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Firmengründung in Bockenheim: Mit aller Energie für Afrika

Von Handel auf Augenhöhe statt geschenkter Entwicklungshilfe: Die Firma „Mobile Solarkraftwerke Afrika“ bringt günstige Solarenergie auch in ländliche Gegenden des schwarzen Kontinents — und treibt dadurch Wirtschaft, Bildung und Klimaschutz vor Ort an.
So sehen sie aus, die Solaranlagen auf mobilen Containern. Mehrere in einer Reihe können Torsten Schreiber (.) und Charlie Njonmou aufstellen lassen - je nach Energiebedarf. Bislang abgeschnittene Dörfer könnten sich so modernisieren und entwickeln. Foto: Christian Christes So sehen sie aus, die Solaranlagen auf mobilen Containern. Mehrere in einer Reihe können Torsten Schreiber (.) und Charlie Njonmou aufstellen lassen - je nach Energiebedarf. Bislang abgeschnittene Dörfer könnten sich so modernisieren und entwickeln.
Bockenheim. 

Torsten Schreiber (43) hat schon einmal sein Gespür für visionäre Geschäftsideen mit ökologischem Hintergrund bewiesen: Als Mitgründer der Firma Bettervest, die über Crowdfunding — also Schwarmfinanzierung durch viele Kleinanleger — die Energieeffizienz von Gebäuden erhöht und den Anlegern feste Renditen von bis zu zehn Prozent garantiert (wir berichteten). Sein neues Projekt geht nun noch einen Schritt weiter: Über mobile Solarkraftwerke, die eigentlich für die Bundeswehr konzipiert sind, erhalten afrikanische Dörfer endlich Strom und können sich entwickeln.

 

Chance auf Entwicklung

 

Bislang habe zum Beispiel Mali eine Stromversorgung von 17 Prozent, wobei sich diese auch noch in den Ballungszentren wie der Hauptstadt Bamako konzentriere, weiß Charlie Njonmou (35), Geschäftsführer von Mobile Solarkraftwerke Afrika. Die Energiepreise in Mali zählen zu den höchsten der Welt, in dem afrikanischen Land werden kaum fossile Energieträger gefördert. Zudem steigt der Energiebedarf jedes Jahr an, was die örtlichen Energieversorger zusätzlich unter Druck setzt.

In ländlichen Gegenden nutze man vor allem wenig verlässliche und klimaschädliche Dieselgeneratoren zur Energieerzeugung. „In großen Teilen des Landes gibt es überhaupt keinen Strom, und Hochspannungsleitungen werden dort niemals aufgestellt, weil es zu teuer ist“, erklärt Schreiber. Energie sei aber die Voraussetzung für gesellschaftliche Entwicklungen. Genau diese könnten mit den mobilen Solarcontainern nun angeschoben werden.

Ein einziger Container kann nämlich 800 bis 1000 Menschen mit Energie für Licht und Kühlschrank versorgen. Sollten die Ansprüche wachsen, lassen sich für mehr Energie bis zu sechs Container in Reihe schalten. Auf- und Abbau eines Containers gelingt in weniger als einer halben Stunde, was etwa bei Sandstürmen hilfreich sein kann. Und die Wartung wird per Fernsteuerung und geschultes Personal vor Ort übernommen. „Die Container sind extrem flexibel und nachhaltig“, sagt Schreiber.

 

Im europäischen Interesse

 

Durch den Strom könnten etwa Milchbestände und Erntebestände der örtlichen Bauern, die aufgrund fehlender Kühlsysteme oft zu über 60 Prozent vernichtet würden, endlich gelagert und verkauft werden. Außerdem zeigten Berechnungen, so Schreiber, dass durch den Strom sofort viele kleine Unternehmen gegründet würden, was durch Handel eine Wertschöpfungskette in Gang bringe und den Lebensstandard der Menschen erhöhe.

Über eine Kooperation mit dem Hilfsprojekt „Labdoo“ würden zudem mit jedem Solarcontainer auch 20 bis 40 ausrangierte, aber reparierte Computer an örtliche Schulen gespendet, was die Bildung der nächsten Generation vorantreibe. Und weil die Firma auch LED-Lampen mitliefert, lasse sich mit der Solarenergie auch noch Malaria bekämpfen. „Die Lichtfarbe alter Glühbirnen zieht Malariamücken an, die von modernen LEDs nicht“, sagt Schreiber: „Die Container sind eine Allzwecklösung. Letztlich ist es auch im Interesse der Europäer, den afrikanischen Lebensstandard zu heben, weil dadurch der Flüchtlingstrend gestoppt werden kann.“

Der entscheidende Vorteil besteht nämlich darin, dass Kauf und Nutzung der Container 20 Prozent günstiger als die Verwendung von Diesel sind. Auch Gemeinden mit wenig Kapital können sich rund 2000 Euro monatlich für einen Container leisten, denn die Finanzierung der zwischen 80 000 und 150 000 Euro teuren Geräte geschieht zunächst über Crowdfunding mit deutschen Kleinanlegern über die Firma Bettervest. Die Schwarmfinanzierer erhalten dann über sieben Jahre des Mietkaufs eine garantierte und jährlich ausgeschüttete Rendite von neun Prozent und helfen nebenbei beim Klimaschutz und der sozialen Entwicklung Afrikas. Charlie Njonmou, der in Kamerun geboren wurde, an der TU Darmstadt als erster Afrikaner überhaupt Energiewirtschaft studierte und sein Fachwissen nun zum Vorteil der Heimat einsetzt, erklärt: „Das ist keine geschenkte Entwicklungshilfe, sondern Handel auf Augenhöhe.“ Eine gekaufte Stromanlage dürfe man nicht wie eine „fremde Sache“ behandeln, sondern wie wichtiges Eigentum, das bei Zahlungsverzug wieder abgebaut werden könnte. Dies sei auch eine Sicherheit für die Schwarmfinanzierer, die ihr Geld in die Anlagen stecken.

Die ersten 107 700 Euro für das Projekt kamen schon innerhalb von 72 Stunden zusammen, der erste Container soll bereits im Juli in Mourdiah, Mali, aufgebaut werden. Anfragen aus ganz Afrika lägen bereits vor, vier weitere Finanzierungen sind bis Ende 2015 geplant. „Wir wollen der erste mobile, dezentrale Energieversorger Afrikas werden“, sagt Schreiber.

Mehr Informationen zu dem Crowdfunding-Projekt gibt es auch unter der Adresse www.solarcontainer.org im Internet. Dort findet sich auch ein Verweis auf die Crowdfundingplattform „Bettervest“.

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