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Interview: Leiterin der Fabrik würde den Gewölbekeller gerne jeden Abend öffnen

Karin Wagner ist seit einem Jahr die künstlerische Leiterin im Kulturwerk Die Fabrik in Sachsenhausen. Unsere Redakteurin Julia Lorenz sprach mit der 59-Jährigen über Ihre Arbeit, die Luminale und wohin die Reise in Zukunft noch gehen soll.
Viel zu tun: Karin Wagner leitet seit einem Jahr die Fabrik in Sachsenhausen. Foto: Leonhard-Hamerski Viel zu tun: Karin Wagner leitet seit einem Jahr die Fabrik in Sachsenhausen.
Sachsenhausen. 

Frau Wagner, Sie haben vor einem Jahr die künstlerische Leitung in der Fabrik übernommen. Würden Sie diesen Schritt noch mal gehen?

KARIN WAGNER (lacht): Aber klar doch.

Warum?

WAGNER: Der Gewölbekeller der Fabrik hat eine ganz besondere Atmosphäre. Es wäre natürlich schön, wenn wir mehr Platz im Keller hätten. Aber wir haben hier dennoch viele Möglichkeiten, Künstler einzuladen und ein interessantes Programm für Frankfurt und die Umgebung anzubieten. Es ist nämlich ganz und gar nicht so, dass zu uns nur Frankfurter den Weg finden. Wenn ich mit den Gästen rede, dann kommen sie aus Langen, aus Bad Vilbel, wirklich aus der ganzen Umgebung.

Als Sie vor einem Jahr hier angefangen haben, sagten Sie, die Fabrik könnte bekannter sein. Aber wenn auch Menschen aus Langen oder Bad Vilbel den Weg hierher finden, kann sie ja gar nicht so unbekannt sein.

WAGNER: Das ist richtig. Das Kulturprogramm in der Fabrik gibt es nun auch schon viele Jahre. Aber dass es hier ein kontinuierliches Programm mit Live-Musik, Lesungen und Gesprächsreihen gibt, ist er seit fünf Jahren der Fall. Um solch eine Location zu etablieren, braucht man aber Zeit. Das ist eher ein Langstreckenlauf.

Dann werfen wir doch noch mal einen Blick zurück auf das vergangene Jahr: Wie war es für Sie?

WAGNER: Die Fabrik gehört der „Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz“-Stiftung, eine kleine Kulturstiftung mit kleinem Budget in jeder Hinsicht. Da kann ich nur den Komiker Karl Valentin zitieren: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Das trifft genauso auf die Kultur zu. Aber es hat bisher dennoch viel Spaß gemacht.

Inwiefern?

WAGNER: Bei einer kleinen Bühne hat man einerseits die Chance, Künstler zu entdecken, die der Fabrik auch dann verbunden bleiben, wenn sie große Hallen füllen. Man kann aber dem Publikum auch ein breites Angebot bieten – von Jazz über Weltmusik, Comedy, Gespräche bis hin zu Singer/Songwritern.

Konnten Sie in Ihrem ersten Jahr als künstlerische Leiterin denn schon eigene Akzente setzen oder eigene Projekte anstoßen?

WAGNER: In diesem Jahr beteiligt sich die Fabrik zum ersten Mal an der Luminale, die am Sonntag beginnt. Das war meine Idee. Denn seit jeher bin ich eine begeisterte Besucherin der Luminale. Ein wirklich schönes Projekt, das mit Konzerten im Gewölbekeller begleitet wird(siehe Infobox). Die Fassade bietet sich für Lichtinstallationen einfach an. Zudem finden dadurch möglicherweise Menschen den Weg zu uns, die uns noch nicht kennen, immerhin gibt es einen extra Bus, der alle Orte der Luminale anfährt.

Die Luminale alleine wird aber nicht ausreichen, um das Kulturzentrum bekannter zu machen. Wie wollen Sie es in Zukunft schaffen, mehr Menschen zu den Veranstaltungen zu locken? Vielleicht auch mal jüngeres Publikum?

WAGNER: Das ist ein schwieriges Thema. Ich sehe das bei meinen Neffen. Die sitzen lieber zu Hause und skypen mit ihren Freunden. Als wir früher jung waren, war dies das Alter, wo wir angefangen haben, auszugehen. Und damals war das Angebot noch viel kleiner. Deshalb müssen wir weiterhin interessante Bands und Künstler verpflichten, damit die Menschen den Weg zu uns finden. Nur auf den Bonus zu setzen, dass dies hier eine interessante Location ist, reicht da natürlich nicht aus. Und gleichzeitig müssen wir Werbung für uns machen.

Aber mehr Werbung bedeutet mehr finanzielle Ausgaben.

