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Integrierte Gesamtschule West: „Macht Stimmung für eure Themen“

Von Politikunterricht mal anders: Bei einer Podiumsdiskussion mit Jungpolitikern aus Frankfurt erlebten die Schüler der IGS West spannende Erkenntnisse über die Parteienlandschaft. Das eigene Wahlergebnis sorgt am Ende für Überraschungen.
Auf dem Podium mit dem Mikrofon: Lino Leudesdorff (Jusos, links), Katharina Schreiner (Julis, daneben), Kevin Bornath (Junge Union) und Malena Todt (Junge Grüne) stehen den Schülern Rede und Antwort. Foto: Maik Reuß Auf dem Podium mit dem Mikrofon: Lino Leudesdorff (Jusos, links), Katharina Schreiner (Julis, daneben), Kevin Bornath (Junge Union) und Malena Todt (Junge Grüne) stehen den Schülern Rede und Antwort.
Höchst. 

Schon Minuten vor dem Beginn wollen die ersten Schüler in die Aula der Integrierten Gesamtschule (IGS) West. Die Neugier ist groß und die Vorfreude ist es auch. Als die Lehrer schließlich die Türen öffnen, stürmen 350 Schülerinnen und Schüler in atemberaubender Geschwindigkeit durch die Stuhlreihen des Saals. Das Gemurmel ist groß, doch die Politiker geben ihr Bestes, um die Schüler der überwiegend siebten bis zehnten Klasse von sich zu überzeugen.

Vier Parteien dabei

Allesamt sind sie zu jung, um bei der Bundestagswahl ihr Kreuzchen machen zu dürfen. Zum Trost dürfen sie am Ende der Diskussion über den Sieger des verbalen Schlagabtauschs abstimmen. Zur Wahl stehen an diesem Tag Lino Leudesdorff (Jusos), Malena Todt (Junge Grüne), Kevin Bornath (JU) und Katharina Schreiner (Julis), die gleichzeitig FDP-Bundestagskandidatin im Wahlkreis 183 ist.

Auch die Linksjugend habe man eingeladen, dies sei jedoch ohne Reaktion geblieben, erzählt Lehrer Kenny Geiß. Er leitet den Fachbereich Gesellschaftslehre und hat die Veranstaltung zusammen mit Laura Schiller und Florian Zink von der Jugendhilfe der Caritas sowie einigen Schülern der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ konzeptioniert.

Um die Schüler abzuholen, beginnt Moderator Marcus Schult mit einer kleinen Umfrage: „Welches Datum ist euch wichtiger: Der 24. September oder der 9. Oktober?“ Eine beeindruckende Mehrheit wählt den 24. September. Schult: „Der Wahltag ist euch also deutlich wichtiger als der erste Tag der Herbstferien.“

<span></span> Bild-Zoom Foto: Maik Reuß

Die anschließende Diskussion dreht sich im Wesentlichen um die beiden Themenfelder Bildungs- und Flüchtlingspolitik. Inhaltliche Überraschungen gibt es dabei keine, doch die Schüler lauschen gespannt, um Unterschiede in den einzelnen Standpunkten der Parteien zu erkennen. Immer wieder betonen die vier Politiker, wie wichtig es sei, dass sich auch die Jugend in Debatten einklinkt: „Ihr seid die wahren Experten in der Schulpolitik“, lobt Schreiner und Todt motiviert: „Politik geschieht nicht nur am Wahltag, ihr könnt jeden Tag für eure Themen Stimmung machen.“

Das nehmen die Schüler wörtlich: So bricht in der Fragerunde Unruhe aus. Etliche Schüler wollen eine Frage loswerden. Vor allem die Themen Rassismus und Integration liegen ihnen auf den Herzen. Lino Leudesdorff zeigt sich dabei besonders anekdotisch. Er erzählt von einem Experiment, das zeigte, wie Lehrer Schüler mit ausländisch klingenden Namen schlechter bewerteten; skizziert, dass Rassismus häufig dort auftritt, wo auffallend wenige Migranten leben und erzählt von seinem Geschichtsbuch aus der zehnten Klasse, das aus demselben Jahr stammte, in dem seine Mutter ihren Abschluss gemacht hatte.

Als Leudesdorff auf die Frage, was die vier zum G 20-Gipfel sagen, die aus seiner Sicht eskalationsbereite Polizei kritisiert, platzt Katharina Schreiner der Kragen. Das Publikum ist von diesem Schlagabtausch begeistert und applaudiert. Nur mit Mühe kann Schult die tobende Masse beruhigen. Zum Glück nehmen sich die vier Diskutanten im Anschluss noch ausreichend Zeit, um am Bühnenrand mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

Jugend fordert Wahlrecht

„Gäbe es diese Veranstaltung noch mal, ich würde wieder hingehen“, erzählt die zwölfjährige Laura. So loben die Schüler vor allem, dass die Diskussion auf Augenhöhe geführt wurde und alle – trotz einiger Fachbegriffe – gut folgen konnten. Dass sie noch einige Jahre warten müssen, bis sie wählen dürfen, dafür haben die Schüler kein Verständnis: „Ja, natürlich würde ich wählen“, betont die 15-jährige Ikram entschlossen.

Dass ein Wahlrecht für Jüngere die gewohnten Mehrheitsverhältnisse gehörig durcheinanderbringen könnte, zeigt das Abschlussergebnis. Mit 48,5 Prozent geht der junge Sozialdemokrat Leudesdorff als Sieger hervor. Den zweiten Platz teilen sich mit 19,5 Prozent die beiden Damen der grünen und liberalen Fraktion. CDU-Junior Kevin Bornath wird mit seinem Ergebnis eher nicht gut und gerne leben können, er kommt auf 8,1 Prozent.

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