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Schülern Empathie näherbringen: Mehr Respekt – für alle

Weil es auch in Frankfurt zu Rassismus und Diskriminierung gibt, plant das städtische Bildungsdezernat mit Kooperationspartnern das Programm „Respekt! Frankfurt gegen Diskriminierung“. In Workshops sollen Frankfurter Schüler Empathie entwickeln.
Sarah Sorge und Meron Mendel stellten die Broschüre zum Programm „Respekt! Frankfurt gegen Diskriminierung!“ vor. Foto: Rainer Rüffer Sarah Sorge und Meron Mendel stellten die Broschüre zum Programm „Respekt! Frankfurt gegen Diskriminierung!“ vor.
Innenstadt. 

Zu den tolerantesten Städten in Deutschland zählt Frankfurt am Main. Menschen aus über 170 Nationen leben hier – meist im friedlichen Einklang miteinander. Bei all der kulturellen Vielfältigkeit bleiben Rassismus, Antisemitismus und sonstige Diskriminierungen aber nicht aus. Nicht nur gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln. Auch Feindseligkeiten gegen Homosexuelle und Sexismus kommen vor.

Mediatoren und Kurse

Das Bildungsdezernat möchte daher nun verstärkt vorbeugend gegen jegliche Form der Diskriminierung vorgehen. Gemeinsam mit einer ganzen Reihe von Institutionen und Vereinen setzt die Behörde dort an, wo sich erste Anzeichen von sogenannter „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zeigen, dem Übel aber auch noch rechtzeitig begegnet werden kann: an den Frankfurter Schulen.

Das Bildungsdezernat bietet dafür gemeinsam mit der Bildungsstätte Anne Frank zwei aufeinander aufbauende Workshops im Schuljahr 2015/ 2016 an. In sogenannten Grundlagenworkshops beschäftigen sich die Schüler mit Hilfe von Mediatoren mit den Themen Diskriminierung, Menschenrechte und Demokratie. „Die Workshops behandeln unter anderem die Fragen, welche Bedeutung Diskriminierung für unser Zusammenleben hat oder wie man mit Menschenrechten gegen Diskriminierung argumentiert“, erklärt Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank.

In den anschließenden „Vertiefungsworkshops“ soll es um spezifische Formen der Diskriminierung wie Islamfeindlichkeit, Homophopie, Sexismus, Rassismus im Kontext von Flucht und Asyl, Diskriminierung von Roma und Sinti sowie Antisemitismus gehen. Gerade letzteres Thema bewegte die Frankfurter Stadtgesellschaft im letzten Jahr besonders.

„Es kam zu offener Judenfeindlichkeit, zu Pro-Palästina-Demos, auf denen unschöne Sachen zu hören waren“, erinnert sich Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne), deren Behörde gemeinsam mit der Bildungsstätte Anne Frank daraufhin die „Frankfurter Aktionswochen gegen Antisemitismus“ ins Leben rief. „Die Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, können wir nun für „Frankfurt gegen Diskriminierung“ nutzen“, kündigt die Bildungsdezernentin an.

Verordnen bringt nichts

Statt den Schülern dabei jedoch vorzukauen, dass Diskriminierung schlecht ist und keine Chance hat, sollen die Heranwachsenden vielmehr selbst spüren und erfahren, wie es ist, Hass ausgesetzt zu sein. „Die Mediatoren widmen sich den Gefühlen der Schülern und wecken deren eigene individuelle Erfahrungen mit Diskriminierung“, erklärt Sarah Sorge. Die Kinder und Jugendlichen sollen dadurch ein Einfühlungsvermögen für Menschen anderer Hautfarbe, aus anderen Kulturen und Religionen und anderer sexueller Orientierung entwickeln. „Das ist das A und O im Kampf gegen Diskriminierung“, macht Sorge klar.

Den Zugang zu den Schülern erleichtern sollen dabei sogenannte Mediatoren (Vermittler) jungen Alters, die die Sprache der Schüler sprechen, mit denen sich also die Schüler eher identifizieren können. Rollenspiele sollen der Jugend zudem aufzeigen, wie es sich anfühlt, Täter oder Opfer zu sein. „Damit und mit Appellen an die Empathie der Schüler sollen ,Aha’-Momente entstehen, die letztlich mehr bringen, als ein Unterricht mit erhobenem Zeigefinger“, hofft Sorge.

Die Stadt Frankfurt am Main und ihre Kooperationspartner legen zudem Wert darauf, dass „Respekt! Frankfurt gegen Diskriminierung“ nicht als eine Art „Kur“ gegen Herabwürdigungen wahrgenommen wird. „Verordnen bringt nichts. Lehrer können auf uns zukommen und Hilfebedarf anmelden. Aber auch Schüler oder Schülervertreter können sich melden. Zum Beispiel in Fällen, wenn Lehrkräfte eine Auseinandersetzung mit dem Thema Diskriminierung blockieren“, erklärt die Bildungsdezernentin.

Auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer werden angeboten. Sie schärfen dabei den Blick für alltägliche Formen von Diskriminierung – und wie sie darauf gegenüber Schülern reagieren können.

Es gibt Bedarf

Dass es einen Bedarf für eine Initiative wie „Respekt! Frankfurt gegen Diskriminierung“ gibt, dessen ist sich die Bildungsdezernentin sicher: „An Frankfurts Schulen steigen die Zahlen von Schülern mit Migrationshintergrund. Flüchtlinge kommen in die Stadt. Homosexuelle outen sich.“ Frankfurt am Main werde die weltoffenen Stadt bleiben, die sie schon lange sei. „Aber wir werden auch nicht jegliche Form von Diskriminierung beseitigen können“, räumt Sorge ein.

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