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Magistrat dreht Gaslaternen ab

Von Rund 5500 gasbetriebene Straßenlampen gibt es noch in Frankfurt. Doch ihre Zeit geht zu Ende. In den nächsten zwölf Jahren werden sie für 58 Millionen Euro durch elektrische Leuchten ersetzt. Nur etwa 1400 Laternen werden so umgerüstet, dass man den Unterschied nicht merkt.
Frankfurt. 
Für moderne EU-Richtlinien ist das Licht der Gaslaternen im Dichterviertel und anderswo in der Stadt zu dunkel. Gaslicht-Fans hingegen halten den warmen, gelben Schein für unersetzlich.	Foto: Bernd Kammerer Bild-Zoom
Für moderne EU-Richtlinien ist das Licht der Gaslaternen im Dichterviertel und anderswo in der Stadt zu dunkel. Gaslicht-Fans hingegen halten den warmen, gelben Schein für unersetzlich. Foto: Bernd Kammerer
Für viele Bürger gehören die alten Gaslaternen mit ihrem warmen Licht einfach zum Stadtbild. Als sie vor einigen Jahren abgeschafft werden sollten, formierte sich Protest. Mit Erfolg: 2009 entschied das Stadtparlament auf Antrag der CDU, erst einmal alles beim Alten zu lassen. Nach wie vor gibt es in der Stadt 5500 Gaslaternen, die aber gegenüber den 60 000 elektrischen Leuchten deutlich in der Minderheit sind.

Jetzt unternimmt die Stadt einen neuen Anlauf, die Gaslaternen zu ersetzen. Denn es besteht Handlungsdruck: Für die in den 50er und 60er Jahren installierten Lampen gibt es kaum noch Ersatzteile, die zudem teuer sind. Außerdem sind viele Masten nicht mehr standsicher, bis 2025 müssen 90 Prozent ersetzt werden. Doch in die alte Technik zu investieren, ist nach Ansicht des Verkehrsdezernats unwirtschaftlich. „Ich kann nicht verantworten, dass wir als Stadt 30 Millionen Euro in eine Technik investieren, die nicht zukunftssicher ist“, erklärte gestern Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne).

 

Vier mal so teuer

 

Für eine elektrische Leuchte werden 95 Euro Energiekosten pro Jahr veranschlagt – für eine Gaslampe hingegen 404 Euro bei geringerer Lichtausbeute. „Das ist eine hochgradige Verschwendung von Ressourcen“, meint Majer. Hinzu kommen die Unterhaltungskosten, die bei Gaslampen (259 Euro pro Jahr) mehr als vier Mal so hoch sind wie bei strombetriebenen Leuchten. Das liegt auch daran, dass die Gaslaternen deutlich anfälliger für Störungen sind. Unklar ist, ob die radioaktiven Glühstrümpfe künftig überhaupt noch eingesetzt werden dürfen.

Aus diesen Gründen hat der Magistrat gestern beschlossen, die Gaslaternen in den nächsten Jahren komplett zu ersetzen. Es sollen künftig keine zwei verschiedenen Systeme nebeneinander betrieben werden. Majer ist überzeugt, dass die Pläne jetzt auf mehr Akzeptanz stoßen als noch vor einigen Jahren. Denn mittlerweile habe sich die Technik weiterentwickelt, sagt er. Es gebe heute LED-Leuchten, deren Farbtemperatur von den Gaslampen kaum zu unterscheiden sei. Gleichzeitig würden die Straßen wesentlich besser ausgeleuchtet – wie es die aktuellen Vorschriften auch fordern. Die neue Technik kann in die alten Lampen eingebaut werden, so dass von außen kaum ein Unterschied erkennbar ist. „Denkmalschutz und technischer Fortschritt lassen sich ganz gut verbinden“, meint Majer.

 

1,4 Millionen Ersparnis

 

Allerdings ist diese Umrüstung nicht billig: 10 900 Euro werden pro Lampe bei der LED-Variante fällig. Würden wieder Gaslampen eingebaut, käme man sogar mit 5800 Euro aus, weil keine neuen Kabel und Schaltstellen installiert werden müssen. Dennoch rechnet Majer damit, dass er mit der Umrüstung auf Strombetrieb wegen der geringeren Folgekosten langfristig Geld sparen kann – trotz geplanter Investitionen in Höhe von 58 Millionen Euro in den nächsten zwölf Jahren. 17,7 Millionen Euro gibt die Stadt pro Jahr für die Straßenbeleuchtung aus. Nach Abschluss der Umrüstung sollen es 1,4 Millionen Euro weniger sein. „Das ist auch ein Beitrag zur Haushaltskonsolidierung“, sagt Majer.

Die LED-Lösung hat die Mainova-Tochter Straßenbeleuchtung Rhein-Main eigens von einem Hersteller entwickeln lassen, der ein ähnliches Modell bereits nach Berlin geliefert hat. Allerdings wird diese Variante nicht bei allen Gasleuchten eingesetzt. Das liegt an den Kosten: Eine konventionelle Stromleuchte ist immer noch rund 1100 Euro billiger.

Deshalb schlägt der Magistrat vor, lediglich 1421 Gaslaternen auf LED-Technik umzurüsten. Die übrigen 4046 werden – die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung vorausgesetzt – durch konventionelle Elektrolampen ersetzt. „LED-Leuchten rechnen sich derzeit noch nicht“, sagt Majer. „Aber wir verfolgen die technische Entwicklung.“ Pro Jahr werden rund 500 Lampen ersetzt, im Nordend soll begonnen werden.

Das Verkehrsdezernat hat zusammen mit den Stadtplanern festgelegt, wo die aufwendige Umrüstung zum Tragen kommt. Berücksichtigt sind nur Straßen, in denen es eine lückenlose Gasbeleuchtung gibt und in denen die Stadtgestaltung eine besondere Rolle spielt. Das Dichterviertel im Dornbusch ist ebenso dabei wie Teile des Nordends, aber auch Alt-Griesheim oder die Riederwald-Siedlung. Majer erwartet, dass es noch Diskussionen darüber geben wird, welche Stadtteile ebenfalls zu Umrüstgebieten werden, also auch noch die LED-Lampen haben sollen. Nicht berücksichtigt sind bisher zum Beispiel Heddernheim oder Schwanheim.

Auf dieser Karte sehen Sie, welche Laternen in welcher Straße vorgesehen sind:

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