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Projekt "Helfer auf vier Pfoten": Mit dem Hund auf Du und Du

Von Spielerisch, aber trotzdem respektvoll sollten Kinder mit Hunden umgehen. Das lernen sie von den „Helfern auf vier Pfoten“, die Grundschulen und Kindergärten besuchen. Das Projekt such noch dringend weitere Hundehalter, die sich engagieren wollen.
Ein gutes Team: Vorsichtig hält Leonie die Hand an Boomers Schnauze. Der schnappt sich schnell das Leckerchen. Bilder > Foto: Heike Lyding Ein gutes Team: Vorsichtig hält Leonie die Hand an Boomers Schnauze. Der schnappt sich schnell das Leckerchen.
Nieder-Eschbach. 

„Wer hat Angst vor Hunden oder wem ist bei der Begegnung etwas mulmig zumute?“, fragt Ulrike Becker in die Runde. Sofort schnellen fünf kleine Finger in die Höhe, ein sechsjähriger Junge ruft, dass er Hunde gar nicht toll findet und zeigt in die Mitte des Raums.

Sechs Vierbeiner stehen, liegen und sitzen dort auf dem Spielteppich, aufmerksam schauen sie in die Runde. 30 Augenpaare blicken zurück. Lange haben die Vorschüler der Kindertagesstätte St. Stephanus auf den Tag gewartet, an dem sie von den „Helfern auf vier Pfoten“ in Nieder-Eschbach besucht werden. Gestern war es soweit – Ulrike Becker und ihr vierköpfiges Team plus sechs Hunde kamen vorbei, um den Kleinen spielerisch, aber trotzdem respektvoll den richtigen Umgang mit den Vierbeinern zu zeigen.

Tierische Teams gesucht

Seit 2002 gibt es dieses deutschlandweite Projekt, auch in Frankfurter Kindergärten und Grundschulen sind die „Helfer auf vier Pfoten“ manchmal zu Gast. Obwohl keines der sogenannten Hunde-Helfer-Teams aus Frankfurt kommt. Denn in der Mainmetropole sind die Tierfreunde noch händeringend auf der Suche. Nach Hundehaltern, die sich und ihren Vierbeinern diese ehrenamtliche Aufgabe zutrauen.

Wie man sich in einem Zimmer voller Kinder und Hunde am besten verhält, zeigt Lan-tsho. Der tibetische Hütehund ist ein alter Hase, sorry Hund. Seit sieben Jahren ist er bei dem Projekt dabei, aus der Ruhe bringt ihn so schnell nichts. Nur beim Essen, da kennt der eher kleine Hund keinen Spaß. Getrocknete Pferdelunge hat Ulrike Becker mitgebracht. Eine Delikatesse, wie sie sagt.

Gefüttert werden die Hunde von den Fünf- und Sechsjährigen. Wer Angst hat, reicht das Leckerli auf einem hölzernen Kochlöffel. Leonie ist mutig, aber trotzdem vorsichtig. Ganz flach macht sie ihre Hand, streckt den Arm aus und ruft: „Boomer! Boomer!“ Rasch kommt der sechsjährige Mischling an, schnell, aber sanft klaut er das Stück Pferdelunge von Leonies Hand, dreht sich um und geht. Die Fünfjährige ist begeistert. „Das ist ja gar nicht schlimm, der hat ja eine ganz weiche Schnauze“, ruft sie, lacht und will gleich die nächste Leckerei verfüttern.

Kinder dürfen Angst haben. Das sei gar nicht schlimm, erklärt Ulrike Becker. „Bei unseren Besuchen muss niemand etwas tun, was er nicht will. Wir lassen die Hunde erst dann frei laufen, wenn alle Kinder damit einverstanden sind“, erklärt sie. Noch stehen einige Stühle falsch herum, mit der Lehne in die Mitte des Raumes gedreht. Diese Kinder haben Angst, so fühlen sie sich geschützt. Spätestens in der nächsten Woche, wenn die Vierbeiner ein zweites Mal zu Gast sind, werden keine Kinder mehr Angst, sondern höchstens noch ein mulmiges Gefühl haben. Das ist eines der Ziele des Projektes.

Darauf haben sich die Kinder gut vorbereitet, die zwölf goldenen Regeln haben sie dafür lange geübt. „Man darf dem Hund nicht auf den Schwanz treten und ihm nicht das Essen wegnehmen“, weiß Felix. „Wenn die Hunde miteinander spielen, dann darf man sie nicht stören“, ruft Leonie in den Raum. Alles richtig, sagt Ulrike Becker und hat noch eine wichtige Information mitgebracht. „Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, dann heißt das nicht automatisch, dass er spielen will“, erklärt sie den Kindern, dass man lieber nicht auf einen unbekannten Hund losstürmen, sondern sich ihm vorsichtig nähern sollte.

Eignungstest

Für die Kinder ist der Besuch der Vierbeiner ein voller Erfolg. Und auch die Hunde sind Feuer und Flamme, auch wenn es für Labrador Max zwischendurch etwas laut ist. Max ist zum ersten Mal dabei und muss sich noch daran gewöhnen, erklärt sein Frauchen Maria. Im vergangenen Herbst hat er den speziell für den Kindereinsatz entwickelten Eignungstest bestanden. Dabei werden der Gehorsam des Hundes und seine Reaktionen auf akustische und optische Signale sowie bedrohliche Situationen geprüft. Denn nur ein ausgeglichener, selbstbewusster Hund kann in einer ganzen Kindergartengruppe bestehen. Die sechs Vierbeiner in Nieder-Eschbach haben bestanden – und dürfen gerne wiederkommen.

 

Mehr Informationen zu dem Projekt sowie der Möglichkeit, sich als Helfer-Team zu bewerben, gibt es im Internet unter www.helfer-auf-vier-pfoten.de.

 

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