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Kritik von Stadtverordnetem: Miete bei alternativem Wohnprojekt ist zu teuer

Von Die alternativen Wohnprojekte des Frankfurter Netzwerks für Gemeinschaftliches Wohnen sollen der Gentrifizierung im Bahnhofsviertel vorbeugen. Doch es gibt auch Stimmen, die bezweifeln, ob es dabei auch immer sozial zugeht.
In dieses Haus in der Niddastraße 57 wollen die Initiatoren des Wohnprojektes Nika im April 2019 einziehen. Foto: Holger Menzel In dieses Haus in der Niddastraße 57 wollen die Initiatoren des Wohnprojektes Nika im April 2019 einziehen.
Bahnhofsviertel. 

Gemeinschaftlich wohnen, die Vielfalt bereichern und das Quartier vor Spekulanten und der Gentrifizierung schützen: Mit diesen Vorsätzen gehen in der Niddastraße das Hausprojekt Nika und die Wohngruppe Niddastern in den nächsten Monaten an den Start. Niddastern ist wie eine GmbH & Co KG organisiert, in die man sich mit Wohnanteilen einkauft. Und Nika bietet mit dem Frankfurter Mietshäuser-Syndikat, das nach einem genossenschaftlichen Wohnmodell funktioniert, eine Wohnung schon ab 9,50 Euro pro Quadratmeter an.

Platz für 42 Bewohner

Das Nika soll im April 2019 für bis zu 42 Bewohner bezugsfertig sein, der Niddastern startet ab kommendem Januar mit den Bauarbeiten für sechs zukünftige Bewohner. Dank der Unterstützung des Netzwerks Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, das bei der Immobiliensuche, der Vermittlung von Krediten und der Rechtsform der Verträge hilft, sollen im Erdgeschoss der beiden Standorte auch öffentliche Räume für Kunst und Kultur entstehen.

„Sicher ist ein Mietpreis von 9,50 Euro deutlich niedriger als im Bahnhofsviertel üblich“, kritisierte Manfred Zieran, Stadtverordneter von ÖkoLinX-ARL in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 1. „Doch um von einer sozialen Miete zu sprechen, dürfte er nicht höher als 5,50 Euro sein.“ Birgit Kasper vom Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen verteidigte die beiden Standorte Nika und Niddastern: „Die strengen Landesrichtlinien in Hessen für sozialen Wohnungsbau machen es derzeit an beiden Standorten noch sehr schwierig, Grundrisse für Wohngemeinschaften mit gemeinsamen Räumlichkeiten zu erstellen und entsprechend umzusetzen.“

Hinzu komme der Umstand, dass auch Bewohner mit und ohne Anrecht auf soziale Förderung gemischte Wohngemeinschaften bilden möchten, die dann als „Haushalts- und Bedarfsgemeinschaft“ gelten würden. „Klassischer sozialer Wohnungsbau wäre wünschenswert gewesen, aber Fördermittel gibt es im Bahnhofsviertel nur für Konversion“, ergänzte Melanie Schreiber von Nika und betonte: „Doch wir liegen immer noch deutlich unter dem Mietspiegel von 12, 20 Euro.“

Außerdem sei bei der Bildung von alternativen Wohnprojekten ausgeschlossen, dass Häuser mit dem vorrangigen Ziel vermietet würden, hohe Rendite zu erzielen. Zudem sieht das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen auch die Möglichkeit vor, dass Wohngemeinschaften ihre weniger zahlungskräftigen Mitbewohner durch gemeinsame Fonds unterstützen.

3,5 Millionen Euro muss Nika für den Kauf und den Umbau des Hauses aufbringen. Derzeit beteiligen sich dort 36 Bewohner bis zu 60 Jahren. Im Niddastern sollen die Bewohner im Alter zwischen 40 und 50 Jahren 20 bis 30 Prozent an Eigenmitteln für einen Mindestzeitraum von fünf Jahren einbringen. „Im Fall eines Auszugs wären diese Anteile dann an den nachfolgenden Bewohner zu verkaufen“, erklärt Valerian Jenny. Da bei Niddastern kürzlich ein Bewohner ausgestiegen sei, würde ein Nachfolger gesucht.

Das Milieu schützen

Um das Förderprogramm der Stadt Frankfurt mit dem Stadtumbau West für das Bahnhofsviertel planungsrechtlich abzusichern, wurde im Ortsbeirat zudem eine SPD-Anfrage an den Magistrat mehrheitlich angenommen – gefragt wird danach, wann die Milieuschutzsatzung für das Bahnhofsviertel verabschiedet wird. „Auch ein Milieu ist ein lebendes Gebilde in einem Viertel, das sich verändert. Hier sollte es keine Hemmnisse geben“, machte Stephan Korte (FDP) den Standpunkt seiner Fraktion deutlich.

„Die Millieuschutzsatzung ist zwar kein wirklich scharfes Schwert, aber doch ein Instrument, um der Gentrifizierung vorzubeugen“, hielt der SPD-Stadtverordnete Gregor Amman dagegen. Und so wurde die Anfrage mit großer Mehrheit verabschiedet.

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