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Streik der Lokführer: Lokführerstreik: Wut und volle Straßen in Frankfurt

Von Der Streik der Lokführer hat gestern für Chaos im Frankfurter Berufsverkehr gesorgt – Verständnis hat niemand mehr.
Wer nicht mit dem Fahrrad unterwegs war, musste auf den Straßen rechts und links des Mainufers viel Geduld mitbringen. Foto: Christes Bilder > Wer nicht mit dem Fahrrad unterwegs war, musste auf den Straßen rechts und links des Mainufers viel Geduld mitbringen. Foto: Christes
Frankfurt.  Stoßstange an Stoßstange quälte sich gestern im Feierabendverkehr die Blechkarawane im Schneckentempo durch die Stadt. Alle Navigationsgeräte zeigten rote Schlangen an. Denn auf den Straßen ging nichts mehr. Alles stand still, auch rund um Frankfurt. Genervte Autofahrer saßen hupend und kopfschüttelnd hinter dem Steuer. Weil die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) zum viertägigen Streik bis Montag um vier Uhr aufgerufen hat, sind die Pendler und Frankfurter auf ihr Auto umgestiegen. Das Chaos auf den Straßen ging aber schon am Morgen los. Staus auf den Autobahnen. Auch die Einfallsstraßen waren stärker verstopft als üblich.

Kein Gedränge

Ruhig ging es da hingegen am Hauptbahnhof zu. Kein Gedränge am Bahnsteig. Keine Schlangen vor den Informationsschaltern. Nur vereinzelt hatten sich Reisende auf dem Bahnhof verirrt und suchten Rat bei den Servicemitarbeitern, die an kleinen Ständen mit einem iPad bereit standen, um Auskunft zu geben, wann der nächste Zug fährt. Denn still stand nicht der gesamte Verkehr. Jede Stunde fuhr eine S-Bahn. Außerdem wurden etwa ein Drittel der Fernzüge angeboten, auch einige Regionalbahnen fuhren.

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Der Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn eskaliert. Aktuell ist der längste Streik des Unternehmens im Gange. Insgesamt fünf Tage lang wollen die Lokführer die Arbeit niederlegen und erst Montagmorgen soll der normale Betrieb wieder aufgenommen werden. Fotos: dpa (17), Chris Christes (13), Rainer Rüffer (6), Sascha Braun (6)Tag 2 im Bahnstrreikt: Schon morgens gegen sieben Uhr staut sich am Freitag in Frankfurt der stadteinwärts fließende Verkehr auf der Friedberger Landstraße im Norden der Mainmetropole. Foto: Frank RumpenhorstNachdem das Arbeitsgericht Frankfurt der Einstweiligen Verfügung nicht stattgab, geht der Streik der Lokführer weiter.

Trost war das für die Reisenden nicht. Verständnis für den Ausstand brachte kaum jemand auf. Viele waren wütend wie Familie Fuchs aus Leipzig. „Seit zwei Tagen sind wir jetzt unterwegs“, sagte Erwin Fuchs. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula kam er gerade aus dem Urlaub in Südafrika. „Jetzt müssen wir hier sechs Stunden sitzen, bevor unser Zug in die Heimat geht. Da kann man kein Verständnis aufbringen“, so Erwin Fuchs. „Meine letzte Lohnerhöhung war vor zehn Jahren.“ Die GDL fordert im Tarifkonflikt mit der Bahn für die Beschäftigten mehr Geld sowie eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zuständig ist.

Container-Züge ausgebremst

Der Lokführer-Streik hat gestern auch die Frankfurter Container-Terminals erreicht. Wie zu hören war, hatten die Containerzüge zum Teil erhebliche Verspätung von drei bis vier Stunden.

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„Das ist ein Machtkampf zwischen zwei Gewerkschaften, der auf dem Rücken Unschuldiger ausgetragen wird“, sagte Klaus Peter Schmidt, der nach Berlin reisen wollte. Arrogant sei das Verhalten der Lokführer. „Eigentlich finde ich es gut, dass in Deutschland gestreikt werden darf, aber das ist unverhältnismäßig.“

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Der Lokführerstreik sorgt in Frankfurt für ein riesiges Verkehrschaos. In unserer Fotostrecke sehen Sie Bilder vom stotternden Berufsverkehr. Fotos: Christes, KraußGegen 18:00 Uhr kam der Verkehr in Frankfurt zum erliegen. Stau und verstopfte Straßen soweit die Anzeige reicht.An der Haltestelle Gartenstraße warteten über 100 . . .

Während die Servicemitarbeiter der Deutschen Bahn gut zu tun hatten und am Nachmittag zusätzlich Snacks und Getränke verteilten, standen die Taxifahrer vor dem Hauptbahnhof plaudernd mit ihren Kollegen zusammen, so wenig Fahrgäste hatten sie. „Es ist definitiv weniger los als sonst“, sagte einer von ihnen. Verständnis konnte er nicht aufbringen. „Nicht nur wir leiden darunter, auch die Menschen, die dringend zu Terminen müssen und jetzt nicht können. Das geht zu weit.“ Auch die Mitarbeiter der Shops am Hauptbahnhof hatten weniger zu tun, wie ein Tabakverkäufer und eine Sandwichverkäuferin bestätigten.

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Es ist der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn. Was meint eigentlich der Chef der DGB-Region Frankfurt-Rhein/Main, Harald Fiedler, dazu? FNP-Redakteur Thomas Remlein sprach mit ihm.

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Mehr Andrang herrschte an den Haltestellen der Fernbusse. Die Anbieter der Fernbusse sind wohl die einzigen, die sich über den Streik freuen. Sie setzen auf vielen Strecken zusätzliche Busse ein. Das Angebot nahmen auch Rainer und Sofia aus Offenbach an, die mit zwei großen Koffern auf dem Weg zu ihrer Hochzeit nach Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen sind und statt Zug nun Bus fahren. „Es ist unverschämt, dass 20 000 Menschen ein ganzes Land lahmlegen können. Zum ersten Mal in meinem Leben stehe ich auf der Seite der Bahn“, so Rainer.

Höhere Gewalt

Nicht begeistert von dem Streik zeigte sich auch Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der die S-Bahnen und Regionalzüge bei der Bahn bestellt. „Wir bezahlen nur das, was auch tatsächlich fährt.“ Rund eine Million Euro pro Tag zahle der Verbund normalerweise. Ungefähr zwei Drittel davon würden während des Streiks entfallen. Ringat fürchtet, dass der RMV unterm Strich dennoch einen Verlust macht. Denn es würden jeden Tag auch Einzelfahrscheine im Wert von rund einer Million Euro verkauft. Wegen des Streiks werde dieser Betrag erheblich sinken. Fahrgäste, die eine Zeitkarte haben, können nicht auf Entschädigung hoffen. „Ein Streik ist höhere Gewalt.“

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