WAGNER: Das ist richtig, aber das müssen wir uns dennoch leisten. Wir sind jedoch mit unserem Flyer, der Internetpräsenz und auf Facebook schon ganz gut aufgestellt. Wir verschicken wöchentlich einen Newsletter an 4000 Abonnenten. Wenn zu den Veranstaltungen nur ein Prozent davon kämen, müssten jedes Mal 40 Leute da sein.

Und das ist nicht der Fall?

WAGNER: Nein, leider gibt es eine Reihe von Konzerten zu denen weniger als 40 Zuschauer kommen. Und das ist schade. Man würde sich wünschen, dass die Menschen noch mehr ausgehen und mehr experimentieren. Auch wenn man dafür 15 Euro Eintritt bezahlen muss, das ist aber nicht die Welt. Was kostet heute Kino? Und da bekommt man eine Konserve. Man hat hier wirklich schöne Live-Konzerte mit Musikern, die man vielleicht nicht kennt, aber die immer gut sind. Aber hier in der Fabrik haben wir auch noch ein ganz anderes Problem.

Welches?

WAGNER: Wir liegen in Sachsenhausen hinter dem Bahndamm der S-Bahnlinie. Das wird gerade von den Sachsenhäusern wie eine Grenze empfunden. Hier schlendert man nicht einfach so vorbei wie am Jazz-Keller in der Innenstadt, der mittendrin liegt. Wir befinden uns am Rand, obwohl der Südbahnhof um die Ecke ist und vor der Tür sowohl der Bus als auch die Straßenbahn hält.

Mal davon abgesehen: Was macht denn die Fabrik für Sie aus?

WAGNER: Es ist die Atmosphäre, die kleine Bühne in diesem wunderschönen Gewölbekeller. Wir haben hier zwar nur Platz für 100 Gäste, aber dafür können wir Künstler auf der Bühne bieten, die nicht in der Festhalle auftreten können. In so einem Keller kann man die Musik viel intensiver spüren, man ist ganz dicht an ihnen dran.

Sie haben schon erwähnt, dass die Fabrik für eine Veranstaltungsstätte nicht sonderlich groß ist. Ihr Vorgänger Rainer Erd sprach immer davon, deshalb mehr Platz in dem 1883 errichteten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zu schaffen. Er wollte das Hochparterre ausbauen, um einen weiteren Veranstaltungsort zu generieren. Wie steht es um diese Pläne?

WAGNER: Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Stiftung haben immer noch vor, hier eine Spielstätte für die „Kammeroper“ zu realisieren. Dieses Bestreben besteht schon sehr lange, muss aber auch finanziert werden. Der Vorstand Karsten Heidebrecht ist derzeit unter anderem damit beschäftigt, ein Finanzierungsmodell aufzustellen. Dass hier Sanierungsbedarf besteht, ist bekannt, ganz unabhängig davon, ob man auch noch andere Etagen ausbauen will. Das Dach muss unbedingt neu gedeckt werden. Schauen wir mal, wie wir das alles stemmen können.

Jetzt haben Sie die Luminale in die Fabrik geholt, sicherlich haben Sie aber noch mehr Pläne. Was wollen Sie denn in Zukunft noch auf den Weg bringen?

WAGNER: Momentan können wir leider gar nicht so weit in die Zukunft planen, weil wir schon ein bisschen abhängig von den bevorstehenden Sanierungsmaßnahmen und möglichen Ausbauten sind. Denn eigentlich hätte es jetzt schon in der Sommerpause losgehen sollen. Doch das Gebäude steht unter Denkmalschutz, das ist nun doch komplizierter als gedacht. Deshalb verzögert sich die Sanierung und wir können im Herbst doch unser drittes Jazz-Festival auf die Beine stellen. Darüber hinaus würde ich gerne das Programm weiter auffächern und neben dem Jazz auch andere Musikrichtungen etablieren, die auf unsere kleine Bühne passen.

Jazz soll aber im Fokus bleiben?

WAGNER: Ja. Der Jazz war schon immer wichtig für die Fabrik und soll es auch bleiben. Das passt auch zu Frankfurt. Und es ist einfach eine spannende Musikrichtung. Der Jazz ist einfach die Avantgarde.

Und wo soll Ihrer Absicht nach die Reise mit der Fabrik hingehen?

WAGNER: Schön wäre es, wenn wir hier jeden Abend offen hätten und eine Veranstaltung anbieten könnten. Dann müssten die Leute gar nicht in den Veranstaltungskalender schauen, ob wir offen haben, sondern könnten einfach vorbeikommen. Denn die Qualität stimmt hier immer. Wir haben wirklich immer gute Künstler auf der Bühne stehen. Da kann man eigentlich blind vorbeikommen.

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