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Seine Hände sind Gold wert: Eintracht-Torwart Lukas Hradecky hat einen großen Anteil daran, dass die SGE zum Pokal-Finale nach Berlin fahren wird. Foto: Christian Christes Seine Hände sind Gold wert: Eintracht-Torwart Lukas Hradecky hat einen großen Anteil daran, dass die SGE zum Pokal-Finale nach Berlin fahren wird.

Es rührt ihn an, zu hören, dass es ein schönes Bild war, ihn einmal nach dem Training mit der Sporttasche auf einem Mäuerchen am Stadion sitzen zu sehen, wo er auf seinen Vater Vlado wartete. „Das ist doch normal. Wenn mich mein Papa in Frankfurt besucht, holt er mich gern mal ab.“ Ansonsten fährt Hradecky nach dem Training – in einer normalen Woche sind das rund sieben Einheiten à zwei Stunden, dazu Krafttraining und Training auf Spinning-Bikes – selbst mit dem Auto zu seiner Wohnung am Sachsenhäuser Mainufer. Dort wartet Besuch, Freunde aus Finnland. „Wir wollen bummeln“.

Sportjournalisten schätzen ihn, ist er doch kein Glattgebügelter. „Ich sage immer offen meine Meinung.“ Auch nach einem erfolglosen Kick? „Nach einem verlorenen Spiel vor die Kameras zu treten, ist für niemanden schön, da reißt sich keiner drum. Aber das gehört dazu. Ich hab’ schon viel erlebt. In Dänemark habe ich mit der Mannschaft viel verloren, viel gewonnen. Dann war hier in Frankfurt 2016 der Abstiegskampf – keine leichte Zeit.“ Doch er sieht das Gute darin: „Ein Mensch entwickelt sich, wenn er nicht in seiner Komfortzone ist. Da zeigt sich, wie man wirklich gestrickt ist.“ Und: „Ich glaube, dass man sich selbst nicht richtig kennt, bevor man nicht eine Herausforderung erlebt hat.“

Bilderstrecke Eintracht: Wer könnte Hradecky-Nachfolger werden?
Keeper Lukas Hradecky führt aktuell Gespräche mit der Eintracht, bei denen es darum geht, seinen noch bis 2018 laufenden Vertrag zu verlängern. Sollte eine Ausdehnung des Arbeitspapiers nicht klappen, wird der Torhüter die SGE wohl im Sommer verlassen. Doch wer könnte sein Nachfolger werden im Kasten der Adler? Wir haben mal etwas spekuliert und einige Kandidaten in unserer Bildergalerie aufgelistet.<b>Alexander Schwolow (SC Freiburg)</b></br></br>
Der Stammtorhüter der Freiburger ist ein gefragter Mann auf dem Transfermarkt. Er wird den Verein aber nur wechseln, wenn er als neue Nummer eins verpflichtet wird. Schwolow spielt eine starke Saison in Freiburg und hat einen großen Anteil am sechsten Tabellenplatz der Breisgauer.<b>Koen Casteels (VfL Wolfsburg)</b></br></br>
Der Belgier vertritt aktuell Diego Benaglio zwischen den Pfosten, nachdem er seinen Stammplatz, den er zu Beginn der Saison hatte, nach dem achten Spieltag an den Schweizer verloren hatte. Seine Leistungen waren zu Beginn der Spielzeit stärker. Die letzten Spiele zeigte er solide, aber keinesfalls überragende Spiele. Fraglich, ob Wolfsburg ihn ziehen lässt, da der verletzte Benaglio auch schon 33 ist und Casteels eventuell als sein Nachfolger eingeplant ist.

Seinen Beruf nimmt er trotz aller Lockerheit sehr ernst, was auch eine Verkörperung der finnischen Nationaltugend „Sisu“ ist, übersetzbar mit Beharrlichkeit oder Ausdauer. Er ist ehrgeizig, kommunizierte immer, dass er in der Europa- und Champions League mitmischen will. Er spielt mit dem Kaffeebecher. Seine Hände sind erstaunlich zart. Ein Muskelpaket ist er nicht. „Ich werde oft gefragt, warum ich nicht kräftiger bin. In Dänemark wollten sie, dass ich mehr Muskulatur aufbaue. Aber das macht mich langsamer. Ich mag den Kraftraum nicht. Wichtig ist, viel Stabilitätstraining zu machen.“

Hartes Training

Sein Verhältnis zum Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz, der einen Schuss wie ein Gaul hat, nennt Hradecky „sehr gut“. Schindet dieser ihn? „Klar“, sagt er und malt eine Trainingssituation auf ein Stück Papier. Eingekesselt von Hürden steht er vorm Kasten bis „Moppes“ brüllt, wohin er springen soll und schießt. Das ist koordinatives Training. „Mit ihm verbringe ich die meiste Zeit. Er ist so etwas wie mein deutscher Vater. Wir mögen uns. Für die Zusammenarbeit ist das sehr wichtig.“ Umgekehrt sagte „Moppes“ über Hradecky einmal: „Er ist ein sehr offener und lebensfroher Mensch, als Sportler aber unglaublich ehrgeizig. Er hat vom ersten Tag in der Bundesliga alles aufgesaugt.“ Und Sportmanager Bruno Hübner lobt: „Lukas besitzt alle Merkmale eines modernen Torhüters. Er ist reaktionsschnell, hat eine gute Übersicht und ein sicheres Passspiel.“ Entdeckt wurde Hradecky von Bernd Legien, Chef der Scouting-Abteilung der SGE. Einen großen Anteil am Transfer hatte auch Ex-Trainer Armin Veh. Stundenlang schaute er sich die möglichen Nachfolgekandidaten für Trapp auf Video oder im Stadion an. „Lukas war der Beste“, sagte Veh, „ich wollte ihn unbedingt.“

