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Kleingärtnerverein Bonames: Mainova fordert 130 000 Euro: Gärtner sitzen auf dem Trockenen

Von Die Wasserrechnung kam überraschend: 130 000 Euro will die Mainova vom Kleingärtnerverein Bonames haben, nach 380 Euro in den Jahren zuvor. Nun fürchten die Gartenfreunde die Insolvenz.
Der KGV Bonames,der Verein wehrt sich, weil der eigene (nicht offizielle) Zähler ganz andere Verbrauchsmengen anzeigt als anscheinend jener der Mainova, zu dem die Kleingärtner aber keinen Zugang haben; Besteht die Mainova auch Begleichung ihrer Rechnung, muss der Verein Insolvenz anmelden.
KGV Bonames, am Alten Flugplatz Bonames Am Burghof 55,Osten, Frankfurt. Aufgenommen am 04.05.2018. Foto: Leonhard-Hamerski Der KGV Bonames,der Verein wehrt sich, weil der eigene (nicht offizielle) Zähler ganz andere Verbrauchsmengen anzeigt als anscheinend jener der Mainova, zu dem die Kleingärtner aber keinen Zugang haben; Besteht die Mainova auch Begleichung ihrer Rechnung, muss der Verein Insolvenz anmelden. KGV Bonames, am Alten Flugplatz Bonames Am Burghof 55,Osten, Frankfurt. Aufgenommen am 04.05.2018.
Bonames. 

Langsam kommt die Angst. Die Angst, dass der 1923 Kleingärtnerverein (KGV) Bonames die Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen nicht erleben könnte. Denn die Mainova hat den Kleingärtnern für ihre Anlage 3, zwischen dem Kalbach und dem Alten Flugplatz gelegen, eine Wasserrechnung über 130 000 Euro geschickt. „Das können wir auf keinen Fall bezahlen. Besteht die Mainova auf Begleichung dieses Betrags, müssen wir Insolvenz anmelden“, sagt die Vereinsvorsitzende Gabi Avlianos.

Über den Streit um die Rechnung hinaus haben die Kleingärtner seit Dezember 2016 kein Wasser. Damals entdeckte ein Mainova-Mitarbeiter, dass es irgendwo ein Leck geben muss. Die Wasserzufuhr wurde gestoppt. „Inzwischen haben wir auf eigene Kosten einen Brunnen gebohrt. Aber der Druck ist zu niedrig, er reicht nur für drei oder vier Gärten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Gerd Binder.

Wen trifft es?

Der Grund für die hohe Rechnung – in den Vorjahren lag sie bei rund 380 Euro – ist offenbar besagtes Leck. Die Ansichten, wer verantwortlich ist, gehen auseinander: Die Mainova betont, das Leck sei hinter dem Wasserzähler und somit im Hausanschluss. Für den sei stets der Kunde zuständig, sagt Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. Sprich: Es fällt in die Zuständigkeit des KGV – selbst wenn das Leck nicht auf seinem Grundstück ist.

„Auch im Sinne unserer übrigen Kunden behandeln wir alle Vertragspartner gleich“, erklärt Birgmeier. Ein Verzicht auf rechtmäßige Forderungen gehe auch zulasten der Stadt Frankfurt, dem Miteigentümer des Unternehmens. Zumal eine Prüfung ergab, dass der Zähler korrekt arbeite.

Doch zu dem Zähler hätten sie keinen Zugang und daher „gar keine Chance gehabt“, von dem Leck zu wissen, sagt Avlianos und macht Mainova für den Wasserverlust verantwortlich. „Der Zähler liegt 100 Meter außerhalb unserer Anlage auf dem Grundstück des Sozialzentrums Am Burghof. Jenseits des Kalbachs, unter dem die Wasserleitung hindurch führt“, sagt Avlianos. Hinzu komme, dass der Zähler in einem Schacht liege, den aus Sicherheitsgründen nur zwei Mitarbeiter gemeinsam betreten dürfen. „Wir können den Zähler nicht selbst ablesen.“

In den beiden anderen Anlagen des Vereins am S-Bahn-Halt Frankfurter Berg und Im Storchenhain im Osten von Bonames sei das anders. Dort seien die Zähler zugänglich und der jeweilige Obmann kontrolliere alle zwei Wochen, ob der Wasserverbrauch im üblichen Rahmen liege. „So können wir eingreifen, wenn uns etwas auffällt. In der Anlage 3 hingegen haben wir dazu keine Chance, das kann nur die Mainova.“

Drei Jahre lang, von 2014 bis 2016, hat die Mainova die Rechnungen geschätzt, wie Birgmeier bestätigt. Der Funkempfänger, den Mainova im Schacht installierte, habe beim Versuch, ihn auszulesen, keine Daten übertragen. „Hätten die Mainova-Mitarbeiter den Zähler abgelesen, wäre der finanzielle Schaden vermieden worden“, sagt Gerd Binder. Die Schätzung sei dann „in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Regelungen“ erfolgt, betont hingegen Birgmeier. Die Kleingärtner hätten die geschätzten Rechnungen ja beanstanden können.

„Wieso denn? Unsere eigenen Zähler in den Gärten ließen die Beträge plausibel erscheinen“, sagt Binder. Er ist überzeugt: Das Leck liegt außerhalb der Gärten. „Im Dezember 2016 stieg ein Mainova-Mitarbeiter in den Schacht und merkte, dass der Zähler sich schnell dreht, rief uns an: Wir hätten ein Leck, wir sollten den Schieber am Rand unseres Geländes schließen. Aber der war da bereits seit über zwei Monaten zu.“

Das Argument der Mainova, dieser teil der Zuleitung falle in die Zuständigkeit des KGV, will dieser nicht gelten lassen und bezieht sich dabei auf die technischen Anschlussbedingungen ihres Wasserlieferanten. Dort stehe ausdrücklich, dass der Zählerschacht „unmittelbar an der Grenze zur öffentlichen Fläche“ sein müsse – und nicht 100 Meter entfernt auf einem fremden Grundstück.

Ratenzahlung möglich

„Wir sind weiterhin gesprächsbereit“, betont Birgmeier. Den Verein erreichte unterdessen ein Angebot des Unternehmens, die Rechnung in monatlichen Raten von 500 Euro abzuzahlen, mehr als 20 Jahre lang, und den Zähler an den Rand der Kleingartenanlage zu verlegen. Die Kleingärtner ihrerseits überlegen, einen größeren Brunnen zu bohren, mit einer stärkeren Pumpe. Um künftig unabhängig von dem Wasserversorger zu sein.

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