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40 Bewohner demonstrieren: Mieter haben Angst vor Verdrängung

Von Rund 40 Mieter demonstrierten gegen umstrittene Sanierungen der Vonovia und forderten einen sofortigen Baustopp der Neubauvorhaben in der Knorrstraße.
Weil sie sich Sorgen machen, dass die Miete erhöht wird, gingen Mieter auf die Straße. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Weil sie sich Sorgen machen, dass die Miete erhöht wird, gingen Mieter auf die Straße.
Gallus. 

Schon jetzt, da das Neubauvorhaben der Vonovia in der Knorrstraße noch nicht weit gekommen ist, gibt es Klagen über Lärmbelästigungen durch die Tiefbauarbeiten. Doch geht es nach den bisherigen Mietern und Mitgliedern in der Mieterinitiative Gallus, dann sollen die drei Neubauten mit Mietpreisen bis zu 14 Euro pro Quadratmetern erst gar nicht gebaut werden, da sie aus ihrer Sicht der Milieuschutzsatzung E 9 widersprechen.

Trotz strömenden Regens gingen daher am Samstagnachmittag rund 40 Mieter der Vonovia und Anhänger der Mieterinitiative Gallus auf die Straße, um gegen die befürchtete Verdrängung durch Neubauten, die Aufstockung der Häuser 5 bis 11 und 8 bis 12 sowie umstrittene „Luxussanierungen“ auch in der Wallauer Straße zu demonstrieren. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Wohnung klaut“, skandierten sie.

Nicht rückgängig zu machen

„Bei Neubaumieten bis zu 14 Euro ist auch eine erhebliche Erhöhung unserer Bestandsmieten zu befürchten, dann kann ich meine Wohnung nicht mehr bezahlen“, machte der Mieter Abdul Khan seinen Befürchtungen vor einer Gentrifzierung Luft. „Die Mieter in der Knorrstraße hätten angehört werden müssen. Dies wurde versäumt, als der Neubau unter dem damaligen Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) genehmigt wurde. Und jetzt kann der Fehler unter Nachfolger Mike Josef (SPD) angeblich nicht mehr korrigiert werden“, betonte Michael Martis, Vonovia-Mieter in der Wallauer Straße.

Robert Stojanoski, ein Sprecher der Mieter in der Knorrstraße, erklärt, bislang seien deshalb 40 Beschwerden bei der Bauaufsicht eingegangen. „Dass die Mieter nicht angehört wurden, ist ein formaler Fehler, den Josef bereits eingeräumt hat“, erklärt Planungsamtssprecher Mark Geller auf Anfrage. „Inhaltlich widersprechen die Neubauten und Aufstockungen jedoch nicht der Satzung E 9, die solche Vorhaben nicht verhindern soll.“ Die Demonstranten bescheinigten deshalb der Bauaufsicht, sie sei die „Servicestelle für Miethaie“.

Zu etwaigen rechtlichen Schritten der Mieter erteilt Gellert keine Auskunft. Stojanoski erklärt, man wolle auf den schwierigen Rechtsweg voraussichtlich doch verzichten.

Verlust von Grünfläche

Umstritten sind in der Knorrstraße auch verschiedene Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, die zum Verlust von Grünfläche und zudem durch die Aufstockung und den Einbau von Aufzügen zum Verlust von Lagerraum in den Mansarden und zu weiteren Mieterhöhungen führen könnten. Verglichen mit den geplanten Aufzügen in der Wallauer Straße, von der die Vonovia inzwischen Abstand genommen hat, befürchtet etwa die Mieterin Dalia Dahman mindestens 100 Euro mehr Miete im Monat.

Wenn es um die Sanierungsmaßnahmen im Einzelnen geht, würde sich auch das Planungsdezernat mehr Transparenz und Rücksichtnahme wünschen, wie Mark Gellert einräumt: Bei den Aufzügen beispielsweise sollte man sich auch nach den Wünschen der Mieter richten, ob diese wirklich nötig sind.

Bei der Vonovia kann man diese Sichtweise hingegen nicht nachvollziehen: „Wir wollen die Entwicklung des Wohnquartiers sowohl in der Knorr- als auch in der Wallauer Straße gemeinsam mit den Mietern angehen, informieren in Versammlungen und stehen auch mit der Stadt in Austausch“, erklärt der Sprecher Max Niklas Gille. Luxussanierungen seien nicht geplant, erneute Nachzahlungen von Nebenkosten in der Wallauer Straße seien durch mehr Sperrmüll zu erklären.

„Da ist aber auch der Bauschutt von der Baustelle enthalten, der den Mietern aufgebürdet wird“, kritisiert Martis. Stojanoski erklärt, auch Oberbürgermeister Peter Feldmann lasse die Mieter im Stich, die er nach seinem Besuch in der Wallauer Straße mehr unterstützen wollte. Nun sei es Zeit, die Mieterinitiative nach Berliner Vorbild zu einer Mieterpartei auszubauen und selbst für dieses Amt anzutreten.

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