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Protest von Fluglärm-Aktivisten: Lufthansa fehlen Anreize für weniger Lärm

Während Lufthansa stolz auf den neuen Airbus A 320 neo ist, kritisieren die Fluglärmgegner, dass die Maschinen ohne GBAS-Empfänger ausgestattet sind.
Jüngst hat Lufthansa den ersten Airbus A 320 neo übernommen, der leiser und emissionsärmer sein soll. Doch den Bürgerinitiativen fehlt ein Gerät in der Ausstattung, das den Anflug leiser macht. Foto: Oliver Roesler Jüngst hat Lufthansa den ersten Airbus A 320 neo übernommen, der leiser und emissionsärmer sein soll. Doch den Bürgerinitiativen fehlt ein Gerät in der Ausstattung, das den Anflug leiser macht.
Frankfurt. 

Stolz hat Lufthansa dieser Tage verkündet, dass der erste Airbus A 320 neo in Frankfurt gelandet ist. Er soll dank neuer Triebwerke und einer verbesserten Aerodynamik um rund 50 Prozent leiser sein im Vergleich zum herkömmlichen A 320 sowie 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Vorstandschef Carsten Spohr kommentierte dies mit den Worten: „Wir stellen unter Beweis, dass wir bei der Entwicklung und Einführung von technischen Innovationen als Aviation-Konzern Vorreiter sind.“

„Nichts passiert“

Bei solchen Aussagen mögen sich die Fluglärmgegner im Frankfurter Süden am liebsten die Ohren zuhalten. Für sie ist Lufthansa ganz und gar nicht technisch innovativ, sind die neuen Maschinen doch nicht mit den sogenannten GBAS-Endgeräten ausgestattet. „Das ist sehr enttäuschend“, sagt Klaus Rehnig von der Sachsenhäuser Bürgerinitiative „Stop Fluglärm“. Seit Jahren werde den Bürgern versprochen, dass das System eingeführt werde. „Aber nichts passiert.“

GBAS steht für „Ground Based Augmentation System“. Mit dieser satellitengestützten Präzisionsanflughilfe ist es möglich, dass landende Maschinen dicht besiedelte Wohngebiete quasi umkurven und sich überdies dem Flughafen noch steiler – und somit leiser – nähern. Dafür hat Fraport eigens im September 2014 eine GBAS-Bodenstation mit großem Tamtam in Betrieb genommen. Das Prinzip ist einfach: Da die GPS-Satelliten zu ungenau sind, muss deren Signal nachjustiert werden. Dazu gleicht die Bodenstation ihre von den Satelliten ermittelte Position mit der fest einprogrammierten ab. Die Abweichung übermittelt sie an die Flugzeuge, die damit ihren Kurs fast zentimetergenau einhalten können. Fünf Millionen Euro hat die Bodenstation den Flughafenbetreiber gekostet. Doch wirklich genutzt wird sie seitdem nicht.

„Es gibt noch zu wenige Flugzeuge, die mit den Transpondern ausgestattet sind“, sagt Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die starke Frequenz am Airport mache es den Lotsen nicht möglich, die Maschinen zwischen GBAS und dem herkömmlichen Instrumentenlandesystem (ILS) wechseln zu lassen. Dennoch sei die Investition in die Bodenstation richtig gewesen. „Irgendwann wird der gekrümmte Anflug möglich sein, wenn alle Flugzeuge ausgerüstet sind“, so Raab. Dennoch will die DFS ab dem kommenden Jahr einführen, dass nicht nur die Nordwest-Landebahn, sondern auch die Südbahn im Gleitwinkel von 3,2 statt bisher 3,0 Grad angeflogen werden kann. „Das werden aber nur die ausgerüsteten Flugzeuge machen können.“ Umso erfreulicher wäre es gewesen, wenn Lufthansa die GBAS-Empfänger in den neuen Maschinen aktiviert hätte.

Druck auf Politik fehlt

Doch die Airline, die den Großteil der in Frankfurt startenden und landenden Flugzeuge ausmacht, sieht dafür noch keinen Grund. „Für die Aktivierung der Endgeräte müssten wir einen Millionenbetrag aufbringen“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Das mache aber nur Sinn, wenn das System auch angewandt wird. „Sobald die Geräte verpflichtend werden und wir einen finanziellen Anreiz haben, werden wir das tun.“ Sprich: Wenn die GBAS-fähigen Flugzeuge auch bei den Lärmentgelten berücksichtigt werden. Das ist bisher noch nicht der Fall. Einen Vorstoß in diese Richtung hat es seitens von Fraport allerdings schon gegeben. In dem Antrag auf Anhebung der Flughafenentgelte für das Jahr 2016 sollten GBAS-fähige Flugzeuge beim Landen günstiger werden. Doch der Antrag wurde zurückgezogen. Man konnte sich mit dem Verkehrsministerium nicht einigen. Ein neuer Antrag – für 2017 – wird derzeit ausgearbeitet. Ein Fraport-Sprecher sagt: „Wir wollen weiterhin Anreize schaffen, dass Airlines leisere Flugzeuge einsetzen.“

Für Klaus Rehnig steht jedoch fest: „Die Politik muss mehr Druck auf die Airlines ausüben, damit sie ihre Flugzeuge ausrüsten.“ (jlo)

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