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Mahnmal der Homosexuellen-Verfolgung

Im Jahr 1994 wurde dieser Engel auf dem Platz an der Ecke Schäfergasse / Alte Gasse aufgestellt – als erstes vollplastisches Denkmal Deutschlands an die Verfolgung homosexueller Menschen mahnend. Vorbild des Werks der Düsseldorfer Künstlerin Rosemarie Trockel war ein Engel mit Schriftband, der ursprünglich als sogenannte Wimpergfigur zu einer Gruppe von elf Engeln gehörte, die das Westportal des Kölner Doms schmückten. Vom Original von Peter Fuchs vom Ende des 19. Jahrhunderts existierte nur ein lädiertes Gipsmodell. Trockel fertigte davon einen Wachsabguss. Sie schlug der Figur den Kopf ab und setzte ihn leicht verschoben wieder auf, um die Bruchstelle sichtbar zu machen.

Die Düsseldorferin schlug mit ihrem Wettbewerbsentwurf übrigens so renommierte Künstler wie Stephan Balkenhol (Deutschland), Donald Moffett (USA), Hermann Pitz (Deutschland) und Jeff Wall (Kanada) aus dem Feld.

Das Mahnmal, das an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Männer und Frauen im Nationalsozialismus erinnert, wäre ohne Idealismus und viel persönlichem Engagement nicht realisiert worden. Die Männer, die sich 1989 erstmals zusammenfanden und dann in Frankfurt den Verein Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung (IMH) gründeten, trafen auf wohlwollende Politiker und Mitstreiter beiderlei Geschlechts, aber auch auf leere öffentliche Kassen. Erst dank zusätzlicher Fördermittel und privater Spenden gelangte man ans Ziel.

Die veranschlagten Kosten für den Entwurf beliefen sich auf knapp 361 000 D-Mark. Die Hessische Kulturstiftung sagte 105 000 Mark zu, 10 000 steuerte die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung bei. Die verbleibende Summe von rund 240 000 Mark brachte die Initiative mit Hilfe einer bundesweiten Spendenaktion auf, die Ende 1993 große Solidarität innerhalb und außerhalb der schwul-lesbischen Szene auslöste. Eine Großsponsoren-Aktion bei Banken, Versicherungen und Großindustrie hatte zuvor das ernüchternde Resultat von 2000 Mark ergeben . . . Ende Juni 1994 war die Finanzierung des Mahnmals durch das Spendenaufkommen sichergestellt. Für das Mahnmal fand sich unweit der Szenetreffs ein geeigneter Standort – an der Ecke Schäfergasse / Alte Gasse, heute Klaus-Mann-Platz.

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