Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 7°C
3 Kommentare

Bundestagswahl: Martin Schulz hat in Frankfurt seinen großen Auftritt

Von Auf großer Bühne präsentierten die Sozialdemokraten gestern ihre Kandidaten für den Bundestag und ihren Wunsch-Kanzler: Martin Schulz badete in der Menge.
<span></span> Bilder > Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Frankfurt. 

Würden die jungen Frauen jubeln und kreischen, man könnte meinen, es sei ein Popstar, der sich den Weg durch die Menschen bahnt. Tatsächlich ist es Martin Schulz, der Wunschkanzler der SPD, der gestern seinen ersten großen Auftritt vor dem Frankfurter Wahlvolk hatte.

Es vollzieht sich das heutzutage übliche Ritual: Die Musik wird hymnisch, Schulz – gefolgt von Parteifreunden wie dem Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und Oberbürgermeister Peter Feldmann – schreitet aus dem Römer zur Bühne vor der Nikolaikirche und nutzt den Weg für ein Bad in der Menge. Alle strahlen wie die Sonne über ihnen, Schulz lacht in viele Smartphones, nimmt schließlich die Telefone selbst in die Hand und schießt mit sicherer Haltung die gewünschten Selfies. Lachende, dynamisch wirkende Fotos werden das, zumal die Ordner vor allem junge Zuschauer, etliche Jusos, aber auch Schulklassen, in die erste Reihe am Spalier gebeten haben.

Für alle etwas

Mehr als fünf Minuten dauert es, bis Martin Schulz, der frühere Chef des Europa-Parlaments und heutige Hoffnungsträger der Sozialdemokraten, das Pult erreicht hat. Einige Zuschauer halten ihm Slogans wie „London, Paris, New York, Würselen“ (in der letztgenannten Kleinstadt war Schulz mal Bürgermeister) entgegen. Der Römerberg ist zur Hälfte locker gefüllt. Offenkundig haben die Veranstalter bei ihren Leuten, Gewerkschaftern, Jusos und Ortsverbänden, die Werbetrommel gerührt.

Treu halten die Anhänger in der Hitze aus. Die Frankfurter Bundestagskandidaten Ulli Nissen und Oliver Strank, die hier ebenfalls um Stimmen kämpfen, lassen rotes Wassereis verteilen. Die Jungen tragen begeistert rote Werbesonnenbrillen.

Anders als alle Vorredner erklimmt Schulz nicht die hohe Bühne, sondern spricht nur wenig erhöht und beinahe mitten im Volk stehend. Er legt mit Frankfurt-Komplimenten los, spricht vom „wunderschönen Römerberg“ und „kann sich vorstellen, dass Menschen gern in Frankfurt leben“. Dann geht es hinein in sein Wahlprogramm, das vor allem mehr Gerechtigkeit verspricht. Und für jeden das zu haben scheint, was er sich nur wünschen kann: Geförderten Wohnraum für Otto Normalverdiener, kostenlose Kitas für Familien, gleiche Bezahlung auch für Frauen, Tariflohn für alle. . . Schulz streift in seiner halbstündigen Rede so gut wie jedes Thema, das politisch eine Rolle spielen könnte. Er gibt ein klares Bekenntnis zur Europäischen Union ab, erntet bekräftigende „Pfui“-Rufe für seine Seitenhiebe auf Bundeskanzlerin Merkel und die CDU, richtet strenge Worte an den türkischen Präsidenten Erdogan, beschimpft die AfD als „Schande für Deutschland“.

Es sprühen keine Funken

Schulz redet mit Kraft in der Stimme, das Publikum applaudiert zustimmend und am Ende seiner Rede noch ein ganzes Weilchen. Die SPD-Anhänger sind zufrieden. Doch es ist kein Rausch, kein „Schulz-Hype“ zu spüren. Von den Bänken reißt der Mann, der Angela Merkel aus dem Amt drängen möchte, die Leute nicht.

Regelrecht skeptisch bleiben die jüngsten Wähler zurück. „Die Lösung, die er anbietet, heißt: Wir werden es besser machen“, analysiert der Anna-Schmid-Schüler Mark die Rede des SPD-Spitzenkandidaten. Das sei wenig konkret, bemängelt der 17-Jährige und bedauert, dass er am 24. September noch keine 18 Jahre alt sein wird. „Dabei ist es eine so wichtige Wahl“, sagt der junge Mann, der Politik als sein Hobby bezeichnet.

Die Abiturienten Sophia, Nathalie und Denis dürfen erstmals wählen, aber die SPD-Veranstaltung lässt auch sie ratlos zurück. Zu viele Floskeln hörten sie hier, „da fehlt es an Glaubwürdigkeit“. Was einer wie Schulz hätte machen sollen, damit sie ihm abnehmen, was er verspricht, das konnten die Schüler allerdings auch nicht sagen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse