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Menschen, denen es hier gefällt

Von „In Fechenheim geht die Sonne auf“ heißt ein Kulturprojekt im Stadtteil, das nicht nur geographisch gemeint ist. Im Osten Frankfurts sind dafür etwa Freiligrathschüler mit der Kamera unterwegs. Das Ergebnis sind nicht nur tolle Bilder, sondern auch Interviews mit Menschen, die etwas über Fechenheim zu erzählen haben.
Milana (10) zeigt das Bild von Murat Toygar, das in der Eisdiele am Linneplatz entstanden ist.	Foto: Salome Roessler Milana (10) zeigt das Bild von Murat Toygar, das in der Eisdiele am Linneplatz entstanden ist. Foto: Salome Roessler
Fechenheim. 

Viele Fechenheimer äußern ihre Lebensfreude spontan in der Arbeit oder Freizeit. Das ist eine der Erfahrungen, die Milana (10) aus der Klasse 4 f der Freiligrathschule und ihre Schulkameradinnen in ihrer Foto AG gemacht haben. Etwa, als sie zum Linneplatz ziehen. Dort treffen sie Murat Toygar in der Eisdiele. Dabei entsteht nicht nur ein Foto. „Sein schönster Moment im Leben ist die Geburt seiner Kinder“, notieren sie dazu.

21 Porträts

Insgesamt 21 Porträts aus Bildern und Kurzinterviews haben die Jungen und Mädchen so zusammengestellt und werden viele Menschen im Stadtteil überraschen. „Fechenheim, ein Stadtteil wird erobert“, nennen sie ihre Ausstellung, die sie jetzt in der „East End Gallery“ im Medienzentrum ausstellen. „Viele Bilder konnten wir sogar ins Schaufenster hängen, wo man sie auch von außen hervorragend sieht“, freut sich dort die Medienpädagogin Alia Pagin.

Rund ein Jahr lang haben die Kinder ihren Stadtteil mit der Lehrerin Amelie Braun und der Fotografin Katrin Schander fotografisch erkundet – und dabei viele fröhliche Menschen gefunden. Nicht umsonst ist ihre Ausstellung Teil des Kulturprojekts „In Fechenheim geht die Sonne auf“, zu dem unter anderem eine weitere Foto AG, eine Tanz AG und eine Theater AG mit Besuchen des Theaterhauses Frankfurt gehören. In einer weiteren AG geht es um das Thema „Radio“, das die Schüler zusammen mit Alia Pagin und dem Sender „Radio X“ gestalten. Dabei werden Themen wie Sicherheit oder gutes Essen in Fechenheim thematisiert. Jetzt wurde das Projekt mit dem Bundeskulturpreis ausgezeichnet.

Als abseitig beurteilt

„Fechenheim wird wegen seiner geographischen Lage ganz im Osten leicht als etwas abseitig und zudem als sozial schwierig beurteilt“, stellt Gordon Vajen fest. Er ist nicht nur Leiter des Theaterhauses und Vorstandsmitglied des Vereins „Kunst für Kinder“, sondern er kümmert sich auch gemeinsam mit der Schule um das Projekt. „Dabei haben wir in der Struktur eher einen ländlichen und naturnahen Stadtteil, den seine Bewohner durchaus zu schätzen wissen“, erläutert Vajen.

Nicht zuletzt das zeigen auch die Fotografien der Freiligrathschüler. Dabei haben sie auch Frau Schaffner gesprochen. Die gebürtige Berlinerin ließ sich gerne beim Spaziergang mit ihrem Hund Rocky porträtieren: „Mein Lieblingsplatz ist der Main“, sagt sie und gibt Vajen damit Recht.

Doch auch im Ortskern um dem Linneplatz lernten die Schüler nicht nur mit Murat Toygar als geselligen Treffpunkt kennen: „Ich fand es am schönsten in meinem Leben, als ich nach Fechenheim gezogen bin“, betont Ingrid Ochs (70), die sich mit einem Postpaket fotografieren lässt.

„Wir haben extra vorgeschlagen, dass die Kinder hauptsächlich Menschen fotografieren sollen und nicht Straßen oder Häuser“, betont Vajen. „Denn das schult den Umgang. Man lernt, mit wem man sich besser verabredet, und wen man auch spontan mit Charme und Respekt für ein Projekt gewinnt.“ Dann musste die Fotografin Schander nur noch einige Details erklären, etwa wie man eine Spiegelreflexkamera bedient, bevor es losging. „Guten Tag, wir sind die Foto AG von der Freiligrathschule und möchten Sie bitte gerne porträtieren“ – diesen Satz haben die kleinen Fotografen immerhin verinnerlicht.

Auch wenn viele Schüler zum neuen Schuljahr die Schule wechseln, soll die Foto AG mit jüngeren Nachfolgern und neuen Ideen weitergeführt werden. Allerdings werden auch Sponsoren für das Projekt „In Fechenheim geht die Sonne auf“ gesucht. Bislang fließen jährlich etwa 20 000 Euro von privaten Geldgebern und Stiftungen. Hinzu kommen Zuschüsse des Kultur-, Bildungs- und Sozialdezernats sowie des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten. Immerhin, ein erstes Katalogbuch konnten die Schüler bereits zusammenstellen. „Bald könnten wir so ganz Fechenheim mit seinen Läden, Fabriken oder Dönerbuden porträtieren“, wünscht sich Vajen.

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr in der „East End Gallery“ im Medienzentrum Frankfurt, Ostbahnhofstraße 15, zu sehen.

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