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Verfahrenseinstellung nach Tierqäulerei-Vorwurf: Mäusejagd mit Klebefallen: Gastwirt zahlt 250 Euro an Tierschutzvereinigung

Er ließ in seinem Lokal drei Mäuse auf Klebefallen jämmerlich verenden, dafür muss ein Gastwirt nun 250 Euro an eine Tierschutzvereinigung zahlen. Im Gegenzug wurde das Strafverfahren gegen den 51-Jährigen gestern vor dem Amtsgericht Frankfurt eingestellt.
Das Verfahren wegen Tierquälerei gegen einen Gastwirt wurde eingestellt. Das Verfahren wegen Tierquälerei gegen einen Gastwirt wurde eingestellt.
Frankfurt. 

Bäckereien, Metzgereien und Gaststätten ohne Mäuse – das gibt es kaum. Die Telefonnummer des Kammerjägers dürfte im Adressbuch eines Gastwirts deshalb immer ganz oben stehen. Die Schädlingsbekämpfung, die im Frühjahr dieses Jahres von einem solchen Fachmann in der Küche eines Lokals an der Berger Straße (Bornheim) vorgenommen wurde, brachte aber nicht den erwünschten Erfolg. Bald nach seinem Besuch zeigten sich erneut die grauen Nager in der Vorratskammer.

Irgendjemandem in dem Haus muss es daraufhin gereicht haben. Jetzt wurden den Tierchen harte Bandagen angelegt. Eine Klebefalle führte zum qualvollen Tod dreier Mäuse, die – durch den Klebstoff bewegungsunfähig geworden – einen mehrtägigen Todeskampf durchmachen mussten und am Ende jämmerlich verdursteten.

Verdacht auf Tierquälerei

Am 18. Mai wurden die Mäusekadaver bei einer amtlichen Untersuchung der Räumlichkeiten sichergestellt. Eine Tiermedizinerin erstellte ein entsprechendes Gutachten und kam zu dem Schluss, dass hier der Verdacht auf Tierquälerei vorliege. Auch wenn es sich bei Mäusen um lästige Schädlinge handele, müsse für sie als Wirbeltiere doch auch der gesetzliche Schutz gelten. Die Sache gelangte zur Staatsanwaltschaft, die beim Amtsgericht gegen den 51 Jahre alten italienischen Gastwirt einen Strafbefehl über 2500 Euro Geldstrafe (50 Tagessätze) erwirkte.

Dieser fühlte sich jedoch zu Unrecht als Tierquäler bezichtigt und legte Einspruch gegen den Gerichtsbescheid ein. Er sei nur dann und wann zum Kontrollgang in das Restaurant gekommen und habe von den zweifelhaften Bekämpfungsmethoden nichts mitbekommen. Im Gegenteil: Zwei Mal seien unterschiedliche Kammerjäger-Firmen in seinen Räumlichkeiten gewesen. Wahrscheinlich gehe der Klebefallen-Einsatz auf das Konto des Hausmeisters, der auch Zutritt zu den Räumlichkeiten der Gaststätte habe.

Amtsrichterin Maren Rohmeyer runzelte gestern beim Verfahren die Stirn: Wolle man den Fall tatsächlich aufklären, müsse der Hausmeister in den Zeugenstand. Wenn er sich mit seiner Aussage aber selbst einer Straftat bezichtigen müsste, stehe ihm das Recht zu, die Aussage zu verweigern, und man sei bei der Wahrheitsfindung wieder soweit wie bisher. Die Richterin schlug den Prozessparteien eine pragmatische Lösung der Angelegenheit vor: Verfahrenseinstellung und 250 Euro Geldauflage an eine Tierschutzvereinigung.

Was ist mit Katzen?

Damit wurde der Fall schließlich abgeschlossen. Trotz des recht günstigen Verfahrensausgangs für seinen Mandanten ereiferte sich am Ende noch sein Verteidiger: „Wenn so etwas schon strafrechtlich geahndet werde, was ist dann mit drei Millionen Katzenhaltern in Deutschland, deren Tiere auf Mäusejagd gehen?“ Müssten die etwa ihren Katzen noch lebende Mäuse aus dem Maul reißen? Eine Antwort auf diese Fragen erhielt er allerdings nicht mehr.

(ge)

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