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Wie Jugendliche wohnen wollen: Lessing-Schüler entwerfen Modelle der eigenen vier Wände

Die Preise für Wohnungen in Großstädten und damit auch in Frankfurt steigen und steigen. Wohngemeinschaften sind da eine Möglichkeit, um Kosten bei der Miete zu sparen. 24 Lessing-Schüler haben sich dazu ihre Gedanken gemacht.
Das Zimmer von Clara Baldus (links) soll fliederfarben sein. Zusammen mit  Hannah Wolf hat sie im Kunstunterricht ein Modell der Wohnung entworfen, in der sie später gerne wohnen würde. Foto: Michael Faust Das Zimmer von Clara Baldus (links) soll fliederfarben sein. Zusammen mit Hannah Wolf hat sie im Kunstunterricht ein Modell der Wohnung entworfen, in der sie später gerne wohnen würde.
Sachsenhausen. 

„Ich mag fliederfarbene Wände. Das ist hell und freundlich“, sagt die blonde Clara Baldus (14) und zeigt in „ihr“ Schlafzimmer aus Pappe. „Ich finde das so schön, dass ich gerade sogar auch zu Hause meine Wände selbst so gestrichen habe“, schwärmt sie weiter. Im Modell, das sie mit zwei Mitschülern gebaut hat, finden sich große Fenster, durchsichtige Raumtrenner, eine große Uhr an der Wand, Bett, Schreibtisch und ein Swimmingpool im Garten für die Wohngemeinschaft (WG). „Ich möchte nicht alleine leben und finde es schön, wenn Menschen zusammen sind“, sagt Clara.

Sie und 23 weitere Schüler des Lessing-Gymnasiums in der Fürstenbergerstraße (Westend) haben ein Jahr lang im Kunstunterricht über Wohnraum nachgedacht. Sie waren in Museen und haben sich theoretisch mit sozialen Wohnungsbau und dem Leben vor 8000 Jahren beschäftigt. Die Ideen, wie sie später gerne wohnen würden, haben sie in Modelle einfließen lassen. Zu sehen sind die plastischen Ansichten noch bis einschließlich Sonntag, 11. Juni, im Museum Angewandte Kunst am Schaumainkai 17.

Playstation und Pflanzen

In Gruppen zu je drei Schüler haben die Achtklässler ihre WG entworfen – aus Pappe, Karton, Papier und Folien. Inspiriert von Fotos, den Räumen der Villa Metzler, Frankfurter Stadtansichten und ihrem eigenen Leben haben so offene Kamine, Laptops, Bücherregale, Sofas, Lampen, Playstations und Pflanzen ihren Platz in Wohlfühlatmosphäre gefunden.

Wasser als Abwechslung

Hannah Wolf (13) hat ein dreistöckiges Stockbett gebaut. „Ich nehme das oberste Bett, sonst habe ich Angst, dass die anderen auf mich stürzen. Außerdem habe ich von oben den besseren Überblick.“ Ein Spiegel vergrößert den Raum optisch, die Böden aller drei Räume sind aus dunklem Parkett, weil es „einheitlich ist und die Einheit unserer WG zeigt“. Im Garten plätschert ein Springbrunnen. „Das Wasser bringt Abwechslung rein“, meint Hannah.

Matthias Wagner, Direktor des Museums Angewandte Kunst, ist beeindruckt. Es sei toll, wie sich junge Leute mit dem Thema Wohnen auseinandersetzten. „Es beeindruckt mich, dass sie so viele Bücherregale eingebaut haben. Allen Gerüchten zum Trotz lesen sie wohl doch gerne und denken aktiv über Zukunft nach. Über das Wohnen alleine und über Wohnen mit anderen.“

Petra Stilper ist Kunst- und Informatiklehrerin am Lessing-Gymnasium. Sie hat gemeinsam mit Projektleitern ihre 8 a geduldig an das Thema herangeführt. „Es war nicht so leicht, sie zu motivieren. Aber je mehr die Schüler gehört und gesehen haben, je tiefer sie sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, desto größer wurde ihre Begeisterung. Die Klasse und auch ich haben einen erweiterten Blick auf Unterricht generell bekommen.“ Dem stimmt Claudia Landmann vom Elternbeirat zu: „Das ist ein großartiges Projekt. Lernen ist oft so kopflastig und hat wenig mit dem praktischen Leben zu tun. Unsere Kinder haben hier ein Stück weit in der Praxis gelernt, wie man Wohnen gestalten kann.“

Die Kinder sind stolz. Sie zeigen ihren Eltern, was ihnen wichtig ist und worauf ihre Mitschüler Wert legen. In der Architektur, bei der Ausstattung und beim Miteinander. „Nichts ist von der Stange und alle, die hier wohnen fühlen sich wohl“, ruft ein Schüler seiner Mutter zu.

Die Ausstellung „Wohnraum“ ist noch bis zum Sonntag im Foyer des Museums Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, zu sehen.

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