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Stadtrat Lutz Raettig: Man nennt ihn Mr. Mainhattan

Bewältigt allein ein Pensum, das sonst zwei erledigen müssten: Lutz Raettig. Foto: Kammerer Bewältigt allein ein Pensum, das sonst zwei erledigen müssten: Lutz Raettig. Foto: Kammerer

Es ist ruhig, als der Dalai Lama den großen Raum im Frankfurter Hof betritt. Die mehr als 300 Menschen, die gekommen sind, um Tendzin Gyatsho, den 14. Dalai Lama, in der Nobelherberge zu sehen und zu hören, stehen auf, warten, bis der 79-Jährige auf dem großen Stuhl Platz genommen hat.

Unter den Zuhörern etliche Promis. Etwa Heino und seine Frau Hannelore. Und ein einflussreicher Frankfurter: Lutz Raettig .

Er folgte mit seiner Frau Katherine Fürstenberg-Raettig – wie die übrigen Gäste auch – der Einladung des Vereins „Freunde für einen Freund“. Sinn und Zweck dieses Clubs ist es, Menschen zu informieren und zu gewinnen, um die tibetische Exilregierung und die Tibeter bei der friedlichen Gestaltung ihrer Zukunft zu unterstützen. In dem Verein sind Unternehmer und Privatpersonen aus ganz Hessen aktiv, die sich mit dem Friedensnobelpreisträger verbunden fühlen.

Lutz Raettig, der ehrenamtliche Stadtrat der CDU, der auch den Spitznamen „Morgan Stanley’s Mister Mainhattan“ trägt, fühlt sich verbunden. Und nicht immer spielen das große Geld und die Finanzen bei dem gebürtigen Berliner und Aufsichtsratsvorsitzenden der US-Bank die erste Geige. Dem gläubigen, „aber nicht frömmelnden“ Mann geht es ums zwischenmenschliche Miteinander. Dafür setzt er sich ein. Schon lange. Sein Enthusiasmus für Tendzin Gyatsho ist beispielsweise schon weit mehr als ein Jahrzehnt alt.

„Seit 2002 interessiere ich mich für diesen Mann“, sagt der 71-Jährige einige Monate nach dem Frankfurt-Besuch des Dalai Lama in ganz anderem Ambiente, in einem kleinen Besprechungsraum im fünften Stock des Morgan-Stanley-Gebäudes in der Junghofstraße. „Vor zwölf Jahren nahm ich an einer Delegation mit Roland Koch nach Indien teil, und wir sind auch nach Dharamsala gefahren“, erinnert sich Raettig an den Aufenthalt im Exil des Dalai Lama. Für „Seine Heiligkeit“ hat Raettig zwar viel übrig. „Aber ich bin kein Buddhist geworden“, flachst er. Trotz aller Begeisterung blieb er passives Mitglied des Vereins „Freunde für einen Freund“. Und das aus einem einfach nachzuvollziehenden Grund: „Weil ich keine Zeit habe“. Die wenige, die er fürs Privatleben hat, verbringt er am liebsten zu Hause, und im August geht es einen Monat lang nach Portugal, wo seine Frau und er die Wochen mit ihrem behinderten Sohn verbringen.

Tatsächlich ist die Liste der Ehrenämter, die Raettig innehat, unendlich lang. In einem Alter und in einer Position, da andere längst die Seele baumeln lassen, hat er noch einiges vor: unter anderem das Image der US-Bank wieder aufzupolieren, das in der Vergangenheit nicht nur wegen der Weltwirtschaftskrise arg gelitten hat. Mit der Initiative „Frankfurt Main Finance“ etwa will er Stadt und Finanzwelt einander näherbringen.

Das einsilbige Wort, das ihm bei der Begründung seines vielfältigen Engagements stets klangvoll über die Lippen kommt, heißt „Spaß“. Die Freude an den Dingen, die er tut, und an den Sachen, für die er sich einsetzt, treiben ihn an. „Mir macht’s einfach Spaß“, sagt er mit einem Lächeln. Von Ruhestand also keine Spur. Täglich sitzt er um 6.30 Uhr in seinem Bürostuhl. Sein Arbeitspensum schafft der Multi-Funktionär mit Zeitdisziplin, einem gut organisierten Büro und dem Grundsatz: „Konzentration auf das Wesentliche. Dinge, von denen man nichts versteht, weglassen.“

Weil einiges in der Politik – zum Beispiel langatmige Sitzungen – die Geduld strapaziert, spart sich der Schatzmeister der Frankfurter CDU die Teilnahme, um an anderer Stelle etwas in Gang zu setzen. Angetrieben von der Erkenntnis, dass „man Dinge schneller befördert, indem man mittut“, wie er in einem Interview einmal sagte. Mit seinem Einsatz möchte er nach US-Vorbild „der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Raettig, der sich als „privilegiert“ bezeichnet und von sich behauptet, dass in ihm das Streben, in leitender Position zu sein, stets brodelte. „Ich hatte Glück im Leben, habe nie unter finanzieller Not gelitten und bin gesund.“ Deshalb nahm er das Amt des Stadtrates an.

Der „Community“, wie er die Gesellschaft auf Englisch nennt, etwas wiederzugeben, das tut er aber – bislang – nicht im „karitativen Sinne“. Sondern er fördert und fordert: zum Beispiel Studenten beim Deutschlandstipendium oder bei der Kronberg Academy, wo er talentierte Musiker unterstützt. Und er plant zurzeit, eine Stiftung zu gründen: für Menschen, die, so wie sein Sohn, das Down-Syndrom haben.

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