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Prozess in Frankfurt: Medikamente nie verabreicht: Apotheker hinter Gittern

Dass Krankenkassen Apothekern offenbar fast blind vertrauen, zeigt der Fall eines 60-Jährigen. Über mehr als drei Jahre hatte er die Kassen übers Ohr gehauen. Gestern wurde er verurteilt.
Richterhammer. Foto: Uli Deck/Archiv Richterhammer. Foto: Uli Deck/Archiv
Frankfurt. 

Drei Jahre und zwei Monate Haft wegen großangelegter Betrügereien mit einem Schadensvolumen von rund 850 000 Euro – die Hoffnung eines früher in Eschborn tätigen Apothekers (60) auf eine Freiheitsstrafe zur Bewährung ist gestern vor dem Landgericht nicht in Erfüllung gegangen. Dafür sei der Schaden einfach zu hoch gewesen, sagte Vorsitzender Richter Jörn Immerschmitt nach knapp zwei Monaten Verhandlung. Nur die mitangeklagte frühere Sprechstundenhilfe in der Frankfurter Uni-Klinik kam mit zwei Jahren Bewährungsstrafe und 300 Arbeitsstunden in einem Altenheim davon.

Die 53-Jährige hatte dem Apotheker regelmäßig Blanko-Rezepte und Patientendaten sowie einen Arztstempel verkauft, mit denen der Pharmazeut sein kriminelles Handwerk betreiben konnte. Er reichte in einem Zeitraum von 41 Monaten bis 2011 immer wieder Rezepte über extrem teure Medikamente zur Nachbehandlung von Lebertransplantationen bei den Krankenkassen ein, die niemals an Patienten verabreicht worden waren.

Bei den Kassen genießen die Apotheker offenbar großes Vertrauen – nur so ist es erklärbar, dass über mehrere Jahre die eingereichten Unterlagen nicht genauer unter die Lupe genommen wurden. Als es schließlich doch herauskam, hatte er seine Apotheke längst in den wirtschaftlichen Ruin befördert. Auch die mit den Kassen vereinbarte Wiedergutmachung wurden zum Großteil mit Entnahmen aus dem Geschäftsvermögen bestritten – ein Umstand, den ihm die Staatsanwaltschaft besonders übel nahm.

Der Anklagevertreter beantragte vor Gericht eine Strafe von mehr als vier Jahren, während der Verteidiger noch auf eine Bewährungsstrafe hinzuwirken versuchte. Ob die nun ausgesprochene Haftstrafe rechtskräftig wird, ist derzeit noch unklar. Der Verurteilte wird möglicherweise in Revision beim Bundesgerichtshof gehen.

(ge)
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