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Massaker im Edel-Bordell

Von Am 15. August 1994 fand die Polizei sechs Leichen in einem Edel-Bordell im Kettenhofweg. Angeblich sollte die „Russen-Mafia“ das Besitzerpaar und vier Prostituierte ermordet haben. Es war jedoch die Tat eines einzelnen Mannes gewesen.
Angestellte eines Bestattungsinstituts tragen am 15. August 1994 eine der Leichen aus dem Edel-Bordell im Kettenhofweg, während Ermittler in weißen Schutzanzügen den Tatort absuchen. Sechs Menschen waren damals aus Habgier ermordet worden. Angestellte eines Bestattungsinstituts tragen am 15. August 1994 eine der Leichen aus dem Edel-Bordell im Kettenhofweg, während Ermittler in weißen Schutzanzügen den Tatort absuchen. Sechs Menschen waren damals aus Habgier ermordet worden.
Frankfurt. 

„Sechs Tote im Kettenhofweg. War es die Russen-Mafia?“, titelten die Frankfurter Zeitungen im August 1994. Die sogenannten Bordellmorde in einer neobarocken Villa im Kettenhofweg 124 a im Westend waren bislang das Verbrechen mit den meisten Todesopfern in Frankfurt – vier Prostituierte sowie das Ehepaar, das das Edel-Bordell betrieb, starben. Bereits fünf Tage später führten die Ermittlungen der Kriminalpolizei zum Erfolg. Im bayerischen Kempten durchsuchten Beamte ein Wohnheim für Russlanddeutsche – beim 26-jährigen Eugen B. fand man die Uhr des getöteten Bordellbesitzers. Auch Kabelabschnitte wurden sichergestellt – die Opfer waren mit dem gleichen Kabel erdrosselt worden. Die gleichaltrige Ehefrau des Verdächtigen, Sonja B., sollte zur Tatzeit mit im Haus gewesen sein.

Bilderstrecke Vor 20 Jahren: Sechsfachmord in Frankfurter Bordell
Eines der blutigsten Verbrechen der Frankfurter Kriminalgeschichte jährt sich zum 20. Mal: In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1994 wurden in einem Edelbordell vier Prostituierte und das Besitzer-Ehepaar kaltblütig erdrosselt.Der Bordell-Besitzer Gabor Bartos (55), seine Frau Ingrid (47) und vier Prostituierte mussten auf grausame Art sterben. Die Strangulation mit Elektrokabeln ließ ihre Gesichter durch den Blutstau bis zur Unkenntlichkeit anschwellen. Die 18-jährige Veronika S. war das jüngste Opfer.Der zur Tatzeit 26-jährige Eugen Berwald wurde im Prozess wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts tötete er aus reiner Habgier.

Russen-Mafia?

Man wusste längere Zeit kaum etwas über die Hintergründe der Tat – bei der Staatsanwaltschaft beschäftigte sich die Spezialabteilung für Organisierte Kriminalität mit dem Fall. Dass die „Russen-Mafia“ dahinter steckten könnte, wurde von Oberstaatsanwalt Peter Köhler und später vom Frankfurter Landgericht ins Reich der Legenden verwiesen. Ende 1995 war die Anklageschrift gegen das Ehepaar Eugen und Sonja B. schließlich bei der Schwurgerichtskammer des Landgerichts eingetroffen – die Richter mit ihrem Vorsitzenden Klaus-Ulrich Baltzer waren in diesen Tagen „schwere Jungs“ gewöhnt. Gerade erst war ein Amokläufer, der auf der Konstablerwache geschossen und mehrere Personen getötet hatte, verurteilt worden. Nun ging es um sechsfachen Mord, der dem Hauptangeklagten Eugen B. zur Last gelegt wurde. Seine Frau stand „nur“ wegen Raubes vor Gericht.

 

Russen vorgeschoben

 

Den Ermittlungen zufolge hatte sie, die als Prostituierte in dem Etablissement arbeitete, ihren Mann ins Haus gelassen und auch beim Fesseln der Opfer geholfen. Aus dem Ruder lief die eigentlich als Raubüberfall geplante Tat erst, als der Bordellbetreiber mit dem Hund von einem Spaziergang zurückkehrte: Eugen B. tötete ihn. Um den Mord zu verdecken, erdrosselte der Täter auch die Ehefrau des Opfers und die im Keller gefesselten Prostituierten. Am Morgen des 15. August wurden die Opfer gefunden – eine weitere Kollegin der Lebedamen hatte das Wochenende gemeinsam mit einem Freier im Elsass verbracht und versuchte vergeblich, in das Haus zu kommen. Die Polizei fand schließlich die Leichen. Der Prozess vor dem Landgericht ließ die ungeheuerliche Tat als Einzelaktion eines chronisch in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Mannes erscheinen.


Tatort Frankfurt Sechs Tote im Edelbordell

Im neuen Buch "Tatort Frankfurt!" wird die Geschichte des spektakulären Mordfalls detailliert und spannend nacherzählt. Erschienen ist das Buch im Societäts-Verlag. Die Gerichtsreporterin Heike Borufka und Udo Scheu, ehemaliger Präsident der Hessischen Landespolizei, berichten darin über 17 Kriminalfälle, die die Öffentlichkeit der Mainmetropole bewegten. Die Story "Sechs Tote im Edelbordell" können Sie sich hier als PDF herunterladen.

clearing

Von seiner Ehefrau hatte er wohl die Informationen, dass in dem gewöhnlich gut frequentierten Haus einiges an Wertgegenständen zu holen sei. Gleichwohl bemühte sich Eugen B. von Anfang an, eine „Russen-Mafia“ ins Spiel zu bringen. Zuerst wollte er aus Angst vor Repressalien überhaupt keine Aussage machen. Dann plötzlich brachte er ominöse Hinterleute aufs Tapet – seine Verteidigerin sprach in ihrem Schlussvortrag von vier Russen, die unter Anführung eines „Alexander“ am Tattag ebenfalls in dem Edel-Bordell gewesen sein sollten. Eugen B. habe lediglich geholfen, die Opfer zu fesseln, was auch die Faser- und Fingerspuren von ihm erklären würde. Die russischen Mafiosi hätten die „Arbeit“ erledigt.

Am 11. Juli 1996 allerdings war es mit den Mutmaßungen vorbei. Eugen B. wurde wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Zusätzlich wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt – er sitzt noch heute in Haft. Als Einzeltäter habe er den Bordellbetreiber „aus Habgier“ umgebracht. Die übrigen Opfer mussten sterben, um die Tat zu verdecken.

 

Aus Habgier getötet

 

Seiner Frau Sonja B. war die Beteiligung an der Tötung der Opfer nicht nachzuweisen. Sie wurde wegen Raubes zu sechs Jahren Haft verurteilt. Wie bei derartigen Strafen üblich, überprüfte der Bundesgerichtshof das Urteil. Die BGH-Richter hatten nichts daran auszusetzen, so dass das Urteil einige Monate später rechtskräftig wurde.

Das 1902 erbaute und denkmalgeschützte Haus stand nach den Morden längere Zeit leer. Die Angehörigen des getöteten Hausbesitzers verkauften es 1995 an eine Wiener Immobilienfirma. Heute residiert dort unter anderem eine Investmentgesellschaft.

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