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Büste im Bahnhofsviertel: Mehrdeutiges Denkmal für Bildhauer Gustav Herold

Im Bahnhofsviertel soll im nächsten Jahr eine Büste der Bildhauerin Nina Hurnÿ Pimenta Lima an den Bildhauer Gustav Herold erinnern – er schuf die berühmte Atlas-Statue auf dem Frankfurter Hauptbahnhof.
Den Mädchenkopf, Teil der Herold-Büste (siehe Hintergrund), zeigt   Nazim Alemdar vom Kiosk „YokYok“. Foto: Ulrich Mattner Den Mädchenkopf, Teil der Herold-Büste (siehe Hintergrund), zeigt Nazim Alemdar vom Kiosk „YokYok“.
Bahnhofsviertel. 

Künftig kommt im Bahnhofsviertel kaum noch jemand an Gustav Herold vorbei. Eine Büste mit dem Konterfei des Bildhauers soll etwa in der ersten Jahreshälfte an der Ecke Kaiser-/Elbestraße aufgestellt werden, teilte gestern Oskar Mahler im Kiosk „YokYok“ mit.

Von diesem Standort aus soll das Kunstwerk in Richtung der Atlas-Statue auf den Hauptbahnhof blicken – und damit laut Mahler auch auf die als Grenze empfundene mehrspurige Straße Am Hauptbahnhof zwischen dem Viertel und dem Hauptbahnhof. Zudem soll die Büste auch an die industrielle Blütezeit erinnern, während der der 1888 eröffnete „Centralbahnhof“ entstand.

Mahler, ehemaliger Präsident des Gewerbevereins im Viertel, selbst Künstler und Gründer des Hammermuseums, ist seit Jahren überzeugter Chronist des Viertels. Und ein großer Fan des Hauptbahnhofs und seiner langen Geschichte. Er überzeugte die Frankfurter Bildhauerin Nina Hurnÿ Pimenta Lima, die Büste zu erstellen.

Nun haben Mahler und Lima der Büste (wir berichteten) eine dritte Symbolik verpasst. Auf der Rückseite von Herolds Kopf zeigt sich ein „zweites Gesicht“, wie Lima erklärte. Es besteht jedoch aus zwei Antlitzen: Dem Gesicht eines Mädchens sowie eines Jungen. „Deren Blicke sind in die entgegengesetzte Richtung gerichtet, in Richtung Sonnenaufgang. Sie schauen also in Richtung der Zukunft“, erklärte Mahler.

Zudem soll die Büste mit einem Stück Graphen ausgestattet werden. „Das ist eine Art modifizierter Kohlenstoff, der auch als das Material der Zukunft gilt“, erklärte Mahler. Ein Forschungsinstitut aus Singapur hat den Künstlern das Graphen zur Verfügung gestellt, es soll hinter einer Panzerglasscheibe in die Büste eingelassen werden.

Den Standort der Büste auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Cafés Kaiserzeit haben Mahler und Hurnÿ Pimenta Lima schon vor längerer Zeit ausgewählt. „Erst war die Fläche direkt vor dem Café dafür vorgesehen. Weil dort aber zu viele Leitungen im Boden verlaufen, fiel die Wahl auf die andere Straßenseite“, sagt Mahler. Allerdings müsse vor der Verankerung des Sockels noch ein Behindertenparkplatz um einige Meter verlegt werden.

Oskar Mahler hofft, dass das Projekt in der ersten Hälfte des kommenden Jahres fertiggestellt ist. „Der Vorgang wird gerade beim Stadtplanungsamt abgestimmt, das sich aber auch noch mit anderen Ämtern kurzschließen muss“, berichtete er.

Letztendlich soll die Büste Teil eines Ensembles aus mehreren Kunstwerken werden. So wurde Herolds Kopf aus einem Stück Sandstein geformt. Diesen übergab der ehemalige Bahnhofsmanager Heiko Scholz anlässlich des 125. Geburtstags des Hauptbahnhofs an Mahler. Dieser revanchierte sich, indem er Scholz ein von ihm und Nina Hurnÿ Pimenta Lima bearbeitetes Stück Sandstein für die Lounge des Hauptbahnhofs überreichte. Es erinnert wiederum an den visionären Planer und Bauleiter des Hauptbahnhofs, Alfred Hottenrott.

Gustav Herold, 1839 in der Schweiz geboren und später in Frankfurt Städelschüler, hat unter anderem die Sandsteinfiguren „Kellermeister“ und „Winzer“ am Römer geschaffen. Der Künstler starb fast 88-jährig anno 1927 in Frankfurt als armer Mann.

(bki)
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