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Erste Ausstellung im Riederwald: Modellbau ist Männersache

Von Die Modellbahnfreunde Riederwald bereiten ihre erste Ausstellung am 3. Dezember vor. Ganz besondere Stücke sind dabei zu sehen, wie Modelle der Frankfurter Straßenbahnen.
Die Modellbahnfreunde Riederwald bereiten ihre erste Ausstellung im Bunker in der Schäfflestraße vor. Bilder > Die Modellbahnfreunde Riederwald bereiten ihre erste Ausstellung im Bunker in der Schäfflestraße vor.
Riederwald. 

Schon als kleiner Junge fing Ferdinand Hamann an, seine eigenen Automodelle zu bauen. Denn dem damals Sechsjährigen waren die Spielzeugautos längst nicht realistisch genug. So entstanden aus winzigen Knete-Kügelchen Blaulicht für die Feuerwehrautos, Außenspiegel entstanden aus Alufolie neu. Basteln wurde für den heute 63-Jährigen zur großen Leidenschaft – und so lernte er immer weiter hinzu.

Längst baut er nicht mehr um: Er baut seine Fahrzeuge selbst. Aus Kunststoff und Metall, im Maßstab 1:87, unter Modelleisenbahnern als „H0“ bekannt. Und er verkauft sie, im Internet unter www.hamann.de oder im Spielwarengeschäft Meder auf der Berger Straße. Zu einem echten Renner des gebürtigen Sachsenhäusers, der heute im Riederwald lebt, wurden dabei alte Frankfurter Straßenbahnen bis hin zum Ebbelwei-Express.

Längst ist der Platz daheim zu eng geworden – und so mietete er sich gemeinsam mit sechs anderen Modellbahnfreunden im Bunker in der Schäfflestraße 18 ein. Am kommenden Samstag, 3. Dezember, laden die Modellbahnfreunde Riederwald von 14.30 bis 18 Uhr zu ihrer ersten Ausstellung ein.

„Wir kennen uns schon länger, haben alle das gleiche Interesse an Modellbahn, aber jeder auf einem anderen Gebiet. Der eine fährt Trix Express, ein anderer Spur N, der nächste hat eine Märklin-Eisenbahn“, sagt Hamann. Oft sitzen sie zusammen, gehen Essen und fachsimpeln. Dabei denken sie auch an ihre Angetrauten: „Im Bunker haben wir einen Treffpunkt, an dem wir unsere Frauen nicht stören.“ Selbst Hamann als „Semi-Profi“ könne dabei von den anderen stets noch etwas lernen.

Autodidakt

Wie so viele Modellbauer brachte sich der pensionierte Berufsfeuerwehrmann Hamann die Fertigkeiten zum „Supern“ seiner Fahrzeuge, wie der Modellbauer vorbildgetreue Verbesserungen nennt, selbst bei. „Ich war 1981 einer der ersten, der seine Feuerwehrautos mit fluoreszierendem Leuchtrot lackierte.“ Das war aufwendig, alleine drei Schichten Grundierung trug er dünn auf. „Zu einer Zeit, als die meisten anderen noch mit Revellfarben und Pinsel arbeiteten.“

Irgendwann begann Hamann, Fahrzeuge für andere Modellbauer umzugestalten. Sein erstes eigenes Model entstand 1987 zusammen mit Josef Stängl, der auch Formen für die österreichische Firma Liliput gemacht hatte. Hamann suchte eine preiswerte Methode, selbst Modelle zu fertigen – und Stängl hatte Formen für ein Kunststoffmodell eines Kriegsstraßenbahnwagens der auch in Frankfurt fuhr.

So entstanden Hamanns erste Modelle aus Kunststoff – doch mit sinkenden Stückzahlen wurde das zu teuer: Seit 1999 entstehen sie in einer Kombination aus Guss- und Ätzteilen aus Metall. Er lernte, die Vorlagen für seine Modelle am Computer selbst zu zeichnen. „Das ermöglicht mir kleine Stückzahlen. Benötige ich etwas, gebe ich drei, vier Bausätze in Auftrag.“ An Pappmodellen probiert er zunächst aus, ob alles passt. Etwa beim Frankfurter U-Bahn-Wagen U 2, einem seiner neueren Modelle. Die dünnen Bleche biegt er selbst zurecht, bis sie passen. Für die Beschriftung der Fahrzeuge lässt er Nass-Schiebebilder, hauchdünne Aufkleber, drucken. „Es ist schon schwierig, detailgenaue und fahrbereite Modelle mit Innen- und Außenbeleuchtung zu fertigen“, sagt Hamann. Als Lämpchen benutz er Leuchtdioden, manche sind gerade einen halben Millimeter groß.

Vieles gespendet

Keiner führe bei den Modellfreunden Riederwald Wort, sagt André Fay. Im Verein habe jeder seinen eigenen Aufgabenbereich. Peter Fritz (58) etwa, Vorsitzender des ebenfalls im Bunker beheimateten Fastnachtsvereins FKG Narrhalla, fährt im Bunker mit seinen Märklin-Loks noch auf den alten, legendären Blechgleisen. So wie Heiko Weber (55), den er bei der Interessengemeinschaft Eisenbahn Bad Homburg kennen lernte. Andreas Bender (49) stellt gerade einen Wagen des Rheingold-Zuges aufs Gleis. Die Trafos stammen aus den 1950er Jahren, Signale und Weichen sind durchnummeriert und werden von Hand gesteuert. Mit Stichsäge und Schraubenzieher werkelt Peter Sigmund (58) an der Märklin-Spielanlage herum. Viele Schienen und Fahrzeuge für die Anlagen sind zum großen Teil gespendet. „Gerade eben hat uns ein Rentner eine große Kiste mit Häuschen, Streumaterial und Deko für zehn Euro überlassen.“

Im Nebenraum kümmert sich Heijo Reinl (49) um die Spur-N-Anlage, Maßstab 1:120. Hier gibt es viel zu entdecken: Einen Jahrmarkt mit beweglicher Schaukel, ein leuchtendes Riesenrad, überall blinken Feuerwehr- und Polizeiautos. „Die Anlage hat uns ein Rentner aus dem Taunus überlassen. Nun kümmere ich mich um die Computersteuerung.“ Bis zur Ausstellung muss alles fertig sein.

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