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Carmen Schott: Mit 16 Jahren schon das Abitur in der Tasche

Von Lernen fiel Carmen Schott immer leicht. Deshalb wurde sie früher eingeschult, hat eine Klasse übersprungen und früher als andere das Abitur gemacht.
Hurra, geschafft: Carmen Schott freut sich, dass sie das Abitur an der Kleyer-Schule geschafft hat. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Hurra, geschafft: Carmen Schott freut sich, dass sie das Abitur an der Kleyer-Schule geschafft hat.
Dornbusch. 

Die Schule ist für Carmen Schott erst seit ein paar Tagen Vergangenheit, schon spürt die frisch gebackene Abiturientin neben dem Stolz auf die gut bestandenen Prüfungen auch ein wenig Wehmut. Ihre Mitschüler, ihre Lehrer, der gewohnte Alltag am Beruflichen Gymnasium der Heinrich-Kleyer-Schule werden ihr fehlen. „Ich bin wirklich richtig gern in diese Schule gegangen“, sagt die junge Niederin, die mit gerademal 16 Jahren die Jüngste im diesjährigen Abitur-Jahrgang sein dürfte.

Nicht nur ihr Alter macht Carmen Schott zu einer besonderen Abiturientin, auch ihre Schullaufbahn ist ungewöhnlich: Eingeschult wurde das pfiffige Mädchen bereits als Fünfjährige, trotzdem fiel ihr die Schule so leicht, dass sie die zweite Klasse überspringen konnte. „Das heißt aber nicht, dass für mich alles von selbst ging. Ich war dann nicht mehr unterfordert, sondern sehr gefordert“, erinnert sich Carmen an ihre Grundschulzeit. „Damals habe ich das Lernen gelernt. Das war eine sehr wichtige Lektion.“ Wie selbstverständlich wechselt das Mädchen nach der Vierten aufs Gymnasium, aber die mit über eintausend Mitschülern riesige Schule, die Lehrer und sie, das passte nicht zusammen. Es folgten Jahre voller Frust, Tränen und Enttäuschungen, von „gern zur Schule gehen“ konnte nicht die Rede sein. Carmens Eltern und ihre zwei Schwestern litten mit ihr, plädierten für einen Wechsel, doch sie wollte wenigstens bis zum Ende der neunten Klasse durchhalten.

Überzeugendes Argument

Dann erzählte ein Bekannter vom Beruflichen Gymnasium an der Heinrich-Kleyer-Schule, der Berufsschule im Dornbusch. Was Carmen hörte, klang passend: Ein naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtetes Fächerangebot, kein Französisch mehr – und die Schulband als Wahlpflichtfach. „Das war für mich das überzeugende Argument, ich wollte in die Schulband“, sagt Carmen und lacht. Sie liebt den Auftritt auf der Bühne, nimmt Gesangsunterricht am Dr. Hoch’schen Konservatorium, spielt Trompete im Höchster Blasorchester. Musik ist ihr liebstes Hobby, die Band, deren Sängerin sie zwei Jahre lang war, blieb bis zum letzten Tag ihr Lieblingsfach.

Die Schule hatte aber noch viel mehr zu bieten: „Ich habe vorher noch nie erlebt, dass die Lehrer wirklich jeden Schüler mit Vor- und Nachnamen kennen. Hier war alles persönlich, familiär.“ Schon das Vorstellungsgespräch mit dem Direktor Friedel Nolde und einem Lehrer sei überzeugend nett und freundlich verlaufen. Mit 75 Schülern ging sie in die sogenannte E-Phase, die frühere elfte Klasse. Fast alle waren Jungs, neben Carmen gab es nur noch vier weitere Mädchen, die das Abi an der Kleyer-Schule machen wollten. Der Grund ist einfach: Mechatronik oder Datenverarbeitung ist dort ein verpflichtender Leistungskurs, das schreckt vor allem die Mädchen ab.

Carmen hingegen zog genau das an: „Meine ersten Wörter als Kleinkind waren Zementmischer und Entropie, ich war immer schon technisch interessiert.“ Carmens Eltern sind beide Physiker, für ihre insgesamt drei Töchter war es immer normal, dass es Barbie-Puppen und Lego-Steine in ihren Spielzimmern gab, dass sie sich für Schminke, Kleider und Handwerkliches zugleich begeistern können. Für junge Leute mit Interessen wie den ihren, so wirbt die Absolventin, sei dieses Gymnasium genau das Richtige: „Es gibt viel mehr Leute, die hier sehr gut hinpassen würden. Sie müssten nur davon wissen.“

Informatik-Studium

Einen kleinen Kloß im Hals hatte sie an ihren ersten Tagen auf der neuen Schule dennoch. „Informatik musste ich komplett neu lernen, das hatte ich in der Schule zuvor ja gar nicht.“ Und ein paar Tage fand sie es wohl auch komisch, als „Küken“ beinahe allein unter so vielen Jungs zu sein.

Doch die Aufregung legte sich schnell: „Jungs sind auch nur Menschen.“ Und den Lehrern gelang es, statt Scheu vor Mathematik, Technik und Co. so viel Begeisterung für ihre Fächer zu wecken, dass nicht nur Carmen Schott nach dem Sommer mit dem Informatik-Studium an der Goethe-Uni beginnen wird. So jung sie auch ist, so klar ist ihre Vorstellungen von der Zukunft: Big Data, also die digitale Verarbeitung riesiger Datenmengen, oder Hochleistungsrechner sind die Fachgebiete in der Informatik, in denen sie beruflich einmal ankommen möchte.

Für ein Mädchen von 16 Jahren sind das auch 2017 noch ungewöhnliche Berufswünsche. Carmen, die als weibliche Vorbilder zwei Physikerinnen, nämlich ihre Mutter und Bundeskanzlerin Angela Merkel anführt, wünscht sich, dass das anders wird: „Der Trick ist, keine Angst zu haben. Man muss das machen, was einen interessiert.“

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