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Kinderbuchpreis „Kalbacher Klapperschlange“: Lesen für die „Klapperschlange“

Zum bereits 28. Mal verleihen Kinder am 7. November den Kinderbuchpreis „Kalbacher Klapperschlange“. Davor gibt es für die Verantwortlichen vom Kinderverein Kalbach noch einiges zu tun. FNP-Mitarbeiterin Sandra Kathe hat mit Nicole Hofmeister und Sylvia Grothe vom „Klapperschlange“-Team über die Vorbereitungen gesprochen – und über die Herausforderung, Kinder zum Lesen zu animieren.
Diese Schlange beißt nicht: Sylvia Grothe (re.) und Nicole Hofmeister vom Team der »Kalbacher Klapperschlange« bereiten in der Stadtteilbücherei Kalbach im Alten Rathaus den literarischen Wettbewerb vor. Foto: Rainer Rüffer Diese Schlange beißt nicht: Sylvia Grothe (re.) und Nicole Hofmeister vom Team der »Kalbacher Klapperschlange« bereiten in der Stadtteilbücherei Kalbach im Alten Rathaus den literarischen Wettbewerb vor.

Im Jahr 1988 ging die Kalbacher Klapperschlange als Kinderbuchpreis an den Start. Was hat sich seitdem verändert?

NICOLE HOFMEISTER: So einiges hat sich verändert: Die „Klapperschlange“ begann mit einer Handvoll Teilnehmer und knapp über einem Dutzend Büchern in einer Kellerbücherei eines Mitglieds des Kindervereins Kalbach. Das ist bis heute immens gewachsen. Wir stellen inzwischen aber auch einen Wandel beim Alter der Teilnehmer fest: Früher stellten die Jugendlichen ab der 7. Klassenstufe einen Großteil der Teilnehmer. Das ist schwer zurückgegangen, seit die Schulen mit G 8-Stufen mehr Lernzeit in Anspruch nehmen. Dafür sind die jüngeren Kinder sehr motiviert und kennen die „Klapperschlange“, die inzwischen hier im Norden Frankfurts sehr etabliert ist. Viele warten ganz gespannt darauf, endlich alt genug zur Teilnahme zu sein. Die Kinder nehmen ihre Rolle als Buchkritiker sehr ernst.

Und wie steht es mit dem Leseverhalten der Kinder?

HOFMEISTER: Es wird immer schwieriger, das sehe ich auch bei meinen eigenen Kindern. Das Smartphone und andere elektronische Geräte haben dem Medium Buch bei vielen Kindern und Jugendlichen den Rang abgelaufen. Dabei ist das Lesen für viele Fähigkeiten eine wichtige Grundlage: Es fördert die Entwicklung der Fantasie genauso wie die Sprachentwicklung sowie die Ausdrucksfähigkeit.

Was trägt die „Kalbacher Klapperschlange“ denn dazu bei, dass sich das ändert?

SYLVIA GROTHE: Die Kinder erhalten bei uns den Anreiz, von Juni bis Oktober fünf Bücher zu lesen. Für viele mag das zunächst nach einer ganzen Menge klingen, aber wenn man die Namen in den nächsten Jahren wieder auf der Liste sieht, haben sie schon zehn oder gar 15 Bücher geschafft. Die Verantwortung der Bewertung motiviert die Kinder und Jugendlichen und sie entwickeln dann auch aus sich heraus Spaß am Lesen.

Welche Rolle spielen denn dabei die Schulen?

HOFMEISTER: Wir haben einige Schulen am Riedberg, in Harheim und auch in Heddernheim oder Bad Vilbel als Kooperationspartner, die die Ausleihe der Bücher aus der „Klapperschlange“-Auswahl ermöglichen. Das hat für die Schulbüchereien den entscheidenden Vorteil, dass sie mehr aktuelle Bücher anbieten können. Und dass sich das Potenzial für die Leseförderung steigert. Für uns vergrößert die Zusammenarbeit mit den Schulen wiederum die Zahl der Kinder, die wir erreichen.

Wie hat sich der Kinderbuchmarkt verändert?

GROTHE: Der Kinderbuchmarkt ist über die Jahre sehr gewachsen. Es gibt etliche namhafte Autoren – auch Deutsche, die Kinder und Jugendliche mit ihren Themen sehr ansprechen. Dabei variieren die Trendthemen von Jahr zu Jahr. In der derzeitigen Endauswahl geht es etwa oft um das Thema Backen. In den Publikationen aus 2015, die wir derzeit schon fürs nächste Jahr vorbereiten, gibt es auffällig viele Umweltthemen.

Wie viele Bücher gehen bei der „Klapperschlange“ ins Rennen?

HOFMEISTER: In jedem Jahr gehen rund 300 Kinder- und Jugendromane ein, die in deutschen Verlagen erschienen sind.

Und daraus wird eine Vorauswahl getroffen?

HOFMEISTER: Das Team versucht tatsächlich auch alle Bücher selbst zu lesen. Und wir sortieren jährlich rund 30 Bücher aus, etwa weil sie nicht zur Altersklasse passen, für die sie empfohlen worden sind, oder wir sie thematisch für Kinder als nicht geeignet empfinden. Es gibt auch immer wieder Fälle, wo in Büchern veraltete Werte und Geschlechterrollen vertreten werden. Auch die sortieren wir aus.

Spielt auch dabei die Kinderjury eine Rolle?

HOFMEISTER: Alle Kinder, die im Vorjahr in der Jury waren, dürfen sich um Ostern herum aussuchen, welche Bücher sie instinktiv ansprechen – etwa wegen der besonders schönen Gestaltung oder einem sehr spannenden Klappentext. Auf der Basis ihres Urteils landen dann 60 Bücher in der Endauswahl – 20 pro Altersklasse.

Und ab da entscheiden die Kinder ganz allein?

HOFMEISTER: Genau. Jedes Kind, das nach den Sommerferien in die dritte Klasse kommt, kann mitmachen. Voraussetzung ist, dass das Kind mindestens fünf der Bücher seiner Altersstufe bewertet.

GROTHE: Uns ist es ganz wichtig, dass da ganz allein die Kinder entscheiden. Damit wollen wir uns ja auch von anderen etablierten Preisen absetzen, etwa vom Deutschen Literaturpreis, wo nur Erwachsene in der Jury sitzen, die nach völlig anderen Kriterien bewerten. Viele Bücher, die dort ganz vorne mitspielen, sind Geschichten, die Kinder besser nicht allein lesen sollten. Weil sie Themen behandeln, die doch mit einem gewissen Gesprächsbedarf verbunden sind. Bei uns übernehmen die Erwachsenen lediglich die Auswertung der Beurteilungsbögen.

Gibt es denn für die „Klapperschlange 2015“, die im November verliehen wird, schon heiße Anwärter?

HOFMEISTER: Selbst wenn es bereits einen gäbe, dürften wie ihn selbstverständlich nicht verraten. Aber die Auswertung der Ergebnisse wird ohnehin noch eine Weile dauern. Wir haben schon über tausend Bewertungsbögen erhalten und die Kinder haben noch Zeit bis zum 8. Oktober, Bücher weiter zu bewerten. In den letzten Jahren gab es immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir können nur so viel verraten: Es wird ein spannendes Finale mit vielen Büchern, die den Titel verdient haben.

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