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Matthäuskirche wandelt sich zur Denkfabrik

Die Ausstellung „Denk Mal“ widmet sich der Erinnerungskultur – von traditionellen und modernen Bestattungsriten bis zum künstlerischen und multimedialen Umgang mit historischen Monumenten.
Wolfgang Nethöfel hat die Ausstellung kuratiert.	Foto: Menzel Bilder > Wolfgang Nethöfel hat die Ausstellung kuratiert. Foto: Menzel
Gallus. 

Als gebürtige Dresdnerin kann sich Ina Pause-Noack noch an die zerstörte Frauenkirche erinnern. Doch war es richtig, sie wieder aufzubauen? Die Künstlerin jedenfalls malt die Ruine in Form von Asche. „Asche ist fruchtbar, kann neues Leben hervorbringen“, sagt sie. Gabriele von Lutzau wiederum erinnert mit 77 Seelenvögel an die Morde im norwegischen Utøya: „Seelenvögel sind die Boten zwischen der Welt der Lebenden und der Toten“.

Die Werke der beiden gehören zum „Pfad des Gedenkens“ und der „Straße des Erinnerns“, die im Kirchsaal der Matthäuskirche entlang von 30 Stationen zur Bestattungs- und modernen multimedialen Erinnerungskultur zu sehen sind. Die Schau „Denk Mal“ entstand zusammen mit dem Museum für Sepulkralkultur in Kassel und dem Kuratorium für Deutsche Bestattungskultur. Sie zeigt Erinnerungs- und Hoffnungsobjekte für Verstorbene, Kriege und Katastrophen, vom jüdischen Grabstein und Porzellan-Grabtäfelchen in Buchform bis zu Fotos der Gedenkfeier für die Opfer des Terroranschlags vom 9. September 2001.

Gerald Hintze gewidmet

Ein Metall-Lebensbaum für Verstorbene und zwei vom Frankfurter Bildhauer Oskar Mahler gestaltete „Denksteine“ mit QR-Code, die eine Homepage für das Smartphone öffnen, erinnern an den Stadtplaner des Bahnhofsviertels Alfred Hottenrott und den im Dezember 2012 an den Folgen eines Fahrradunfalles verstorbenen Kurator der Weißfrauen-Diakoniekirche Gerald Hintze. Später sollen die Werke im Hauptbahnhof und in der Weißfrauenkirche stehen. „Herrn Hintze ist auch diese Ausstellung gewidmet, da er mit seinen Aktionen zum Nachdenken über unser kulturelles Gedächtnis aufforderte und sich der modernen Medien bediente, um Armut als Ausgrenzung zu überwinden“, betont Wolfgang Nethöfel, Kirchenvorsteher und Kurator in der Hoffnungsgemeinde.

Tobias-David Albert stellt seine Gedenk- und Mahnstätte gegen rechtsradikale Gewalt mit zwei versetzten Betonbänken vor, die die Inschriften zweier Opfer eines NSU-Terroranschlags in Rostock tragen und so angeordnet sind, dass sie bei gutem Wetter zum Zeitpunkt des Anschlags vom Streiflicht der Sonne beschienen werden.

Im Pfarrgarten der Matthäuskirche ist die Trauerhaltestelle von Mareile Höring und Solveig Maria Schacht als vier mal fünf Meter großes teils überdachtes Modul aus Holz zum Trauern und Innehalten aufgebaut. „Die Wände können mit Namen beschrieben werden, die vom Regen wieder ausgewaschen werden“, erklärt Olav Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums für Deutsche Bestattungskultur.

Blick in die Zukunft

Mit einer medialen Inszenierung ihres alten Flügel-Altars aus dem Seitenschiff, die nun als Leihgabe im Städel gezeigt wird, erinnert die Hoffnungsgemeinde auch an die Zerstörung der Matthäuskirche im Zweiten Weltkrieg und setzt sich zugleich mit der Zukunft ihres Gotteshauses auseinander, das in seiner jetzt weitgehend modernen Form an einen privaten Investor verkauft werden soll. „Wir verstehen uns als Denkfabrik, die den Umbau und die zukünftige Einrichtung auch im Erdgeschoss der Kirche plant, während der Kirchsaal ohnehin für den Gottesdienst gesichert bleibt“, erläutert Nethöfel. Ein anderer Weg der Erinnerung und Zukunft als in der Frauenkirche, die nach Jahrzehnten als Ruine weitgehend wieder aufgebaut wurde.

Die Ausstellung in der Matthäuskirche, Hohenstauffenstraße ist bis 28. September täglich von 17 bis
19 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

(got)
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