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"Via Regia": Meilensteine für die „Via Regia“

Die „Via Regia“, eine der wichtigsten Kulturrouten Europas, zieht sich quer durch ganz Europa und streift auf ihrem Weg von Kiew in der Ukraine bis zum spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela auch Hessen. Drei Frankfurter haben sich der antiken Straße und den Geschichten dahinter verschrieben.
Bergen-Enkheim. 

Hinter Werner Stüber rauscht am Alten Zollhaus der Feierabendverkehr. Auto um Auto rollt auf der Friedberger Landstraße an Bergen-Enkheim stadtauswärts vorbei. Bedächtig lässt der Lokalhistoriker den Blick vom Heiligenstock der Straße entlang in die Ferne schweifen – was viele der Pendler in ihren Autos nicht ahnen: Ihr Nachhauseweg verläuft auf einer der ältesten Straßen Europas, auf der „Via Regia“.

Königliche Route

Zu Deutsch bedeutet der lateinische Ausdruck so viel wie königliche Straße, von einer akkuraten Straßenführung sprechen die Historiker allerdings nicht mehr, erklärt Lokalhistoriker Stüber: „Die Teilstücke der ,Via Regia‘ verliefen nicht immer geradlinig, zersplittert und manchmal auch parallel zueinander“. Der Begriff Korridor passe daher besser zu der transeuropäischen Route, an der auch Bergen-Enkheim liegt. Nimmt man alle Teilstücke der antiken Strecke zusammen, also von Kiew bis zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela, kommt man auf rund 4500 Kilometer. Mit ihrem neuesten „Meilenstein“ haben die Frankfurter Werner Stüber, Gunter „Harry“ Haarstark und der Grafiker Alexander von Zaluskowski aus Bad Vilbel der „Via Regia“, an der Friedberger Landstraße Ende Juli das mittlerweile fünfte Denkmal gesetzt.

Die Frankfurter Hobbyhistoriker Werner Stüber, Gunter »Harry« Haarstark und der Grafiker Alexander von Zaluskowski aus Bad Vilbel mit dem neusten Stein für die »Via Regia«. Bild-Zoom Foto: Leonhard Hamerski
Die Frankfurter Hobbyhistoriker Werner Stüber, Gunter »Harry« Haarstark und der Grafiker Alexander von Zaluskowski aus Bad Vilbel mit dem neusten Stein für die »Via Regia«.

„Es geht uns in erster Linie darum, ein Bewusstsein für die gesamte Route zu schaffen, die aus Teilstücken besteht, die nicht unbedingt verbunden scheinen“, erklärt Werner Stüber. So auch in Bergen-Enkheim, wo sich nach den Recherchen der drei Lokalhistoriker fünf prähistorische Straßen vor-römischer Siedlungen gabeln. Weiter westlich führte das hiesige Teilstück der „Via Regia“, bekannt hier als „Hohe Straße“ Keltenkönige und die Truppen Napoleons von Bergen über den Lohrberg, am heutigen alten Zollhaus vorbei und weiter entlang der Friedberger Landstraße bis zur Friedberger Warte. Reisende zogen von hier an der Grenze der alten Landwehr entweder durch das Tor in die Stadt hinein oder über den Dornbusch und die heutige Oeserstraße zur Nied-Brücke. Neben der lokalen Geschichte erzählen die fünf Frankfurter Meilensteine in Frankfurt, die man auch an der Galluswarte, im Höchster Schloss, in Hirzbach und Schöneck antrifft, auf den anderen drei Seiten sowohl die europäische, die deutsche als auch die hessische Verflochtenheit des Standortes mit der „Via Regia“.

Unterstützt wird Stüber beim Recherchieren für die Texte und bei der Gestaltung und Organisation der Meilensteine tatkräftig von Zaluskowski und Haarstark, alleine könnte Stüber seine vor fünf Jahren übernommene Rolle als aktives Mitglied im Kulturrouten-Netzwerk des Europarats schwerlich ausfüllen. „Den Auftrag dazu habe ich vom Europäischen Kultur- und Informationszentrum in Erfurt bekommen, und die prüfen alle drei Jahre, ob man seiner Informationsaufgabe auch nachkommt“, sagt Stüber. So müssen er und die anderen Lokalhistoriker sich immer wieder neue Aktionen und Ideen einfallen lassen, nach den barrierefreien Fahrradtouren auf dem Dreiradtandem zum Beispiel von Frankfurt über Hanau nach Gelnhausen gibt es jetzt den „Via-Regia“-Schluck aus der im Jahr 1585 gegründeten Schlitzer Destillerie nahe Fulda.

Nächster Stein kommt

Der nächste Meilenstein, so Stüber sei auch schon in Planung: Direkt am Lohrberg soll er in ein paar Wochen stehen, es sei aber noch einiges an Recherche- und Schreibarbeit zu tun. Anschaulich zu sehen ist die Arbeit Stübers und seiner Mitstreiter auch in ihren wandernden Fotoausstellungen, zum Berger Markt bauen die drei zum 28. August wieder ihr Ausstellungszelt auf mit der Bilderreihe „Via Regia – von Görlitz bis Saarbrücken“, die Stübers eigens dokumentierte Pilgerreise auf diesem Teilstück der „Via Regia“ zeigt.

(wib)
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