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Wetterbeobachter am Flughafen: Meteorologen am Frankfurter Airport werten Daten zahlreicher Sensoren und Messgeräte aus

Die Faszination des Fliegens und die Liebe zur Natur – bei Bodo Feyh kommt beides zusammen. Als Wetterbeobachter am Flughafen Frankfurt hat er seinen Traumarbeitsplatz gefunden – wenn nur die Stare und eine gewisse Spinne nicht wären.
Die Nase immer im Wind: Bodo Feyh steht auf dem Gelände der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Rand der Start- und Landebahnen des Flughafens in Frankfurt. Foto: Boris Roessler (dpa) Die Nase immer im Wind: Bodo Feyh steht auf dem Gelände der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Rand der Start- und Landebahnen des Flughafens in Frankfurt.
Frankfurt. 

Wenn Bodo Feyh aus dem Fenster seines Büros sieht, rasen Flugzeuge scheinbar auf ihn zu. Der Lärm der startenden Maschinen ist in der Wetterstation auf dem Frankfurter Flughafen allerdings nicht zu hören. Nur oben auf dem Dach muss jede Unterhaltung alle paar Minuten kurz stoppen: Dann übertönen dröhnende Triebwerke alles andere.

Viel Zeit, den Anblick zu genießen, hat Feyh nicht. Der Dienststellenleiter der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Rande des Flughafenvorfelds muss Temperatur und Windwerte messen, Sensoren im Auge behalten und die für den Flugbetrieb relevanten Werte an Kollegen von der Luftfahrtberatungszentrale durchgeben.

„An jeder Bahn gibt es 30 festgelegte Messpunkte“, erklärt der drahtige Mann mit dem blonden Schnauzbart und blickt auf einen Monitor. Entlang der Darstellung der Start- und Landebahnen blinken grüne Lichter – ein Zeichen, das alle Sensoren funktionieren. „Da sind 24 Sichtmessgeräte, an jeder Schwelle sind Windmessgeräte aufgestellt“, erläutert er. „Alle zehn Sekunden gehen diese Werte zur Flugsicherung. Alle 30 Minuten werden unsere flughafenrelevanten Werte international verbreitet: Temperaturen, Wind, bei Nebel die Sichtwerte.“

Direkter Draht zum Tower

Für den Fall, dass es einmal noch schneller gehen soll, nutzen Feyh und seine Wetterbeobachter auch einen direkten Draht zum Tower. „Wir können zu jeder Zeit mit den Lotsen Verbindung aufnehmen oder umgekehrt“, betont der Wetterbeobachter. Er ist seit 37 Jahren am Frankfurter Flughafen im Einsatz – und hat seinen Traumjob gefunden. „Das ist der schönste Arbeitsplatz des DWD“, sagt er und zeigt auf die schallisolierte Fensterfront der Wetterstation.

Die Aussicht ist einzigartig – in der Ferne das Terminalgebäude, davor die Bewegungen der Flugzeuge. Links die Hügel des Taunus, rechts lässt sich der Odenwald erahnen. Und dann ist da natürlich noch der Klimagarten, in dem „ganz altmodisch“ Wetterbeobachtung betrieben wird. Regelmäßig geht Feyh nach draußen, um Erdtemperaturen, Niederschlagsmengen, Wind und Wolkendichte zu verzeichnen. Die Daten fließen in die sogenannten Langzeitbeobachtungen.

Feyh, der sich seit jeher gerne draußen in der Natur aufgehalten hat, schwärmt von der Idylle am Rande des Flugbetriebs. „Da draußen laufen Füchse herum, hoppeln Hasen umher und auch Fischreiher stehen hier.“ Der Fluglärm störe die Tiere anscheinend nicht weiter.

Weniger gut ist Feyh auf die Stare zu sprechen, die sich gerne auf den Drähten auf dem Dach der Wetterstation niederlassen. Die Vögel, beziehungsweise ihre Hinterlassenschaften, bringen mitunter die Messwerte durcheinander. „Wenn das Gerät Wolken auf einer Höhe von null Fuß anzeigt, hat mal wieder ein Vogel einen Volltreffer gelandet“, erklärt Feyh. „Da kann man dann nur versuchen, hinzugehen und die entsprechende Stelle vom Kot zu reinigen.“

Eine ganz neue Herausforderung ist die Dornfingerspinne, die sich vor nicht allzu langer Zeit in einem Messkasten im Klimagarten angesiedelt hat. „Wir können sie da nicht rausholen – das ist eine geschützte und bedrohte Spinnenart, die aus dem Süden eingewandert ist“, erläutert Feyh. Allerdings ist sie giftig; ihr Biss kann bei einem Menschen Lähmungserscheinungen auslösen. Feyh und seine Kollegen wagen sich nur noch mit dicken Handschuhen an den Kasten, um Werte abzulesen. „Bis jetzt ist noch nichts passiert“, sagt er. „Ich hoffe, dass die Spinne sich an die Störungen gewöhnt hat.“

Noch wechseln sich die Wetterbeobachter im Solo-Schichtdienst ab, es ist ein einsamer Job. Wer ständig Gesprächsbedarf hat, ist hier falsch. „Wenn aber einer seinen Job in Ruhe machen will, ohne dass ständig einer hinter ihm steht – dann ist er hier richtig“, sagt Feyh.

Umstellungen geplant

In ein paar Jahren aber werden Rechner und Sensoren ganz unter sich sein. „Die Station soll voraussichtlich 2021 unbemannt funktionieren“, sagt Sabine Bork, Leiterin der Luftfahrtberatungszentrale auf dem Frankfurter Flughafen. Sie arbeitet mit ihren Kollegen an der für den Flugbetrieb relevanten Vorhersage. Stundenlang verfolgen die Meteorologen Wolken- und Gewitterfronten auf Radar- und Satellitenbildern. Braut sich irgendwo ein Sturm zusammen? Dringt eine Gewitterzelle in einen Luftfahrtsektor ein, der beim Anflug auf den Frankfurter Flughafen passiert wird?

Die Beobachter auf der Wetterstation sind mehr für den Ist-Zustand zuständig. „Der Captain will über Aschaffenburg wissen: Was habe ich für Bedingungen für die Landung in Frankfurt? Was für eine Sicht habe ich? Ist es nass, wie muss ich reagieren?“, erklärt Feyh. „Das will er alles wissen, und das liefern wir ihm.“ So leisteten auch die Wetterbeobachter ihren Beitrag, „dass die Leute sicher abfliegen und ankommen“.

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