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Marcus Oberlininger hat Traumjob gefunden: Mädchen für alles im kleinsten Freibad

Marcus Oberlininger ist Schwimmmeister in Frankfurts kleinstem Freibad in Nieder-Eschbach. Seine Aufgaben und Erlebnisse dort sind vielfältig. Um sein Berufsziel zu erreichen, musste er jedoch zuerst Vorbehalte seiner Mutter widerlegen.
Schwimmmeister Marcus Oberlininger muss im Freibad öfter auch mal kassieren. Der Badebetrieb ist letztlich nur möglich, weil die ehrenamtlichen Aktiven der DLRG öfter aushelfen. Schwimmmeister Marcus Oberlininger muss im Freibad öfter auch mal kassieren. Der Badebetrieb ist letztlich nur möglich, weil die ehrenamtlichen Aktiven der DLRG öfter aushelfen.
Nieder-Eschbach. 

Die ersten Gäste des Tages kommen zum Trinken. Im Sturzflug schießen sie aus sieben Metern Höhe in Richtung Becken, tauchen mit ihren Schnäbeln ins Wasser und drehen wieder ab. Marcus Oberlininger genießt das Naturschauspiel fast jeden Morgen – und staunt dennoch immer wieder aufs Neue über den durstigen Schwalbenschwarm. „Zu Dienstbeginn hat hier noch ein Graureiher am Beckenrand gesessen“, erzählt er und schwärmt, dass er die Idylle kurz nach dem Sonnenaufgang meist alleine genießen könne.

Christel Knerndel schätzt den Schwimmmeister für klare Worte. Bild-Zoom
Christel Knerndel schätzt den Schwimmmeister für klare Worte.

Die ersten zahlenden Gäste erwartet Oberlininger erst ab 10 Uhr. Dem Schwimmmeister des Nieder-Eschbacher Freibades bleibt bis dahin genug Zeit für die tägliche Routine: Rundgang, Kontrolle der Chlorwerte, den automatischen Beckensauger ins Wasser lassen. Die Mülleimer hat er in weiser Voraussicht schon am Vorabend geleert. „Nächtliche Besucher werfen sie manchmal ins Becken. Dieser Sauerei kann man vorbeugen“. Seit 13 Jahren ist er Schwimmmeister im Nieder-Eschbacher Freibad. Kein Bademeister, wie er betont: „Die lassen Heilbäder ein“. Sein Aufgabengebiet sei viel komplexer.

Dass dem so ist, wollte selbst seine Mutter zuerst nicht verstehen. Sie verwehrte ihrem Sohn zuerst den ersehnten Ausbildungsberuf. „Sie fand, Schwimmmeister sei ein langweiliger Beruf für dumme Leute, die nichts tun, außer halbnackten Frauen hinterher zu starren“, erinnert sich der 39-Jährige. Er fügte sich, ließ sich seiner Mutter zuliebe erst zum Karosserie- und Fahrzeugbauer ausbilden. Doch nachdem die Mutter sich von ihrer Cousine von der Vielfalt des Traumberufs ihres Sohnes überzeugen ließ, begann er im Jahr 1998 als Aushilfe im Rebstockbad. Nur wenige Monate später startete er seine Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetriebe bei der Stadt Frankfurt. Er sammelte Erfahrungen in sämtlichen Frankfurter Schwimmbädern und blieb ab dem Jahr 2004 im kleinsten Freibad hängen.

DRLG unterstützt ihn

Dort geht der Mittwochmorgen für Oberlininger ruhig los. Drei Schwimmerinnen im Rentenalter stehen pünktlich wie immer um 10 Uhr an der Kasse. „Marcus“, wie die drei den Schwimmmeister nennen, verkauft die Karten selbst. Manchmal ist er das „Mädchen für alles“ auf dem von alten Trauerweiden geprägten Areal am östlichen Ortsrand. Unterstützt wird er von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), ohne deren Hilfe der Badebetrieb vermutlich längst eingestellt worden wäre.

Bevor die ersten Gäste ins Nieder-Eschbacher Freibad strömen, muss Marcus Oberlininger den Beckensauger einsetzen. Bild-Zoom
Bevor die ersten Gäste ins Nieder-Eschbacher Freibad strömen, muss Marcus Oberlininger den Beckensauger einsetzen.

Seine Mitarbeit bei der DLRG weckte die Lust auf den Beruf des Schwimmmeisters: Er wuchs in Schwalbach im Taunus auf, half dort im Freibad als 16-Jähriger bei der Badeaufsicht aus. Dass dort keine „Baywatch“-Romantik aufkam und seine heikelsten Einsätze das Verarzten von Bienenstichen waren, schreckte ihn nicht. Inzwischen ist Oberlininger Angestellter der zu den Stadtwerken gehörenden Bäderbetriebe Frankfurt.

Der Schwimmmeister hat fast alles erlebt, was ein Schwimmmeister erleben kann: Er hat einen Zweieinhalbjährigen reanimiert und somit das Leben gerettet, sich von Eltern, alten Damen und Familienclans manchmal anfauchen lassen und das Schwimmbad einmal aufgrund von austretendem Chlor evakuieren müssen. „Einmal habe ich sogar frühmorgens ein Liebespärchen erwischt, das im Wasser Spaß hatte“, sagt er schmunzelnd. Und nimmt es gelassen, dass er nicht der Einzige ist, der das Freibad hin und wieder ganz für sich alleine hat ...

Nach all den Jahren im Freibad hat Oberlininger ein Gespür entwickelt für die Befindlichkeiten der Nieder-Eschbacher. Er kennt viele beim Vornamen, ihre Geschichten, hat ein offenes Ohr für seine – meist pflegeleichten – Gäste. Das wird auch noch lange so bleiben, wenn es nach ihm geht. „Ich habe Spaß an meinem Beruf und nicht vor, etwas anderes zu machen. Warum auch?“, sagt er. Der Job biete eine Mischung aus Wasseraufseher, Lebensretter, Handwerker, Gastronom und Chemielaborant und sei somit „extrem abwechslungsreich“.

Aufstieg erwünscht

Aber weiter aufsteigen innerhalb der Bäderbetriebe, das möchte Marcus Oberlininger schon. „In die Betriebsleitung vielleicht“, sagt er. Bis dahin sorgen die Schwalben und der Graureiher dafür, dass keine Langeweile aufkommt, wenn er dann doch einmal einen kurzen Moment der Ruhe hat.

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