Hierzulande ist Hradecky bekannter als in seiner finnischen Heimat, obwohl er Nationaltorwart ist. „Tja, da ist Eishockey die populärste Mannschaftssportart“, erzählt er, „Aber dafür kann ich dort unerkannt rumlaufen. Das gefällt mir“. Vor seinem Engagement am Main spielte er in der dänischen Superliga bei Bröndby und Esbjerg. „Das war okay, aber es war schon immer mein Traum, irgendwann mal in der deutschen Bundesliga zu spielen.“ Schon als er als „No Name“ an den Main wechselte, sagte er: „Ich möchte, dass die Leute in Deutschland sagen: Eintracht Frankfurt hat einen guten Torwart.“ Er erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen schnell, wird fast aus dem Stand Stammtorhüter. Manager Bruno Hübner nannte ihn bald die „Lebensversicherung“ des Klubs, nachdem die Eintracht die Klasse erst nach den beiden gewonnenen Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg halten konnte. Nach nur einem Jahr in Frankfurt zeigte Hradecky, der aufgrund seiner Spannweite und reaktionsschnellen Hechtsprünge bald „Die Spinne“ oder „Der fliegende Finne“ hieß, dass er bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Da galt er längst als der Motivator im Team.

Seine Bescheidenheit verdankt er seinen Eltern und der Erziehung. „Ich hab’ mich nicht verändert, auch wenn ich inzwischen mehr Geld verdiene. Für meine Kumpels bin ich der gleiche Lukas“.

Bilderstrecke Eintracht-Torhüter: Die fliegenden Frankfurter
Lukas Hradecky ist die aktuelle Nummer 1 im Kasten der Eintracht. Der finnische Neuzugang spielte eine starke Hinrunde und wurde direkt zum Leistungsträger. In ihrer langen Geschichte hatte die Eintracht viele Torhüter in ihren Reihen. Nur wenige davon waren so unangefochten wie Hradecky jetzt.. Deswegen gab es oftmals Rangkämpfe um die Nummer 1, wie zwischen Nikolov und Pröll, Kunter und Wienhold und Pahl und Jüriens. Wir stellen euch die Keeper der SGE vor.Lukas Hradecky: Die aktuelle Nummer 1 der Eintracht kam vor der Saison 2015/16 aus Dänemark, von Bröndby Kopenhagen, nach Hessen. Von Anfang an zeigte der finnische Nationaltorhüter klasse Leistungen und wurde für die Eintracht unverzichtbar.Uli Stein: Die Frankfurter Torwart-Ikone schlechthin: Niemals in ihrer langen Geschichte hatten die Hessen einen besseren Keeper. Hatte von 1987 bis 1994 den Platz zwischen den Pfosten inne und brachte es dabei auf 224 Einsätze. Holte 1988 mit den Hessen den DFB-Pokal in die Mainmetropole. Er war . . .

Er kommt am 24. November 1989 in Bratislava in der damals kommunistischen Tschechoslowakei zur Welt, seine Eltern Vlado und Brigita sind Ingenieure. Noch bevor 1993 die demokratische Republik Slowakei aus dem Heimatstaat entsteht, zieht die Familie in die südfinnische Großstadt Turku. „Wir hatten nicht viel. Aber wir waren viele Kinder in der Wohnsiedlung, haben immer draußen gespielt. Ständig waren die Klamotten dreckig. Ist ja heute noch so . . .“ sagt er und lächelt. Sein Vater spielt bis zum 35. Lebensjahr neben dem Job professionell Volleyball.

Drei Brüder am Ball

In Turku kommen Lukas’ Brüder Tomás 1992 und Matey 1995 zur Welt. Die Eltern und die Brüder leben noch heute dort. Die Mutter ist noch immer berufstätig, „weil es ihr Spaß macht. Sie ist der einzige normale Mensch in dieser verrückten Familie“, sagt Hradecky. Auch die Brüder kicken professionell. Der jüngste hat sich jedoch kürzlich verletzt, spielt derzeit nicht in der Nationalmannschaft. „Meine Mutter hat zwei Lieblingsteams: Eintracht Frankfurt und SJK Seinajoki, wo meine Brüder spielen.“ Dann feixt er: „Ich bin stolz darauf, in der Slowakei geboren zu sein. Dadurch bin ich nämlich ein bisschen anders als all’ die anderen langweiligen Finnen . . .“ Seine Großmütter, 74 und 75 Jahre alt, leben in Bratislava. Er besucht sie mindestens einmal im Jahr.

Wie empfindet Hradecky die Welt des Profifußballs, wo doch bei manchen Spielern reziprok zum Grad der Berühmtheit und der Höhe des Salärs die Allüren wachsen? „Ja, vielleicht kriegen manche zu früh zu viel. Ich bin aber höflich.“ Würde er einen Aufschneider zurechtweisen? „Nein, nie. Man kann die Leute nicht verändern, sie sind wie sie sind. Ich muss nicht alle respektieren, aber ich gebe jedem eine Chance.“ Dann sagt er: „Aber wenn mich jemand verarscht, muss ich darüber nochmal nachdenken.“ Sein Erfolg ist für ihn nicht selbstverständlich. Und so ist er noch heute manchmal „irritiert“, wenn viele Fans nach einem Training ein Autogramm von ihm möchten. „Aber das bedeutet ihnen viel, und das gehört zu unserer Arbeit. Auch dafür werden wir gut bezahlt.“

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