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Graffiti-Initiative: Mit Farbe gegen die Tristesse

Von Die graue Wand unterhalb der Rosa-Luxemburg-Straße ist jetzt bunt: Zwölf Graffiti-Künstler haben sich dort verewigt und die rund 200 Quadratmeter große Fläche in ein überdimensionales Bild verwandelt. Mit dieser Aktion wollen die Sprayer zeigen, dass Graffiti nicht nur Schmiererei ist, sondern Kunst.
Ein roter Schriftzug auf grünem Untergrund: Auch Initiator Niclas Hartwig hat mitgesprüht und die Betonfläche in ein Kunstwerk verwandelt. Bilder > Foto: Leonhard-Hamerski Ein roter Schriftzug auf grünem Untergrund: Auch Initiator Niclas Hartwig hat mitgesprüht und die Betonfläche in ein Kunstwerk verwandelt.
Ginnheim. 

Aus den Lautsprechern dringt Musik, auf dem Asphalt des Bürgersteigs stehen halbvolle Getränkeflaschen und leere Pizzakartons, einige Meter weiter einige Spraydosen. Am Geländer, das den Gehweg von der Fahrbahn der Straße „Am Ginnheimer Wäldchen“ trennt, lehnt Graffiti-Künstler Niclas Hartwig und blickt nach oben zu dem Gerüst, das an der grauen Wand der Rosa-Luxemburg-Straße in die Höhe ragt. Er trägt schwarze Handschuhe, um seinen Hals baumelt ein grauer Mundschutz.

„Das sieht wirklich gut aus“, sagt er und lässt den Blick über die rund 200 Quadratmeter große Betonfläche schweifen. Dort wo bisher die Farbe Grau sowie einige Schmierereien keinerlei Blicke auf sich zogen, geht es jetzt bunt zu. Rote Schriftzüge auf grünem Untergrund, ein brüllender Gorilla und ein Orang-Utan, der gefährlich dreinschaut, zieren jetzt die Fläche. Dazwischen sprießen grüne Gräser und Blätter.

Aus Grau wird Bunt

Unter dem Motto „Großstadtdschungel“ haben jetzt zwölf Graffiti-Künstler die sonst eher schmuddelige Ecke in ein echtes Kunstwerk verwandelt. „Das dreckige Dutzend“ nennt sich die Initiative, die Niclas Hartwig gründete, um „aus etwas Hässlichem etwas Schönes“ zu machen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der 44-Jährige künftig noch mehr graue Wände in Kunstwerke verwandeln möchte. Zusammen mit elf anderen Graffiti-Künstlern aus Frankfurt und Umgebung. „Wir wollen zeigen, dass Graffiti mehr ist als eine Schmiererei. Es ist Kunst und vielmehr als illegales Sprayen“, sagt Hartwig.

Deswegen war auch alles völlig legal, was sich zwei Tage lang unterhalb der Straßenbrücke abspielte. Ende vergangenen Jahres begann er mit den Planungen, schrieb befreundete Künstler an und sprach mit der Stadt, ob die Fläche besprüht werden dürfte. Sie durfte und ist damit bereits das zweite Projekt, das „Das dreckige Dutzend“ in Frankfurt umgesetzt hat. Schon im vergangenen Frühjahr wurde eine 160 Quadratmeter große Fläche unter der Breitenbachbrücke, die Bockenheim und den Industriehof verbindet, umgestaltet.

Es sind jedoch immer andere Akteure, die mit Hartwig zusammen Hand anlegen. Darauf legt der Künstler wert. „Diese Aktionen sind zugleich eine Möglichkeit, dass wir uns untereinander austauschen und uns vernetzen können. Zudem können so verschiedene Stilrichtungen zu einem Gesamtkunstwerk vereint werden“, sagt er. Für das Projekt in Ginnheim entwickelte er das Motto, die Künstler steuerten ihre Ideen bei und so entstanden nach und nach die ersten Skizzen, die jetzt auf die Wand gebracht wurden.

Mehr als Schmierfinken

Jeder Künstler erhielt eine Fläche, an der er zwei Tage intensiv arbeitete. Und auch, wenn die Schriftzüge mit Rot und der Untergrund mit Grün die gleichen Farben tragen, so sieht man doch gleich, dass hier mehrere Leute am Werk waren. Genau so ist es auch gewollt. „Wir sind eins, aber trotzdem ist auch jeder für sich. Und wir sind wirklich mehr als Schmierfinken, auch wenn unsere Hosen, Jacken, Handschuhe und Finger of mit Farbresten übersät sind“, sagt Hartwig, zeigt auf die Farbkleckse auf seinen Handschuhen und lacht.

Die nächsten Projekte schwirren übrigens schon durch seinen Kopf, spruchreif ist aber noch nichts. „Alles zu seiner Zeit“, sagt der 44-Jährige und greift zur Farbdose.

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