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Lesezauber in Fechenheim

„Ich finde dieses Fest toll, denn es soll Fechenheim attraktiver machen“, sagt Lilo Mahr. Sie lebt schon ihr ganzes Leben im Stadtteil, ihr Großvater war sogar am Bau des Rathauses in Fechenheim beteiligt.
Autor Tom Daut schlüpfte für die Lesung in ein Leinengewand. Bilder > Autor Tom Daut schlüpfte für die Lesung in ein Leinengewand.

„Ich finde dieses Fest toll, denn es soll Fechenheim attraktiver machen“, sagt Lilo Mahr. Sie lebt schon ihr ganzes Leben im Stadtteil, ihr Großvater war sogar am Bau des Rathauses in Fechenheim beteiligt. „Letztes Jahr war mir das Fest noch gar nicht bewusst“, erklärt sie. Dieses Mal aber geht es mit Freundin Susanne Volbracht und ihrem Dackel, der im Hundekinderwagen mitfährt, von Lesung zur Lesung. Deswegen fällt die Metzgerei Meisinger aus. Das wären zu viele Gerüche für den Vierbeiner. „Mark Rybicki war toll, er kann so irre viele Dialekte nachmachen“, findet Frau Volbracht. Daher kaufte sie auch gleich sein neues Werk „Wo ist der Tannenbaum“ - als Buch und Hörbuch.

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Mark Rybicki liest nicht nur aus seinem neuen Kinderbuch, er stellt etwas später am Abend im Bootshaus auch seinen Krimi „Gekreuzigt“ vor. Krimis verfasst der Frankfurter unter dem Pseudonym Martin Olden. Während er die Lesung von „Wo ist der Tannenbaum“ mit Dialekten auflockert, liest er „Gekreuzigt“ in schwarzer Kutte. In dem Buch nimmt er unter anderem Prügel-Polizisten und scheinheilige Kirchenmänner ins Visier. „Das Festival ist super zum Kontakte knüpfen. Wir Autoren sind ja sind meistens Einzelkämpfer. Aber als Netzwerk könnten wir eine Macht auf dem Buchmarkt sein“, sagt der Schriftsteller.

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Autor Tom Daut hat sich für die Lesung im „Raum für Kunst“ verkleidet. Im Leinengewand mit Knochenkette um den Hals liest er seine Geschichte aus dem Buch „Krieger“, das im Verlag Torsten Low erschienen ist. Es ist eine Sammlung Fantasy-Geschichten von mehreren Autoren. Darunter auch Dauts Freundin Heike Schrappe. „Es ist alles vertreten. Von lustigen Sachen bis zu Geschichten von klassischen, muskelbepackten Kriegern“, erklärt Daut. Beide sind extra aus dem Sauerland angereist. „Die Organisation war etwas chaotisch. Wir mussten selbst alles aufbauen“, erzählen die Autoren.

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Nicht alle Schriftsteller haben sich Besonderheiten für ihren Auftritt ausgedacht. Im Hinterhof der Café Lounge Jasmin liest die Autorin Kate Sunday aus ihrem ersten Jugendroman „Herzklopfen - Down Under“, das dieses Jahr erschienen ist. Es handelt von einem deutschen Mädchen, das in Australien ein neues Leben beginnt. Von den wenigen Zuhörern verlassen einige die Lesung vor dem Ende. Das mag daran liegen , dass das Publikum etwas zu alt für einen Jugendroman ist. Vielleicht aber liegt es auch an Sundays ziemlich eintönigen Lesestil.

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Im Duft von Leberwurst und Mett stellte Jannis Plastargias sein Werk „Liebe und andere Schmerzen: 16 Herzschläge“ vor. Die Metzgerei Meisinger hat zwar ihre Auslage leergeräumt, doch Häppchen, ein Regal mit Nudel und Einmachgläsern sowie der Fleisch-Geruch verrieten eindeutig, wo man sich befindet. Dennoch zeigt das Festival, dass es im Grunde nicht auf die Location ankommt. Eine Metzgerei kann zwar nicht mit der heimeligen Atmosphäre einer kleinen Buchhandlung mithalten, aber letztendlich kommt es nur auf den Autor an, wie gut eine Lesung ist. Plastargias jedenfalls schafft es, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Sein Buch besteht aus 16 Geschichten, die von Schmerz und Hoffnung handeln.

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Ähnlich ist es im etwas beengten Laden „Der Friseur“. Abgesehen von ein paar Häppchen, die auf Tellern bereitstehen und extra Stühlen, hat sich hier nichts verändert. Die Atmosphäre lässt daher etwas zu wünschen übrig. Dennoch bannt Autor Harald Körner die Zuhörer mit seinem mitreißenden Lesestil. Der ehemalige Oberstaatsanwalt von Frankfurt stellt sein neuestes Buch „Totengräber“ vor, das er unter dem Pseudonym „Johannes Frumen“ verfasst hat. Der Roman ist eine Mischung aus eigenen Erlebnissen und Fiktion. „Gerichtsverhandlungen sind wie Theatervorführungen“, so Körner.

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Im Buchladen „Bücher Vor Ort“ singt und dichtet Uwe Bjorknes. Seine kurzen Verse hat der in Fechenheim lebende Künstler sehr eigen gegliedert. „Ich lese heute aus den Kategorien ,eigenartig‘ und ,seltsam‘“, sagt er. Weil Bjorknes vorlesen merkwürdig findet und lieber singt, greift er bald zur Gitarre und trällert ein norwegisches Mittsommerlied.

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In die Mongolei entführt Kriss Ruhi die Zuhörer im „Loftatelier 65“. Ihre Geschichte erzählt von zwei jungen Frauen, die auf ihrer Reise durch die Mongolei auf Steppendämonen treffen. Erschienen ist die Story im Sammelwerk „Masken“, an dem insgesamt 16 Autoren mitwirkten. „Ich habe diese Reise selbst schon selbst gemacht und sie hat mich sehr inspiriert. Auch wenn ich keine Dämonen getroffen habe“, berichtet Ruhi mit einem Augenzwinkern.

(wch)
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