Halle auf ihre Misere aufmerksam zu machen. "Ich habe gestern den Garten bepflanzt. Abends wollten wir zum ersten Mal in diesem Jahr draußen sitzen, aber es ging einfach nicht", beschrieb Diana Kabuth (47) aus Oberrad ihr Problem. "Wir haben der Fraport unser Haus auch schon angeboten, damit die es uns zu einem vernünftigen Preis abkaufen", berichtete die zweifache Mutter. Eine Reaktion darauf habe sie nicht erhalten.

Sorgen, für die auch die Aktionäre teilweise Verständnis zeigten. So wie Christa (61) und Norbert Kaiser (70) aus Wallau. "Ich habe selbst Jahre lang in der Einflugschneise in Raunheim gewohnt, da weiß man schon, wie das ist", sagte Christa Kaiser. Ihr Mann schränkte aber ein: "Das ist ja nun kein Projekt, das von heute auf Morgen entstanden ist. Die Leute wussten es seit Jahren, haben aber trotzdem gebaut." Der Proteststurm, der nach der Eröffnung der Landebahn losbrach, sei deshalb übertrieben. Sie selbst hatten Glück. "Wallau liegt im toten Winkel. Uns hätte es auch treffen können."

Teils hitzige Diskussionen zwischen Aktionären und den rund 100 Demonstranten gab es aber auch. Hartmut Rencker (69) versuchte Überzeugungsarbeit zu leisten. "Manche gucken etwas verunsichert, wenn sie uns sehen", stellte er fest. Sein Ziel sei es, die Aktionäre aufzuklären. "Wir sind normale Bürger, die sich gegen die Verlärmung wehren. Dass die Aktionäre das wahrnehmen, ist unser Ziel." Zumindest das, so scheint es, haben die Demonstranten erreicht. göc/ses

(göc,ses)
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Gestern versammelten sich 1334 Aktionäre der Fraport AG zur jährlichen Hauptversammlung in der Jahrhunderthalle, um den Vorstand zu entlasten. Empfangen wurden die Anteilseigner des Flughafenbetreibers schon draußen von knapp 100 Fluglärmgegnern – und einige blieben auch während der Versammlung nicht still.
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12.05.2012
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