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Petrihaus bekommt ein Veranstaltungsgebäude für über 90 Gäste: Mehr Platz für die Romantik in Rödelheim

Das Petrihaus ist viel zu klein für seinen Förderverein. Für ein neues Veranstaltungsgebäude wurde aber gestern der Grundstein gelegt. 90 Personen werden dort Platz finden. Das Geld für den Neubau hat der Verein selbst gesammelt.
Endlich beginnt der Bau des Atelierhauses. Drei Jahre sammelten Wilhelm Bender (2.v.r.) und seine Mitstreiter die über 1,3 Millionen für ein neues Veranstaltungsgebäude. Foto: Leonhard Hamerski Endlich beginnt der Bau des Atelierhauses. Drei Jahre sammelten Wilhelm Bender (2.v.r.) und seine Mitstreiter die über 1,3 Millionen für ein neues Veranstaltungsgebäude.
Rödelheim. 

So schuckelig es in den kleinen Zimmern des Petrihauses am Rödelheimer Wehr auch ist: An den kleinen Holztischen auf den knarzenden Dielen des Veranstaltungsraums können maximal 30 Personen den Vorträgen, Lesungen oder Szenischen Darbietungen folgen, die der Förderverein Petrihaus organisiert. Dabei hat schon allein der Verein rund 250 Mitglieder und für die Kunst der Romantik interessieren sich in Frankfurt noch einmal deutlich mehr. Darum drängten sich bei den Veranstaltungen häufig mehr Menschen in den kleinen Saal, als er fassen kann.

Das Petrihaus braucht also mehr Platz. Darum schmiedeten Vereinsgründer Wilhelm Bender und seine Mitstreiter den Plan für ein neues Veranstaltungshaus in direkter Nähe zum Petrihaus. Der frühere Chef der Fraport AG wollte aber nicht bei der Stadt anklopfen und fragen, wer das denn bezahlen könne, sondern das Geld selbst auftreiben. Drei Jahre hat der Verein bei Stiftungen, Unternehmen und Mäzenen für die Idee geworben. So kamen 1,3 Millionen Euro zusammen sowie eine Reihe von Sachspenden, die für den Neubau benötigt werden. Gestern wurde der Grundstein gelegt.

Platz für 90 Gäste

Rechts der Einfahrt hat der Bagger die Erde schon eine Handbreit ausgehoben. Etwa acht bis zehn Monate sind für den Bau geplant, sagte der Architekt Berthold Ressler vom Büro ASR. Auf knapp 200 Quadratmetern sollen in dem Neubau etwa 90 Personen Platz nehmen können. Bei Stehempfängen sind es sogar noch mehr. Mit einem großen Bildschirm und einem Beamer wird auch technisch aufgerüstet. „Das ermöglicht uns, mehr Veranstaltungen zu organisieren und den Raum auch zu vermieten“, sagt Bender.

Laut Ressler wird man durch die gläserne Fassade nicht nur einen idyllischen Blick auf die Nidda und den Brentanopark haben. Man könne die drei Meter hohen Fenster auch verschieben und so die Fassade öffnen. Zudem seien auf den Fenstern Textpassagen geplant, die etwa aus der Feder von Clemens Brentano oder Goethe stammten. „Symbolisch stehen so die Ideen der Romantik mitten im Raum“, sagt Ressler „Indem man die beschrifteten Fenster aufeinander zu- oder voneinander wegbewegt, können diese Texte miteinander in Bezug gesetzt werden.“ Zum architektonische Konzept gehört auch, dass der Garten des Petrihauses neugestaltet wird. Links der Einfahrt hat man bereits begonnen, das ungenutzte Gebäude abzureißen. Dort entsteht ein Gartenpavillion. Dass das Petrihaus ein Ort der Romantik ist, liegt an seiner Geschichte. Der Frankfurter Kaufmann Georg Brentano kaufte das Haus im Jahr 1819 von dem Bäckermeister Johannes Petri, dessen Name das Haus heute noch trägt. Brentano war der Bruder der Dichter-Geschwister Bettina und Clemens Brentano. Beide gelten als wichtige Vertreter der Deutschen Romantik.

Brentanos Rückzugsort

Um es als Rückzugsrefugium zu nutzen, ließ Georg Brentano es durch den Berliner Architekten Karl Friedrich Schickel umbauen. So erhielt das Gebäude seine jetzige Form mit seiner überstehenden Dachkonstruktion und dem Balkon, der fast das ganze Haus umgibt. Nach Brentanos Tod ging man jedoch fleglich mit dem Haus um. Ab den 1970er Jahren wurde das Haus nicht mehr genutzt und verfiel. In den achtziger Jahren sollte es sogar abgerissen werden.

Bender ist es zu verdanken, dass das Petrihaus noch nicht zusammenfiel. Jahre lang sah er zu, wie sich der Zustand des Gebäudes verschlechterte. Um das Gebäude zu retten, gründete er 1998 mit 18 Freunden der Romantik den Förderverein Petrihaus. 1,4 Millionen Euro hat es gekostet, das Kleinod zu restaurieren. Schon damals griff der Verein nicht auf öffentliche Mittel der Stadt zurück, sondern sammelte die Spenden selbst. 2003 konnte das Petrihaus in neuem Glanz eröffnet werden. In den ehemaligen Arbeits- und Schlafräumen Brentanos betreibt der Verein heute ein kleines Museum. Unter dem Dach gibt es eine Lesestube.

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