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Luft für Ex-Terrorist dünner

Widersprüche und Erinnerungslücken: Mehrfach hat sich Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein (65) bei seiner Zeugenaussage im Frankfurter Prozess um das Opec-Attentat vor fast 40 Jahren korrigieren müssen.
Hans-Joachim Klein Hans-Joachim Klein
Frankfurt. 

Am vierten Tag seiner Zeugenvernehmung vor dem Landgericht wird die Luft für den früheren Terroristen Hans-Joachim Klein allmählich dünner. Immer wieder musste sich der 65-Jährige gestern berichtigen oder gar einen Irrtum bei einer früheren Vernehmung oder beim Abfassen seiner Lebensbiographie zugeben.

Jedes Wort auf Goldwaage

Für die wegen dreifachen Mordes angeklagte Sonja Suder (80) geht es in dem Prozess um viel – deshalb wird jedes Wort des Schlüsselzeugen vom Gericht, der Staatsanwaltschaft und ganz besonders der Verteidigung auf die Goldwaage gelegt. "Frau Vorsitzende, ich habe in meinem eigenen Prozess 2001 die Wahrheit gesagt", erklärte Klein mit fester Stimme auf die Frage von Richterin Bärbel Stock.

Damals hatte er gesagt, Sonja Suder habe im Dezember 1975 die Waffen für den Anschlag auf die Wiener Ölminister-Konferenz mit drei Toten geliefert. Das Gericht sprach ihm die Vorteile der Kronzeugen-Regelung zu und beließ es bei milden neun Jahren.

Ein Widerspruch ergab sich freilich schon damals. Zunächst behauptete Klein, von dem Waffentransport nur über einen Bekannten erfahren zu haben. Kurze Zeit später aber berichtigte er diese Aussage: Er habe Sonja Suder selbst in der Wohnung gesehen, die die Attentäter angemietet hatten. "Die Waffen lagen auf dem Tisch", sagte Klein auch am vergangenen Freitag. Auch Staatsanwalt Bernd Rauchhaus, an den gestern zum ersten Mal das Fragerecht übergegangen war, ertappte Klein bei zahlreichen Widersprüchen, die er teilweise auch aus der von Klein verfassten Lebensbiographie herleitete. Fast ein wenig störrisch entgegnete Klein immer wieder: "Dann muss ich mich damals halt geirrt haben." Oder: "Wissen Sie, das alles ist fast 40 Jahre her. Das hat man teilweise verdrängt."

Um so überraschender war allerdings der Umstand, dass sich Klein noch an kleinste Kleinigkeiten aus dem Gebäude erinnern konnte, in dem der Anschlag im Dezember 1975 stattgefunden hatte. Er wusste, welche Treppen man hinauf- oder hinabgegangen sei, wo die Teeküche untergebracht war und ob die Empfangsdame telefonierte oder nicht. Diese Frau muss übrigens wenig schreckhaft gewesen sein. Obwohl er ihr den Telefonapparat aus der Hand geschlagen habe, habe sie sich unbeeindruckt um eine neue Telefonverbindung bemüht. Fast eine halbe Stunde verbrachten die Verfahrensbeteiligten rund um den Richtertisch, wo Skizzen der Örtlichkeiten eingesehen und besprochen wurden.

Weitere Vernehmungen

Am kommenden Freitag wird die Befragung fortgesetzt. Schon in der vergangenen Woche waren von der Schwurgerichtskammer vier weitere Vernehmungstermine mit Klein festgesetzt worden. Der Hotelaufenthalt des in Nordfrankreich wohnenden Ex-Terroristen musste entsprechend bis Mitte Februar verlängert werden. ge

(Matthias Gerhart)
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