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Neues Lernförderzentrum hilft: Mit dem ABC auf Kriegsfuß

Von Um Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) eine individuelle Förderung zu ermöglichen, gründeten Ana Krizan und Yvonne Oschmann zum Jahresanfang das WOLF-Zentrum in Kalbach. Mit ihrer Einrichtung wollen sie nicht nur Kinder beim Kampf gegen Lernstörungen unterstützen, sondern vor allem sicherstellen, dass neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in der Lehre ankommen.
Yvonne Oschmann und Ana Krizan in den Räumen ihres gerade gegründeten Lernförderzentrums in Kalbach. Bilder > Foto: L.Hamerski Yvonne Oschmann und Ana Krizan in den Räumen ihres gerade gegründeten Lernförderzentrums in Kalbach.
Kalbach. 

Von der Idee bis zur tatsächlichen Gründung ihres Lernförderzentrums im Frankfurter Norden sind für Ana Krizan und Yvonne Oschmann gute anderthalb Jahre vergangen. Wenn sie nun – wenige Monate später – durch die Räume Im Kirschenwäldchen führen, fällt es jedoch kaum noch auf, dass ihr WOLF-Zentrum noch in den Kinderschuhen steckt. „Wir befinden uns gerade noch mitten in der Akquise, sprechen die Sozialrathäuser, Schulen und Kindergärten an und wollen nun erstmal verstärkt auf uns und unser Angebot aufmerksam machen“, erzählt Krizan.

Individuell fördern

Das unterscheidet sich von einem guten Dutzend ähnlicher Lernfördereinrichtungen in der Stadt vor allem durch das breite Programm, das die 31-jährige Psychologin Krizan und ihre 26-jährige Geschäftspartnerin Yvonne Oschmann anbieten wollen. „Wir wollen nicht wie andernorts oftmals üblich Gruppen von Kindern mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen betreuen, sondern setzen bei unserer Arbeit auf die Individualität der Kinder, die durch ihre jeweiligen Schwächen auch eine bestimmte Fördermethode benötigen. Um die innerhalb kürzester Zeit zu finden und dann effizient mit den Kindern zu arbeiten, sind die beiden jungen Frauen, die sich direkt aus einem Projekt der Uni Gießen heraus selbstständig gemacht haben, bestens gerüstet.

„Wir haben uns bei einem Forschungsprojekt kennengelernt, wo Lernstörungen bei Kindern und deren Förderung erforscht wurden“, erinnert sich Oschmann und erzählt, was sie antrieb, die Ergebnisse in die Praxis umsetzen zu wollen: „Das geschieht gerade auf diesem Gebiet viel zu selten. Es wird wahnsinnig viel erforscht, aber nur wenig in die Praxis getragen. Genau das wollen wir durch unser Lernförderzentrum stärken“, erzählt die studierte Deutsch- und PoWi-Lehrerin, die erst im Frühjahr eine Zusatzausbildung zur Dyskalkulietherapeutin abgeschlossen hat.

„Auch wenn es keine konkreten Erhebungen gibt, wie viele Kinder und Jugendliche in Frankfurt von Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen betroffen sind, lässt sich davon ausgehen, dass zwischen fünf und zehn Prozent jeden Jahrgangs Probleme mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen haben“, erklärt Krizan, die als Grundschülerin selbst Erfahrungen mit den Tücken der Rechtschreibung gemacht hatte. „Meine Eltern kamen erst kurz vor meiner Geburt von Kroatien aus nach Frankfurt. Da hatte ich mit der deutschen Sprache erstmal ordentlich zu kämpfen“, erinnert sie sich an ihre eigene Zeit an der August-Jaspert-Grundschule in Bonames. Den Sprung ans Gymnasium schaffte sie nur durch harte Arbeit. Es läge oft eben an der eigenen Motivation, wenn Eltern selbst noch die Sprache lernen und kaum fördern können.

Veraltete Methoden

Kindern in ähnlichen Situationen will sie in ihrem neuen Förderzentrum relativ schnell zu ersten Erfolgserlebnissen verhelfen. „Da geht es inzwischen leider nicht mehr nur noch um die Kinder, die zu Hause einfach keine Unterstützung erhalten. Auch die Schulen tragen dazu bei, dass etliche Schüler mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß stehen“ sagt sie. Der Grund: Eine beliebte Lehrmethode, die bereits in den 1980er-Jahren entwickelt wurde und nun wieder ganz in Mode ist. „Da geht es darum, dass die Kinder das Schreiben zunächst nach Gehör lernen und in den ersten Schuljahren einfach gar nicht korrigiert werden“, erklärt Krizans Kollegin Oschmann und kann dabei nur den Kopf schütteln. „Die Leidtragenden des Ganzen sind am Ende die Kinder, die spätestens in der fünften Klasse dann merken, dass sie mit Gleichaltrigen nicht mehr mithalten können.“ Umso wichtiger sei es, auf wissenschaftliche Modelle hinzuweisen, die zeitgemäßer sind, sind sich die beiden Gründerinnen einig.

Wer hingegen eine handfeste Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche diagnostiziert bekommt, brauche eine Menge Arbeit, um die Probleme zu überwinden. „Die Unterstützung, die wir dann geben, kann dann locker über ein Jahr dauern und setzt vor allem eine Menge Geduld und konstante Arbeit voraus“, so Krizan. Um das zu ermöglichen, haben die beiden in ihrem WOLF-Zentrum eine angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen, die den Kindern spielerisch den Umgang mit Buchstaben und Zahlen ermöglicht. Gefördert wird das Angebot für diagnostizierte Kinder und Jugendliche vom städtischen Jugendamt.

Und auch die Gründerinnen sind mit ihrem Förderzentrum nicht ganz auf sich allein gestellt: „Ermöglicht hat uns das alles das Gründerstipendium ’Exist’ des Wirtschaftsministeriums, das seit einigen Jahren dafür sorgt, dass wissenschaftliche Konzepte in die Tat umgesetzt werden können“, erklärt Oschmann. Davon, dass das bislang vor allem Errungenschaften aus der Technik sind, lassen sich die beiden nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil: „Es ist an der Zeit, dass in der Pädagogik auch endlich mehr passiert!“

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